Alaaf & Alarm: Neues „Nazi-Netzwerk“ an der Universität

"Universität" - (Symbolbild:JouWatch)

Die „Bild“-Zeitung warnt vor einer rechten Elite-Uni. Eine solche soll offenbar in Frankfurt am Main entstehen. Es geht um ein Netzwerk namens „Gegen-Uni“. Die Entwarnung.

von Max Erdinger

Was ist eine deutsche Universität? Das ist ein Gebäude, in das man dumm reingeht und nach ein paar Jahren klug wieder rauskommt. So jedenfalls war das früher mal gedacht. Das Konzept hat aber Schwächen, die gerade in den vergangenen Jahren überdeutlich hervorgetreten sind. Immer wieder bemängelten Professoren, daß die Abiturienten, die zum ersten Mal vor dem Gebäude antanzen, viel zu dumm seien, als daß eine Aussicht darauf bestünde, daß sie das Gebäude jemals klug wieder verlassen könnten. Streng genommen dürfte sie der Haumeister gar nicht erst ins Gebäude hereinlassen. Da aber in Deutschland der Inklusionsgedanke stärker ist, als jedes Gemäkel von Professoren und Hausmeistern, wurden die Abiturienten trotzdem hereingelassen. Diese generöse Nachlässigkeit führte bekanntermaßen dazu, daß die deutsche Universität zu einem Gebäude geworden ist, in dem junge Menschen, die eigentlich viel zu dumm gewesen wären, um es jemals zu betreten, mit viel exaltiertem Geplärre dafür sorgen, daß niemand etwas sagt, das sie ihrer eigenen Dummheit wegen nicht verstehen können.

Experten für Strittiges aller Art sind sich angesichts des dummstudentischen Benehmens uneins in der Frage, ob das Geplärre deswegen stattfindet, weil die jungen Dummköpfe gern unter sich bleiben wollen, oder ob der Grund darin zu sehen ist, daß sie sich schon seit dem Tag ihrer Geburt für die Klügsten jemals gehalten haben. Spezialexperten für Hochschule & Betrieb konstatieren jedenfalls, daß das Wort „Universität“ zu einem Synonym für „Hort der linken Einfalt“ geworden sei. Sie haben Ursachenforschung betrieben und herausgefunden, daß die dummen Linksstudenten ihren Dachschaden einem extrem entwicklungshemmenden Erziehungskonzept verdanken, welches seit Jahrzehnten bereits vorsieht, kleinen Kindern „partnerschaftlich“ weiszumachen, das erste Häufchen im Töpfchen statt in der Windel mache sie schon zu Einstein. Die verhunzten jungen Leute hielten sich spätestens in der gymnasialen Mittelstufe bereits für nobelpreiswürdig. Die Spezialexperten halten es deshalb für keine gute Idee, das sogenannte „Reifezeugnis“ zu ersetzen durch einen alternativen „Kaka-Nobelpreis“ samt Urkunde. Auf jeden Fall sei es aber eine große psychische Belastung für das universitäre Lehrpersonal, daß es gegen seine eigenen Überzeugungen jeden Tag Lob aussprechen müsse, um zu verhindern, daß die dummen Linksstudenten auch noch depressiv werden.

Andersbegabte Experten

Ein paar wackere Männer vom alten Schlag hätten daher voller Tatendrang die Ärmel hochgekrempelt, um dem Schwachsinn an den deutschen Horten der linken Einfalt etwas Erbauliches entgegenzusetzen, schreibt die „Bild„-Zeitung. Weil der Verkaufserfolg der „Bild“-Zeitung aber seit jeher damit zusammenhängt, daß sie darauf verzichtet, Sachverhalte differenziert darzustellen, fehlen auch im gegenständlichen Bericht zum Netzwerk „Gegen-Uni“ die wesentlichen Aussagen. In der „Bild“-Zeitung steht nichts von linker Einfalt, wackeren Männern und der Erbaulichkeit. Stattdessen kommt in der „Bild“-Zeitung eine andersbegabte Expertin zu Wort. Es handelt sich um Frau Simone Rafael, „Extremismus-Expertin“ der Heidelberger Amadeu Antonio Stiftung. Sie warnt: „Diese Leute wollen die Demokratie abschaffen.

Die „Bild“-Zeitung weiß, um welche Leute es sich handelt, und daß der sogenannte Verfassungsschutz, der angeblich die Verfassung schützt, vor ihnen warnt. Die „Bild“ – Zitat: „Auf dem Papier ist es der Verleger Erik Ahrens, der übrigens früher für die Linke Liste in Frankfurt aktiv war. Eng verbunden mit ihm soll einer der Vordenker der neuen Rechten sein: Götz Kubitschek. Ebenfalls Marvin T. Neumann, der wegen rassistischer Tweets aus der AfD austreten musste. Außerdem Martin Sellner, der Anführer der rechtsextremen Identitären Bewegung in Österreich.

Rechts und Links: Extremisten

Experten für Unterschwelligkeiten aller Art behaupten nun, in der Warnung der andersbegabten Expertin von der Amadeu Antonio Stiftung schwinge die Sorge mit, „diese Leute“ könnten bei der Abschaffung der Demokratie schneller sein, als die Amadeu Antonio Stiftung selbst. Wenn dem so wäre, dann müssten Experten für Tatsächlichkeiten aller Art bedauern, daß in dem ganzen kurzen „Bild“-Artikel an keiner Stelle Bezug genommen wird auf einen der erfolgreichsten und meistgespielten zeitgenössischen Dramatiker an deutschen Theatern, den in Naumburg a.d. Saale geborenen Herrn Botho Strauss. Der hatte in seinem Essay „Anschwellender Bocksgesang“ vor bald dreißig Jahren schon festgestellt, daß der deutsche Demokrat recht eigentlich zum Demokratisten degeneriert sei, zu einem Extremisten also. Der „Spiegel“ zitierte ihn voller Bewunderung bereits im Jahr 1993. Botho Strauss vor bald dreißig Jahren mit einer sagenhaften Scharfsichtigkeit: „Demokratie braucht wie ein Organismus den Druck von Gefahr“ – „Rechte Phantasie ist die Phantasie des Dichters“ – „Der Mainstream macht das rechtsradikale Rinnsal groß“ – „In verschwätzten Zeiten bedarf die Sprache neuer Schutzzonen“ – “ Heute ist das Gutgemeinte gemeiner als der offene Blödsinn“.

Mit anderen Worten: Wer heute noch die Demokratie abschaffen wollte, der käme eindeutig zu spät, ganz egal, wo er herkommt. Allenfalls könnte er vielleicht den Demokratismus abschaffen, um die Demokratie wieder herzustellen. Andersbegabte Experten wie die von der ultralinken Antonio Amadeu Stiftung würden dabei allerdings nur recht nutzlos im Weg herumstehen, da sie die Demokratie schon lange nur noch wie eine Monstranz vor sich hertragen, auf daß niemand den linken Demokratisten erkenne, der hinter ihr herläuft. Und selbst, wenn das anders wäre: Für eine Warnung vor der Abschaffung der Demokratie käme die Frau „Extremismus-Expertin“ von der Amadeu Antonio Stiftung auch ungeachtet der obigen Überlegung zu spät.

Womit wir dann beim Grundgesetz wären und bei denen, die es eigentlich zum Zwecke des Demokratieerhalts zu schützen hätten, dem sogenannten Verfassungsschutz und dem Verfassungsgericht.

Verfassungsschutz und Verfassungsgericht

Wen der Verfassungsschutz heutzutage für demokratiegefährdend hält, kann man sich unmöglich mehr zum Maßstab eines eigenen Urteils machen, sagen die Experten für Tatsächlichkeiten aller Art. Mit der Verwandlung der Demokraten in Demokratisten habe das gar nichts zu tun, da sich schließlich das Grundgesetz nicht im selben Ausmaß mitverwandelt habe. Zu offensichtlich sei das verfassungsschützerische Versagen beim Schutz des Grundgesetzes. Auch das Bundesverfassungsgericht habe schon einmal deutlich mehr Vertrauenswürdigkeit verströmt, als allerweil. Was ein richtiger Verfassungsschützer sei, so die Experten für Tatsächlichkeiten aller Art, wäre so einer aufgestanden und hätte mit hochrotem Kopf gebrüllt: „So geht das nicht, meine Damen und Herren!“, als sich beispielsweise die Bundeskanzlerin mit genau jenen Verfassungsrichtern zum Abendessen im Kanzleramt traf, die drei Wochen später darüber zu entscheiden hatten, ob sich die Kanzlerin verfassungswidrig verhalten hat, als sie im Februar 2020 dazu aufforderte, eine ordnungsgemäß verlaufene Ministerpräsidentenwahl in Thüringen rückgängig zu machen, weil das Ergebnis angeblich „unverzeihlich“ gewesen war. Auch bleibt jedes Verfassungsgericht erkennbar unter seinen Möglichkeiten – eine nette Parallele zur deutschen Universität übrigens -, wenn es keinen Verfassungsrechtler zum Präsidenten hat, sondern beispielsweise einen Wirtschaftsrechtler, wie das beim Bundesverfassungsgericht der Fall ist. Daß ein solcher Präsident unter Umständen jahrelang für die Regierungspartei im Bundestag gesessen – und ein Vertrauter der Kanzlerin gewesen sein kann, spielt da schon fast keine Rolle mehr in einer „Demokratie“, in der überführte Hochstapler:innen als Cancelerkandidierende durchgehen und ehemalige Küchenhilfen als künftige Bundespräsident:innen gehandelt werden.

So betrachtet muß man der Gefährlichkeit des Verfassungsschutzes wegen ernstnehmen, was er als eine „Gefahr für die Demokratie“ zu bezeichnen beliebt, nicht aber den dieser utilitaristischen Einschätzung zugrunde liegenden Sachverhalt. Und so, wie „Baerbock zur Kanzlerin machen“ die zeitgenössiche Interpretation des traditionellen „Den Bock zum Gärtner machen“ ist, ist auch die „Extremismus-Expertin“ der Amadeu Antonio Stiftung nichts anderes, als eine zum Experten geadelte Extremist:in.

Die „Bild“-Zeitung

Trotz etlicher guter Beiträge des „Bild“-Chefredakteurs Julian Reichelt in jüngster Zeit, bleibt die „Bild“-Zeitung, was sie immer gewesen ist: Das Bündelungsblatt des Zeitgeistes, sofern man im Zusammenhang mit „Zeitgeist“ überhaupt von „Geist“ sprechen will. Die „Bild“-Zeitung ist eine unverzichtbare Stütze des Demokratismus, vermittels welcher sich der Demokratist „seine Meinung“ bilden soll, um in der Masse der „Bild“-Konsumenten – Slogan: „Bild Dir Deine Meinung“ – hernach nicht unangenehm aufzufallen mit einer Meinung, die er sich nicht via „Bild“ selbst gebildet hätte. Im Demokratismus lebt der Illusionsdemokrat sehr gern in der Überzeugung, es sei nicht so, wie im Folgenden beschrieben: In einem Land, in welchem das Volk über propagandistische Medien flächendeckend indoktriniert worden ist, um das Wort „verblödet“ zu vermeiden, herrscht für die Regierenden die absolute Narrenfreiheit. Es gibt nämlich garantiert immer jene „demokratische Mehrheit“, mit der sich eine intellektuelle Elite in der realpolitischen Bedeutungslosigkeit halten läßt. Für Regierungen, denen der eigene Machterhalt wichtiger ist, als die Vertretung von Volksinteressen, kann das Volk gar nicht dumm genug sein. Dennoch heißt die Bildungspolitik nach wie vor, wie sie eben heißt. Oder besser: Genau deswegen.

Die Universität

Was die wackeren Herren vom Netzwerk „Gegen-Uni“ anbetrifft, die nach Auskunft der „Bild“-Zeitung entweder lediglich „auf dem Papier“ etwas sein sollen, oder die mit jemandem bekannt sein sollen, der nur „auf dem Papier“ etwas ist – oder die die AfD wegen „rassistischer Tweets“ verlassen „mussten“, wobei es natürlich ganz ins Belieben der einfältigen Definitionsmächtigen gestellt bleibt, was „Rassismus“ überhaupt sein soll, ist anzumerken: Die Idee, die deutsche Universität von einem Hort der linken Einfalt in einen Ort der intellektuellen Vielfalt zurückzuverwandeln, ist eine überaus löbliche. Oder, um dem linken Gleichheitsgedanken konziliant etwas Tribut zu zollen: Horte der linken Einfalt, in denen solche intellektuellen Minderleister den Ton angeben, die man wohl als Linksextremisten bezeichnen könnte, nehmen garantiert keinen Schaden dadurch, daß sich intellektuelle Höchstleister um den Preis, sich von demokratistisch-linken Minderleistern als „Rechtsextremisten“ pejorisieren lassen zu müssen, darum bemühen, den Hort der linken Einfalt in einen Ort der intellektuellen Vielfalt zurückzuverwandeln. „Ort der intellektuellen Vielfalt“ war nämlich genau das, was dem Erfinder der Universität vorschwebte, als er sich entschloß, die erste Hochschule zu gründen.

Was meinereiner allerdings überhaupt nicht versteht, ist, weshalb sich die wackeren Herren ausgerechnet auf die Universität kapriziert haben, wenn es doch zweifellos so ist, daß genau diese Kaprizierung vom politmedialen Volksverblödungskomplex mit verbalen Dum-Dum-Geschossen bekämpft wird, und daß genau das auch vorherzusehen gewesen wäre. Es genügt einfach nicht, Recht zu haben, um erfolgreich zu sein. Insofern habe ich den Verdacht, daß es sich beim Netzwerk „Gegen-Uni“ um vergebliche Liebesmüh´ handeln könnte. Das relativiert sich lediglich insofern, als daß es hierzulande wahrscheinlich generell vergebliche Liebesmüh´ ist, sich für die Rückkehr zu Vernunft und Verhältnismäßigkeit einzusetzen, weshalb die einzige sinnvolle Alternative das Nichtstun wäre. Nichts tue ich freilich selber nicht, weil sonst diese sinnlose Medienkritik nicht entstanden wäre. Man tut eben, was man kann. Ob es zu irgendetwas Positivem führt, steht auf einem ganz anderen Blatt. Irgendwelche Konsequenzen wird es schon haben. Das muß leider reichen.