Impfzwang in Frankreich: Impfzentren zerstört

Die Proteste gegen die von der Macron-Regierung beschlossene Covid-Zwangsimpfung für große Teile der Bevölkerung halten an. 150.000 Menschen protestierten am Sonnabend landesweit. Die beiden Covid-19-Impfzentren in Isère und im Pyrénées-Atlantiques Distrikt wurden innerhalb von 48 Stunden geplündert und zerstört. Frankreichs Feuerwehrleute wehren sich gegen die Zwangsimpfung und in Martinique kam es in der zweiten Nacht zu Ausschreitungen.

Das städtische Gebäude, in dem die Impfstelle untergebracht war, sei komplett zerstört, erklärte der Bürgermeister der Stadt, Michaël Kraemer. Laut der französischen Tageszeitung Le Monde wurden auch Möbel, Spritzen und medizinisches Zubehör geplündert. Das Gebäude sei zudem unter Wasser gesetzt worden. Auf das Impfzentrum der Stadt Urrugne, gelegen im Département Pyrénées-Atlantiques wurde ein Brandanschlag verübt, berichtet FreeWestMedia.

Jeder habe das Recht auf seine eigene Meinung in Sachen Covid-Impfung, aber solche Taten würden alle Einwohner treffen, beschwerte sich der Urrugne-Bürgermeister Philippe Aramendi.

Am Samstag demonstrierten in Frankreich 150 000 Menschen gegen Impfungen und den Gesundheitspass, der ab August vielerorts verlangt wird. Widerstand kommt auch von den Feuerwehrleuten, seit sie am 12.Juli erfahren haben, daß sie zu zwangsgeimpft werden. Sieben Gewerkschaften fordern in einem Schreiben an das Parlament die Rücknahme dieser Maßnahme. Laut France seien die Gewerkschaftsvertreter von Feuerwehrleuten „nicht gegen Impfungen, sondern gegen ihre Verpflichtung“. „Zu Beginn der Pandemie wurde uns gesagt, dass wir kein Risiko eingehen und wir wurden ohne Schutz zu den Einsätzen geschickt“, so Xavier Boy, Präsident des Autonomen Berufsverbandes Feuerwehrleute. Nachdem die Feuerwehrleute, die positiv auf Covid getestet, aber asymptomatisch waren, aufgefordert wurden, ihre Arbeit fortzusetzen, „sind wir [jetzt] gezwungen, uns impfen zu lassen, obwohl wir bei guter Gesundheit sind“.

Der übliche Alarmismus auf der anderen Seite: Die angebliche Delta-Variante sei „innerhalb einer Woche um 80 Prozent gestiegen, so wie es seit Beginn der Krise noch nie gesehen wurde“, so Regierungssprecher Gabriel Attal gegenüber Le Parisien. In Frankreich sei die „vierte Welle“ der Covid-19-Epidemie angekommen: „Die Dynamik der Epidemie ist extrem stark, mit einer schnelleren Welle und einem steileren Anstieg als alle vorherigen“, erklärte Attal weiter.

In Martinique erlebte die Stadt Fort-de-France eine zweite Nacht der Gewalt und Plünderungen, nachdem am Samstag eine Kundgebung von Corona-Impfgegnern eskaliert war. Auf der Insel, auf der für 21 Uhr erneut eine Ausgangssperre verhängt wurde, kam es in Terresainvilles, einem beliebten Stadtteil von Fort-de-France, zu Zusammenstößen zwischen Polizei und Jugendgruppen.

Frankreich ist eines von etwa 15 Ländern, die obligatorische Impfmaßnahmen eingeführt haben. In Tadschikistan, Turkmenistan und Vatikanstadt wurde die Zwangsimpfung bereits vollständig umgesetzt. In anderen Ländern wie Großbritannien, Italien, Griechenland und der Schweiz gibt es die Impfpflicht für medizinisches Personal und bestimmte Berufe.

In Russland ist die Impfung von Angestellten des Dienstleistungssektors nur an einigen Orten wie Moskau und St. Petersburg obligatorisch, während in den Vereinigten Staaten San Francisco kürzlich angekündigt hat, dass alle 35 000 Stadtangestellten sich gegen Covid-19 impfen lassen müssen. (MS)