Spahns Inzidenz-Panikmache vor der Grippesaison: Die Politik führt ihre Impfkampagne selbst ad absurdum

Jens Spahn - high von zuviel Impfpropaganda? (Foto:Imago/photothek)

Dass sich immer mehr nicht nur einfach, sondern vollständig Geimpfte mit Corona infizieren, ist für die deutsche Politik und notorische Befürworter der direkten oder indirekten Impfpflicht überhaupt kein Argument gegen die Impfung. Denn entscheidend sei ja, dass die Impfung vor schweren und tödlichen Verläufen schütze. Wenn das stimmt, bedeutet es jedoch nicht mehr und nicht weniger als die völlige Aussage- und Bedeutungslosigkeit des Inzidenzwertes: Denn dieser korreliert dann gar nicht mehr mit klinischen oder gar intensivmedizinisch relevanten Fallzahlen – und sagt damit auch nichts über den realen Krankheitswert aus.

Fast die Hälfte der aktuell Infizierten – 47 Prozent – ist in England bereits geimpft. Und auch in Deutschland, mit zunehmender Prävalenz der „Delta-Mutante“, steigt die Zahl der „Impf-Durchbrecher“ stark an; in Berlin sind es alleine weit über 400, die trotz Volldurchimpfung „erkrankt“ (bzw. wieder positiv getestet) sind. Wenn es allerdings zutrifft, dass durch die Impfung statt Herdenimmunität nur ein Individualschutz erreicht wird – und auch dieser nur in Form abgeschwächter Verläufe -, dann dürfte es überhaupt keine epidemiologische Relevanz mehr haben, wer gerade eine laborbestätigte „Infektion“ aufweist, die in den meisten Fällen völlig ohne Symptome oder allenfalls mit denen einer leichten Grippe verläuft.

So liegen derzeit selbst in England, dem wieder einmal als „Vorlaufgebiet“ der demnächst angeblich bald auch uns blühenden Delta-Welle, landesweit gerade einmal 400 Covid-Patienten auf Intensivstationen – eine völlig unauffällige, normale Zahl, die vor Corona nicht die Fußnote einer Nachricht wert gewesen wäre. Und das wohlgemerkt bei täglich rund 50.000 „Neuinfektionen“ und einer „7-Tages-Inzidenz“ von 376,1 – und, noch entscheidender, bei einer Erstimpfungsquote von knapp 88 Prozent und einer Vollimpfungsquote von sagenhaften 68,3 Prozent.

Infiziert trotz Impfung – angeblich doch kein Problem?!

Dies sind Traumziele, die die deutsche Politik mit teilweise autoritär-faschistoiden Drohungen, teilweise absurden Werbekampagnen und einer unverantwortlichen Propaganda selbst bei den Jüngsten ebenfalls zu erreichen sucht.

Zu welchem Zweck aber eigentlich, wenn dieselben Impfbefürworter dann weiterhin nur auf Inzidenzwerte und „steigende Zahlen“ schauen, statt auf die reale Gesundheitsbedrohung (die real nicht mehr existiert)? Seit Boris Johnson vorgestern ankündigungsgemäß alle Maßnahmen von Maskenpflicht bis Kontaktbeschränkungen kippte, explodiert vor allem in Deutschland der Furor und grassiert die Fassungslosigkeit ob dieser „Unverantwortlichkeit„, dieses „tödlichen Leichtsinns“ – und zwar ausgerechnet bei denen, die eine Impfung als Allheilmittel preisen, die uns doch eben dies wiederermöglichen sollte, was England jetzt in die Tat umsetzt: Die Rückgabe der Freiheiten.

Die Inzidenz als nützlicher Gradmesser für Idioten

Aus dieser paradoxen, in sich widersinnigen Botschaft lässt sich bereits ablesen, dass hier in Wahrheit etwas ganz anderes im Vordergrund steht: Die Durchsetzung der Impfkampagne als Selbstzweck, mit eingebautem Wiederholungs-, Auffrischungs- und Verlängerungszwang. Und hierfür sind die „Inzidenzen“ das wichtigste, weil eingängigste Hilfsmittel. Die Bevölkerung ist entsprechend abgerichtet und darauf trainiert, die Inzidenzwerte, die „Zahlen“, als alleinigen Gradmesser anzunehmen (und zwar völlig ohne Hinterfragung des konkreten Aussagegehalts geschweige denn ihres stochastisch fragwürdigen Zustandekommens).

Bei uns steigen die Zahlen wieder„, „In England steigen die Zahlen wieder sprunghaft„, „in Holland ist es ja ganz schlimm„, „in Mallorca sind die Zahlen wieder ganz oben„, „bei uns steht die Inzidenz schon wieder bei XY“ sind beliebige Markt- und Smalltalkthemen – und drücken präventives Verständnis für politische Restriktionen aus. Die Politik wird einen Teufel tun, diese erfolgreich in die Hirne getriebene, idiotensichere Formel wieder zu löschen – entgegen aller Verlautbarungen, es würden auch „andere Kriterien“ bei der Lagebewertung Berücksichtigung finden.

Wegbereiter des nächsten Lockdowns im Winter?

Und genau deshalb wendet sich der Bundesgesundheitsminister denn auch heute wieder mit dräuenden Unheilsverkündungen und Warnungen an die Öffentlichkeit, im Oktober würden und „Inzidenzwerte von 800“ blühen, wenn „wir die Schutzmaßnahmen vernachlässigen„. Also weiterhin Schutzmaßnahmen – aber trotzdem impfen? Wird hier die banale alljährliche Grippesaison gleich als Anlass für den nächsten Lockdown in Stellung gebracht?

Und: War es nicht eben der Sinn der Impfung, diese Schutzmaßnahmen obsolet zu machen? Doch der Nonsens geht noch weiter: Nach erprobter Manier wird von deutschen Leitmedien bereits wieder Panik geschlagen, weil die Inzidenz gerade den zweistelligen Wert überstiegen hat; da staunt der Laie und der Fachmann wundert sich. Dabei wäre doch die einzige angemessene Frage, wenn man die Argumente der Impfanhänger ernst nimmt, selbst bei einer Inzidenz von 1000: Na und? (DM)