Süddeutsche Zeitung: Auf den Hund gekommen

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Die „Süddeutsche Zeitung“ ist im wahrsten Sinn des Wortes auf den Hund gekommen. Ein Kommentar beschäftigt sich mit der Verhaltensbiologie von Hunden. Die gedruckte Niedertracht. Hier die Kritik.

von Max Erdinger

Es ist schon wahr, daß man den Medienkonsumenten nicht immer nur mit Horrormeldungen und der überall lauernden Gefahr von irgendetwas bei Laune halten kann. Ab und an braucht es etwas Unterhaltsames. Provokationen sind unterhaltsam. Da Deutschland ein Land von Hundeliebhabern ist, bietet sich deshalb der Hund an, um sich auf seine Kosten zum provokanten Geist selbstzustilisieren. Um nichts anderes scheint es einem gewissen Christian Weber gegangen zu sein. Er provoziert mit einem Kommentar von anthropozentrischer Infantilität.

Die „Süddeutsche Zeitung“ ist nicht erst mit der Schlagzeile „Nur nehmen, nie geben“ auf den Hund gekommen. Mit anderen Worten: Der Hundeliebhaber ist ein Depp, der nicht merkt, daß er „den Kürzeren zieht“. Zu dumm ist er, um zu bemerken, daß er von seinem Hund nichts hat. Wahr ist meistens das Gegenteil. Die große Mehrzahl der Hundefreunde weiß genau, weshalb sie in ihre Lieblinge vernarrt ist. Hunde geben dem Menschen unglaublich viel. Hunde sind nämlich die letzten verbliebenen Heiligen. Eine alte Weisheit im Volk der Hundeliebhaber: „Der Hund ist dir im Sturme treu, der Mensch nicht mal im Winde.“ Eine weitere: „Der Mensch ist des Menschen Wolf. Der Hund aber ist des Menschen bester Freund.“ Das ist wahr. Der Hund gibt dem Menschen weit mehr, als er nimmt, wenn man eine solche Gegenrechnung überhaupt aufstellen will.

Die Niedertracht

Neue Experimente zeigen, dass Hunde kein bisschen dankbar gegenüber ihren Haltern sind. Psychogramm einer verwöhnten Lebensform.„, schreibt dieser Weber. Schon die Infantilität ist beeindruckend, die hinter der Begeisterung für „neue Experimente“ mit des Menschen ältestem Lebensgefährten sichtbar wird, da sie offenbart, wie sehr es sich bei Weber um einen Gläubigen handelt, der in der festen Gewißheit zu leben scheint, das Erkenntnispotential sei selbst bei grundlegenden Sachverhalten grenzenlos. Wahrscheinlich glaubt er den Werbeschnack von der Zahnbürste, deren Entwicklungspotential, wenn es nach der Werbung für Zahnbürsten geht, seit einem halben Jahrhundert noch immer nicht voll ausgeschöpft werden konnte. Bei Weber scheint es sich um eine verwöhnte Lebensform zu handeln, die sich der Last des Selberdenkens hat entledigen lassen. Weswegen Weber ganz gut dazu taugt, das Psychogramm einer verwöhnten Lebensform zu erstellen. Der Mainstream-Journalist ist zweifellos die Manifestierung einer verwöhnten Lebensform.

Weber: „Es ist ja schon länger bekannt, dass Hunde die so ziemlich privilegierteste Lebensform auf diesem Planeten darstellen.“ Das ist schon deswegen gelogen, weil muslimische Länder und China nicht „der Planet“ sind. Dort ist es lebensgefährlich, ein Hund zu sein. Lebensgefahr ist kein Privileg. Daß Hund zu sein in Deutschland sehr oft eine „ziemlich privilegierteste Lebensform“ darstellt, ist ebenfalls nicht ganz richtig, und zwar aus mehreren Gründe nicht. „Die privilegierteste“ gibt es nicht „ziemlich“, sondern nur absolut. Der Superlativ kennt kein „ziemlich“. „Ziemlich privilegiert“ wäre für Deutschland diskutabel. Wenn es um Hunde geht. Ginge es allerdings um „ziemlich privilegiert“, dann kämen in Deutschland noch ganz andere Lebensformen als Gegenstand der Betrachtung in Frage. Auf den Hund müsste man da nicht zurückgreifen. Ziemlich privilegiert sind in Deutschland zum Beispiel Frauen. „Nur nehmen, nie geben“, träfe auf feministisch privilegierte Frauen sogar viel öfter zu, als auf viele Hunde. Oder hätte eine Hälfte der deutschen Bevölkerung, die männliche nämlich, jemals irgendetwas davon gehabt, daß sie Frau Merkel, Frau von der Leyen, Frau Roth, Frau Göring-Eckardt, Frau Barley, Frau Giffey, Frau Baerbock und tausend andere mit Leckerlis in Form gut dotierter Posten verwöhnt hat? – Nein. Die männliche Häfte der Bevölkerung hat nur „Frauenpolitik“ dafür erhalten, eine Art „Minderpolitik“, so wie „Frauenfußball“ die mindere Form von „Fußball“ ist. Oder, um auf den Hund zurückzukommen: Vom gesellschaftlichen Nutzen her ist „Frauenpolitik“ etwa so segensreich wie das Hundehäufchen für den Hundeliebhaber. Verbeamtete Feministin zu sein, ist die privilegierteste Lebensform, die es in Deutschland gibt. Gegen die kann der größte Hundehaufen nicht anstinken.

Der süddeutsche Canidenignorant über den Hundehalter: „Sie versorgen die Schmarotzer hingebungsvoll mit Kost und Logis, selbst ihren Kot entsorgen sie in kleinen Plastiksäckchen. Rund 1,4 Milliarden Euro geben die Deutschen jedes Jahr für Hundefutter aus. Die wenigsten Hunde arbeiten dafür, etwa als Jagdbegleiter oder Wache. Von Hunden lernen, heißt in aller Regel: liegen lernen.“ – und das wäre noch nicht einmal dann ein einzigartiger Vorgang, wenn er von Relevanz wäre. Der „Spiegel“ versorgte bekanntlich Claas Relotius mit Geld für Kost und Logis, der „Stern“ einen Herrn Heidemann und einen Herrn Kujau. Deren Schriftkot entsorgten sie im Papierkorb. Und die „Süddeutsche Zeitung“ versorgt einen Christian Weber. Von solchen Journalisten lernen, heißt in aller Regel: Lügen lernen – oder ihre Zeitungen und Zeitschriften liegen lassen.

Ansonsten gilt bei den Stichworten „Nehmen statt geben“ und „Schmarotzer“, daß die „hingebungsvoll“ an „Kost und Logis schmarotzen gelassenen“ Hunde wenigstens nicht mit Messern bewaffnet durch die Fußgängerzone laufen, um eine ziemlich privilegierte Lebensform zu erstechen – und daß das auch einem Weber von der „Süddeutschen Zeitung“ hätte auffallen können, wenn er schon Schmarotzertum & Dankbarkeit zu seinem Thema macht. Auffallen dürfen hat es ihm halt wahrscheinlich nicht.

Der infantile Wissenschaftsgläubige in der „Süddeutschen Zeitung“: „Doch es kommt noch schlimmer, wie jetzt ein Forscherteam um den Verhaltensbiologen Jim McGetrick vom Konrad-Lorenz-Institut für Ethologie in Wien herausgefunden hat. In der aktuellen Ausgabe des renommierten Wissenschaftsmagazins Plos One berichten sie auf 33 Seiten detailliert über bahnbrechende Experimente, statistisch solide ausgewertet, deren Ergebnisse sich in nur einem Satz zusammenfassen lassen: Hunde sind undankbar.“- erste Korrektur: „es“. Das Forscherteam – „es“. Nicht „sie“. Und wer nicht gerade Weber heißt und für die „Süddeutsche Zeitung“ niederträchtige Kommentare auf Kosten der liebenswertesten Kreatur dieses Planeten schreibt, der würde spätestens dann, wenn er die Ergebnisse einer 33-seitigen „Studie“ in einem einzigen Satz zusammenfassen kann, bemerkt haben, daß es sich bei der Studie um verdammt viel Geschwafel auf 33 Seiten handeln muß. Die Zeiten, als die „Süddeutsche Zeitung“ noch mit solchen Logikern gesegnet gewesen ist, sind allerdings schon längst vorbei. Weswegen auch Weber selbst keine sensationelle Neuigkeit im Journalismus darstellt.

Die „Süddeutsche Zeitung“: „Nein, der Hund ist nicht der beste Freund des Menschen, er tut nur so. Lieb gucken und Männchen machen kostet ihn nichts. Aber wenn es um eine härtere Währung geht, also um Futter, ist es vorbei mit der Freundlichkeit.“ – Nein, der Weber ist nicht der beste Freund des Lesers, er tut nur so. Gescheit gucken und Kommentärchen machen kostet ihn nichts. Aber wenn es um härtere Währung geht, also um sein Autorenhonorar, ist es vorbei mit der Freundlichkeit.

Und weil es noch nicht reicht mit Webers „menschenbezogener Hundefeindlichkeit“: „Die Frage bleibt, wie man mit dieser bitteren Einsicht umgeht. Man muss ja nicht gleich zur kulinarischen Lösung greifen, die immer noch in einigen Gegenden Chinas, Vietnams und Koreas sowie bis in die Nachkriegszeit in Deutschland gepflegt wurde. Und schmecken Hunde überhaupt? Und außerdem muss man anerkennen, dass die Tiere zumindest einen großen Nutzen haben: Sie verjagen die anderen skrupellosen Trittbrettfahrer der Menschheit, die Katzen.“ – was zu der Frage führt, ob Kommentatoren der „Süddeutschen Zeitung“ den Kannibalen in Papua-Neuguinea schmecken würden und ob es ein liebenswertes Tier gibt, das noch ganz andere, besonders skrupellose Trittbrettfahrer der Menschheit verjagen würde: Den deutschen Mainstream-Schmieranten.

Wahr ist: In einem Land, in dem solche entseelten Individuen ihre Kommentarhäufchen hinterlassen, ist der Hund in seiner Kreatürlichkeit, mit seinem treuen Wesen und seiner Feinfühligkeit, seiner Bereitschaft, sein Leben für das seines Menschen zu geben, fast der einzige Lichtblick geblieben. Unsere Hunde sind die besten. Nicht zuletzt deswegen, weil sie uns mit ihrer bedinungslosen Liebe zeigen, wie schön das Leben sein könnte, wenn es nicht der Mensch wäre, der des Menschen Wolf geblieben ist. Im Übrigen ist es eine glatte Verleumdung des Hundes, daß er nicht dankbar sei. Wer einmal erlebt hat, wie ein Hund aufblüht, der unverhofft „seinen Menschen bekommt“, dem ist dieses Aufblühen mehr als Dank genug. Der Hund bringt die bedingungslose Liebe ins Leben. Dafür ist ihm gar nicht genug zu danken. So herum wird ein Schuh daraus. Hundlis forever!