Geheuchelte Medienempörung über RTL-Schlammreporterin: Mit Dreck arbeitet ihr doch alle!

Von RTL suspendiert: Susanna Ohlen, hier noch mit Make-Up statt Schlamm (Foto:Imago/APress)

Dass Journalisten der linken Medienkamarilla mit Schmutz werfen, ist bekannt – Hans-Georg Maaßen kann ein Lied davon singen. Neu ist hingegen, dass sie sich auch selbst damit beschmieren, wenn es Quote und „Authentizität“ verspricht. Allein, erwischen lassen sollten sie sich dabei nicht. Das ist vorgestern Susanna Ohlen passiert, die sich als RTL-Reporterin im Hochwassergebiet vor der Liveaufnahme beherzt selbst Matsch im Gesicht rieb und dabei gefilmt wurde. RTL stellt die Mitarbeiterin nun erbarmungslos frei – während sie selbst in Sack und Asche geht.

Dabei ist der harsche Umgang von RTL mit seiner beliebten Mitarbeiterin zumindest insofern unaufrichtig und geheuchelt, als der Dschungelcamp-Sender, der Menschen beim erzwungenen Verzehr von Kakerlaken und Raupen oder beim Robben durch Schlamm und Unrat lustvoll filmt, seit jeher für die Entwertung von Niveau- und Anstandsgrenzen steht und es eine Illusion wäre zu meinen, die Tabubrüche würden bei den Unterhaltungsformaten aufhören. Das vorgeschobene Gesinnungsjakobinertum, das sich zuletzt in der albernen, an totalitäre Mediengepflogenheiten erinnernde digitale Entfernung von DSDS-Juror Michael Wendler aus bereits gedrehten Sendungen zeigte, nimmt den Kölner Programmmacher sowieso niemand ab.

Das Privatfernsehen ist eine einzige Schlammschlacht und Ohlens Versuch, für die richtigen Bilder die passende Atmosphäre zu schaffen, steht gewissermaßen sinnbildlich für den Arbeitsethos deutscher Haltungsjournalisten, die mit Stimmungen arbeiten und nicht mehr an Intelligenz und Verstand ihrer Zuschauer appellieren, sondern an deren niedere Instinkte. Auch im ÖRR ist das nicht anders.

Gemogele mit unappetitlichen Inszenierungen

Das geschickte Drücken auf die Tränendrüsen wurde in der Flüchtlingskrise 2015 mit Bildern des ertrunkenen Alan Kurdi, bei der Seenotrettung, bei den australischen Waldbränden mit heimatlos gewordenen Koalas angewandt, ebenso wie umgekehrt negative Meinung gemacht wird bei Pegida-, Chemnitz- oder Querdenker-Stories, wo dann schon mal Linksradikale als Nazis ausgegeben werden, die den Hitlergruß zeigen.

Natürlich war das, was Ohlen tat, handwerklich blamabel und grob unseriös. Sie selbst zeigt tätige Reue und hadert: „Mir als Journalistin hätte das niemals passieren dürfen!„. Doch es passiert nicht nur ihr; sie wurde lediglich erwischt. Seriosität ist bei diesen heutigen Medien ohnehin längst zum Auslaufmodell geworden. Und ob „Klimaschützer“ und wahlkämpfende Politiker (die sich darüberhinaus noch vor laufender Kamera kaputtlachen) wirklich authentischer und ehrlicher sind als inszenierte Darstellungen von Sensationsreportern, die beim Widerspruch zwischen „Kamera On“ und „Kamera Off“ ertappt wurden, darf bezweifelt werden. (DM)