Höchst brisant: Was wäre, wenn…?

Nicole Höchst vom AfD-Landesverband Rheinland-Pfalz

Verstörende Überlegungen im besten Deutschland aller Zeiten / von Nicole Höchst

Kennt noch jemand das alte Gedankenspiel „Was wäre, wenn…„? Auf diese Weise haben wir einst als Kinder gelernt, Alternativen zu denken, Empathie zu entwickeln, neue Ideen zu Ende zu denken. Es wird Zeit, dass dieses Spiel wieder in die Köpfe der Menschen zurückkehrt. Denn die eine, alleinseeligmachende Wahrheit auf dieser Erde gibt es nicht. Für gläubige Menschen liegt sie bei Gott, für andere in der Wissenschaft, für wieder andere in einer Mischung aus beidem. Und so weiter.

Jedenfalls gibt es keine Institution dieser Erde, die die alleinige politische Wahrheit verkündet, keine Regierung und eben auch keine einzelnen Person – wie zum Beispiel unsere Gottkanzlerin. Man kann und muss Szenarien, Pläne und Vorhaben durchdenken, um auszuschließen, dass die Auswirkungen der geplanten Maßnahmen und Taten verheerend sind. Man muss Dinge klein denken und weit in die Zukunft, weil man sonst immer nur auf Sicht fährt und von den „überraschenden“, nie gedachten Auswirkungen „überfallen“ wird.

Was wäre, wenn diese Regierung, als Krönung aller anderen vorangegangenen, das „Auf-Sicht-Fahren“ perfektioniert und so die meisten Probleme, mit denen wir heute zu kämpfen haben, selbst geschaffen hätte? Was, wenn die stets gedroschene Formulierung „Gemeinsam auf den Weg machen“ in Wahrheit diese diese wortgewordene Lebenseinstellung ausdrückte? Wir finden diese Einstellung schließlich überall: Sie erklärt den „Stillstand“ zum Feind und ist ständig auf der Suche nach dem „Irgendwohin„. Sie exkulpiert sich ständig dafür, unterwegs auf Schwierigkeiten zu treffen, die vorhersehbar und vermeidlich gewesen wären, die es dann „aus dem Weg zu räumen gilt„.

Ständig auf dem Weg ins Irgendwo

Das würde im Übrigen auch erklären, warum der Sozialismus immer wieder in der einen oder anderen Ausprägung sein Haupt erhebt – denn das Ziel eines sozialistischen Umverteilungs-Utopia wird in dieser Denkweise ja nie widerlegt, obwohl es stets an der Realität scheitert; man hat eben nur noch nicht den richtigen Weg dorthin gefunden. Also „macht man es einfach“ und läßt die absehbaren Folgen des Regierungshandelns auf sich zukommen, lächelt nett in die Kamera und wird wiedergewählt, weil niemand den uns Regierenden böse Absichten unterstellt. Sie haben schließlich einen Eid geschworen.

Die verantwortungsvolle Aufgabe einer Regierung ist es aber, Folgen weit in die Zukunft hin abzuschätzen. Deshalb arbeitet man sich wohl auch an zeitgeistlichen Fragen ab, was gleichzeitig mutig die Zielsetzungen zementiert und punktuell auch tatsächliche Katastrophenszenarien beinhaltet, die durchgespielt werden. Was wäre etwa, wenn es kein Bargeld mehr gäbe…? Was wäre, wenn niemand mehr Fleisch äße? Was wäre, wenn die Bundestagswahlen nicht stattfinden könnten? Was wäre, wenn der Strom einen Monat lang ausfiele? Was wäre, wenn…?

Diese Fragen müssen gestellt werden; das ist gut und wichtig. Aber noch wichtiger ist es, möglichst viele schlüssige Folgeszenarien zu denken, um eine größtmögliche Anzahl von Auswirkungen sehen zu können. Leider werden uns Jahren nur monokausale Antworten auf „Was wäre, wenn“- Fragen gegeben. Das alleine ist schon schlimm genug. Aber leider geht man in Deutschland, dem ehemaligen Land der Dichter und Denker, der Erfinder, Ingenieure und Nobelpreisträger, mittlerweile so weit, dass man die Folgenabschätzung eingehegt hat – auf die erwünschten Szenarien. In diesem geistigen Gehege tummeln sich ausschließlich und hemmungslos-wild die tollsten Idealergebnisse, wird das Wunschdenken zur einzigen Möglichkeit, wachsen und gedeihen die Illusionen am Steuergeldsäckel.

Folgenabschätzung ja – aber nur mit erwünschten Resultaten

Doch alle negativen möglichen Folgen, alle unerwünschten Einschätzungen, und seien diese Alternativen wissenschaftlich noch so plausibel begründet, werden aus diesem Biotop, in dem man hofft, dass seltenste Orchideen prächtige Blüten treiben, von vornherein ausgeschlossen. Sie müssen draußen bleiben. Mit Merkel kamen die Alternativlosigkeit, das Framing, das Nudging: Die Kanzlerin hat immer recht. Ob bei der Energiewende, bei der Grenzöffnung 2015, oder bei Corona. Und zwar unabhängig davon, ob es womöglich Gesetze und Verordnungen gibt, die der Alternativlosigkeit ihrer Handlungen substanziell entgegen stehen. Schließlich ist die Haltung entscheidend. Gesetze können „passend“ gemacht, Begrifflichkeiten inhaltlich umdefiniert werden. Doch ich schweife ab.

Ich möchte heute das „Was wäre, wenn…“-Spiel mit Ihnen spielen und Sie herzlich einladen, darauf einmal „herumzudenken“: Was wäre also, wenn in einem angenommenen Staat – rein hypothetisch – ein Bürger das folgende Gedankenspiel anstellte: Was wäre, wenn wir von Leuten regiert werden, denen an allem Möglichen, nur nicht an unserem Wohl gelegen ist? Was wäre, wenn der Staat es sich als Hauptaufgabe erkoren hätte, Probleme zu erschaffen, die er dann als Angsttreiber verwenden kann, um die Bevölkerung in Angst und Schrecken und somit leichter regierbar zu halten?

Was wäre, wenn dies zum Zwecke des eigenen Machterhalts und der eigenen Machtausdehnung geschieht? Was, wenn die Regierung mit all ihren Kräften all die Jahre damit verbracht hätte, sich darauf zu spezialisieren, zu lügen, zu betrügen, sich und interessierte Hintermänner zu bereichern? Was wäre, wenn unsere Regierung gar keine Skrupel hätte, Framing, Nudging, neurolinguistisches Programmieren oder andere erfolgversprechende Manipulationstechniken anzuwenden, um die Bevölkerung zu täuschen und einzuhegen?

Was wäre, wenn… die Regierung täuscht, belügt und manipuliert?

Was wäre, wenn eine solche Regierung die Auflösung des Heimat-Staates und seine Überführung in einem Superstaat, in eine Weltregierung aktiv betreibt? Was wäre, wenn unsere Regierung sämtliche Informationskanäle kontrollierte und ihre Regierungswahrheiten rund um die Uhr in die Köpfe der Leute hämmern ließe? Was wäre, wenn dieser Staat sich seine wissenschaftlichen Haus- und Hof-Experten und -Institute hält, die in seinem Sinne forschen und Ergebnisse publizieren?

Was wäre, wenn unser Staat alle nicht von ihm kontrollierten Medien unter fadenscheinigen Begründungen zensieren ließe, und Wahrheiten, die der Realität, nicht aber der Regierungswahrheit entsprechen, von sogenannten „Faktencheckern“ nach allen Regeln der Kunst, mit zum Teil fadenscheinigsten Behauptungen in ihrer Reichweite einschränken ließe? Was wäre, wenn eine Regierung mit den großen Techkonzernen zusammenarbeitete, wenn Letztere sie aktiv unterstützten und von ihr hierbei die Ermächtigung erhielten, missliebige Meinungen und unerwünschte Beiträge zu löschen, unbequeme Stimmen von den ihren Social-Media-Plattformen zu verbannen oder die Reichweite von Nutzern einzuschränken?

Was, wenn die Regierung die einzige Partei, die den Weg in eine Zukunft der kognitiven Dissonanz, der Umverteilung und der Unmündigkeit nicht mitgehen will, vom Geheimdienst bespitzeln und vom Verfassungsschutz beobachten ließe? Was, wenn alle Kritiker, Menschen mit anderer Meinung, alle Denker außerhalb des auferlegten Denkkorridors diffamiert, verleumdet, in die rechte Ecke gestellt würden? Was wäre, wenn die Menschen in diesem Land zwar genau erkennen oder spüren würden, dass hier etwas ganz gewaltig nicht in Ordnung ist – sich aber nicht mehr trauten, zu sagen, was sie denken, aus Angst vor sozialer Vernichtung?

Unser fiktiver Bürger, der sich solche Fragen im Rahmen seines „Was wäre, wenn“-Spiels stellt und auch selbst beantwortet, müsste als Ergebnis zwangsläufig unsicher sein und sich fragen, ob er dann, wenn all dies der Fall wäre, noch in einem demokratischen oder schon in einem totalitären Staat lebte.

Verschwörungstheoretiker versus Verschwörungspraktiker

Auch für uns Deutsche sind das alles Fragen, die man sich einmal stellen könnte. Jedoch Vorsicht: Wer in dem oben beschriebenen, fiktiven Staat auf den genannten Gedankenpfaden wandelt, verlässt schon den geschützten Bereich. Solche Fragen – und sei es nur im Rahmen von „Was wäre, wenn“ – stellt man in einem solchen Staat am besten gar nicht, denn die Antworten könnten die Menschen verunsichern. Und das will die Regierung dieses beschriebenen Staates ja nicht.

Womöglich käme man ja dann zu dem Schluß, dass diese Regierung tatsächlich nicht zum Besten ihrer Bürger agiert? Oder man müsste am Ende konstatieren, dass nicht der „Was-wäre-wenn“-Spieler der Verschwörungstheoretiker ist, sondern dass an der Regierung und allen Schaltstellen Verschwörungspraktiker agieren? Fragen über Fragen.

Wie gut, dass all das ja nur ein Gedankenexperiment war und uns nichts von alledem in Deutschland passieren kann – denn wir leben bekanntlich in der besten Republik, ja der besten Demokratie aller Zeiten! Die Bundeskanzlerin ist unsere Mutti, und niemals, nie, nicht, hatte jemand die Absicht, eine Mauer zu bauen. Niemand wird hier gehirngewaschen und haltungsweich gespült. Niemand wird hier in diesem Land hinter die Fichte geführt. Niemand wird arm, aber glücklich sein. Niemand braucht Grundrechte, wenn er den Gesundheitsschutz der Regierung genießen kann.

Oder habe ich da irgendetwas falsch verstanden? Es könnte durchaus sein – denn ich komme langsam bei dem Schwachsinn, der in diesem Land von den uns Regierenden verzapft wird, nicht mehr mit. Zwick mich mal bitte jemand… ich möchte aufwachen!

 

 

 

Zur Person:

Nicole Höchst, Jahrgang 1970, ist AfD-Bundestagsabgeordnete aus Rheinland-Pfalz. Sie trat 2015 in die AfD ein und zog 2017 über die Landesliste Rheinland-Pfalz für den Wahlkreis 201 (Bad Kreuznach) in den 19. deutschen Bundestag ein. Dort ist sie unter anderem als Obfrau der Enquete-Kommission für Berufliche Bildung, als Mitglied im Ausschuss für Bildung, Forschung und Technikfolgenabschätzung sowie im Unterausschuss für Bürgerliches Engagement tätig. Bis 2012 unterrichtete sie als Studienrätin am Staatlichen Speyer-Kolleg, anschließend war sie bis Oktober 2017 Referentin am Pädagogischen Landesinstitut (vormals IFB). Höchst war 2015 Mitglied der AfD-Bundesprogrammkommission und ist Schatzmeisterin des AfD-Kreisverbands Speyer. Sie ist katholisch, hat vier Kinder und lebt mit ihrer Familie in Speyer, wo sie auch Stadträtin ist.

Auf jouwatch veröffentlicht Nicole Höchst alle 14 Tage die kritische Kolumne „Höchst brisant“ zu aktuellen politischen und gesellschaftlichen Themen. Unter demselben Titel veröffentlicht sie in unregelmäßigen Abständen Videobeiträge auf ihrem YouTube-Kanal.