Corona-Neuinfektionen in Großbritannien im Sinkflug, Mediziner rechnen in Deutschland mit weniger Intensiv-Patienten in vierter Welle

Foto: Ärzte (über dts Nachrichtenagentur)

Schlechte Nachrichten für alle Pandemie-Profiteure, die gehofft hatten, mit weiteren Lockdowns die Gesellschaft und Wirtschaft weiterhin in die gewünschten Bahnen zu lenken und die Bürger auf die nächste (Klima)-Pandemie vorzubereiten. So einfach wie in der Vergangenheit wird man die Bürger nicht mehr drangsalieren können.

Großbritannien hat nämlich am Montag den fünften Tag in Folge weniger Corona-Neuinfektionen verzeichnet als eine Woche zuvor. Nach Angaben der britischen Gesundheitsbehörden gab es binnen 24 Stunden 24.950 neue Fälle und damit erneut fast 40 Prozent weniger als am gleichen Wochentag der Vorwoche. Auch in den letzten Tagen war schon ein vergleichbarer Rückgang zu verzeichnen.

Unter den eher pessimistischen Beobachtern herrscht deshalb natürlich Rätselraten, wie der Rückgang zu erklären ist. Dabei wird argumentiert, dass nach Aufhebung der meisten Maßnahmen am Montag letzter Woche weniger Tests durchgeführt werden, doch die Zahl ging zunächst fast gar nicht, und dann bis Donnerstag letzter Woche lediglich um knapp 15 Prozent zurück – neuere Daten liegen noch nicht vor. Möglich ist auch, dass das Ende der Fußball-EM zu weniger Infektionsgeschehen führt – doch auch diese Theorie hatte im Vorfeld kaum jemand.

Schließlich wird von manchen Kommentatoren vermutet, dass die Zahlen schlicht unvollständig sind, da die Behörden die letzten Tage immer wieder Verzögerungen und technische Probleme bei der Datenübermittlung beklagten. Auch die Daten zu den Krankenhauseinweisungen sind schon ein paar Tage alt, waren aber zuletzt angesichts der noch immer relativ hohen Neuinfektionszahlen nur etwa ein Drittel so hoch wie relativ im Vergleich zur vorherigen Welle. Bekannt ist, dass Stand Montag 46,6 Millionen Briten mindestens eine Corona-Impfspritze bekommen haben, 37,3 Millionen haben eine zweite Dosis bekommen.

Das entspricht einer Impfquote 70 Prozent für die erste Spritze, 56 Prozent haben den vollen Schutz.

Die pessimistischen Beobachter, also die Pharma-Lobbyisten und Lockdown-Junkies werden sich das mit Sicherheit wieder zurechtbiegen.

Deutsche Mediziner rechnen bei einer vierten Corona-Welle derweil mit weniger Patienten auf den Intensivstationen als in der jüngsten Hochphase – sehen aber insbesondere für Kinder aufgrund der langen Isolation zusätzlich die Gefahr mangelnder Abwehr anderer Krankheiten. Übereinstimmend plädieren sie für eine neue Bewertung der Gefahr für die Corona-Ausbreitung über die bloße Sieben-Tage-Inzidenzen hinaus – nötig sei eine flexible Berechnung mehrerer Indikatoren ohne „abstrakte Formel“, sagte Stefan Kluge, Vorstandsmitglied der Deutschen Interdisziplinären Vereinigung für Intensiv- und Notfallmedizin (DIVI), dem „Redaktionsnetzwerk Deutschland“ (Dienstagausgaben). „Ich bin mir sicher, dass die Zahlen der Patienten auf den Intensivstationen und in den Krankenhäusern bei einer vierten Welle nicht so hoch sein werden wie bei der dritten Welle. Aber es ist noch nicht vorbei.“ Das Virus sei in seiner Delta-Variante viel ansteckender als noch vor einem Jahr. „Deshalb sollten jetzt auch nicht alle Regeln, wie etwa das Maskentragen in Supermärkten, aufgehoben werden.“

Die Leiterin der Klinischen Epidemiologie am Braunschweiger Helmholtz-Zentrum für Infektionsforschung, Berit Lange, wies auf eine andere Gefahr hin: „Eine zusätzliche Befürchtung ist, dass es zu einem Nachholeffekt anderer Krankheiten kommt. Aus Großbritannien und den Niederlanden gibt es dazu Berichte, dass sich besonders mehr kleine Kinder als in anderen Jahren mit dem RSV, dem respiratorischen Syncytial-Virus, infizieren.“ Kämen dazu noch steigende Corona- und Influenza-Infektionen, könne es hier wieder zu Überlastungen des Gesundheitssystems kommen.

Kinder und Jugendliche hätten nur sehr geringe Risiken für schwere Covid-19-Verläufe, aber für Ungeimpfte bleibe das Risiko eines schweren Verlaufs gleich und auch bei Geimpften bleibe ein Restrisiko bestehen. In Bezug auf die bisherigen Corona-Inzidenzwerte sagte Lange: „Ich verstehe, dass man sich ein möglichst einfaches Werkzeug wünscht.“ Aus epidemiologischer Sicht sei es aber wenig sinnvoll, Grenzwerte für Inzidenzen festzuschreiben, weil diese immer wieder neu angepasst werden müssten.

„Wichtiger ist es, Entscheidungen aufgrund der aktuellen Lageeinschätzungen unter Berücksichtigung verschiedener Indikatoren zu treffen.“ Neben der Inzidenz brauche es den R-Wert, die Intensivbettenbelegung sowie den Anteil der Geimpften unter den Neuinfektionen.

Der Regierung wird mit Sicherheit noch etwas Neues einfallen, um ihr perfides Zahlenspiel fortzusetzen. (Mit Material von dts)