Aalglatt & Schmierig: Das Paniktheater gegen die Freiheit

Grüne und ihre journalistischen Hofschranzen im Panikmodus (Foto:123rf-Lizenz)

Die Krankheit kommt aus Wuhan, die Bedrohung kommt von rechts, der nasse Tod kommt mit dem Klimawandel und die Erklärbären kommen von der Presse. Das ganze Land befindet sich im Würgegriff der Angst. Für das Redaktionsnetzwerk Deutschland simulierte Nils Thorausch den besorgten Differenzierungkünstler und erfand im Zusammenhang mit allen diesen Übeln „Schwierige Fragen nach Freiheit“. Die deutschen Erfinder waren auch schon mal besser. Die Medienkritik.

von Max Erdinger

Wer heute 60 Jahre alt ist, kann sich wahrscheinlich noch ganz gut an die Werbeslogans seiner Kindheit erinnern. „Drei Dinge braucht der Mann: Feuer, Pfeife, Stanwell“. Das war damals ein populärer Werbespruch für Pfeifentabak, der viele Abwandlungen generierte. Allesamt begannen sie mit „Drei Dinge braucht der Mann …“. Die hier zum Beispiel: „Drei Dinge braucht der Mann: Eine Frau, ein steifes Glied, und ein Bett von Betten-Ried“. Egal, worum es ging: Immer waren es drei Dinge, die der Mann brauchte. Das ist bis heute so geblieben. Weswegen Nils Thorausch für das Redaktionsnetzwerk Deutschland auch drei Festellungen traf, die er seinen „schwierigen Fragen zur Freiheit“ voranstellte. Mit der Zahl der Feststellungen, die man tatsächlich treffen könnte, hat das wenig zu tun. „Drei“ ist die bevorzugte Zahl aller derjenigen, die als grundanständige Denker durchgehen wollen. Vater, Sohn und Heiliger Geist – drei. Aller guten Dinge sind – drei. Da kommt das her. Nils Thorausch hätte auch zwei oder vier Feststellungen treffen können, ehe er seine schwierigen Fragen zur Freiheit erfunden hat, aber besser sind auf jeden Fall drei. Hat er überhaupt drei Feststellungen getroffen? Oder war es nur eine, die er recht künstlich in drei pseudounterschiedliche aufgeteilt hat?

  • Die Impfkampagne stockt, die Infektionszahlen steigen, die Pandemie ist noch lange nicht vorbei.
  • Die Suche nach Wegen aus der Krise wird zunehmend kniffliger, die Lösungsansätze werden umstrittener.
  • Dazu fordern Fluten, Hitze und Waldbrände auch Antworten auf die zweite große Krise unserer Zeit.

So steht es über Thorauschs „schwierigen Fragen nach Freiheit“. Das wäre einfacher gegangen: „Wir leben in schwierigen Zeiten“. Der Nachteil: Es wäre nicht leicht möglich gewesen, eine plausible Antwort auf die Frage zu liefern, weshalb schwierige Zeiten und die Freiheit inkompatibel sein sollen. Die Begründung für eine angebliche Inkompatibilität sollte aber unbedingt gefunden werden. Weswegen es auch nützlich gewesen zu sein scheint, das „ganze Leben in Freiheit“ einzudampfen auf Impfkampagne, Krise und Wetter.

Dem stelle ich zu Verdeutlichungszwecken einmal drei eigene Feststellungen gegenüber, um dann „schwierige Fragen nach Freiheit“ aufzuwerfen. 1. Die Spaltung des Landes wird vorangetrieben. 2. Die Suche nach den Verantwortlichen wird allmählich erfolgreich. 3. Das Ergebnis erfordert Antworten.

Was würde ich also tun, wenn ich als einer der Verantwortlichen in Frage käme? Ich würde mir „schwierige Fragen nach Freiheit“ aus den Fingern saugen, um davon abzulenken, daß ich mich eigentlich an meiner Selbstexkulpation versuche.

Zweifellos hat es erhebliche Einschränkungen der Freiheit bereits gegeben, bürgerliche Grundrechte wurden unter dem Oberbegriff „Schutz“ geschleift (wie unprogressiv!) – und für Figuren wie Nils Thorausch hätten sich „schwierige Fragen nach Freiheit“ schon sehr viel früher stellen müssen. Es ist verräterisch, daß sie sich angeblich jetzt erst stellen, nachdem das Kind für die Thorausche dieser Republik insofern bereits in den Brunnen gefallen ist, als daß sich immer mehr Bürger fragen, wo sie denn eigentlich gewesen sind, die Thorausche, als diese Frage im Zusammenhang mit den „drei Feststellungen“ zum ersten Mal wie ein Elefant im Raum gestanden hat. Nein, den Thorauschen dieser Republik geht es auch heute nicht um „schwierige Fragen nach Freiheit“, sondern um die Fage, wie sie ihr eigenes Versagen bei der Verteidigung der Freiheit nachträglich „rechtfertigen“ könnten. Es geht um die Selbstexkulpation solcher Figuren. Deswegen taugt die Beschäftigung mit ihren Texten zur Freiheit lediglich noch als Fingerübung. Dazu muß man so tun, als würde man ihre „Argumente“ tatsächlich ernstnehmen.

Die Fingerübung

Nils Thorausch läßt „denken“. Er zitiert Michael Kurth, der als Rapper „Curse“ eine gewisse Bekanntheit erreicht hat. Kurth: „Freiheit heißt, es macht manchmal auch Sinn, dass meine Freiheit da enden muss, wo die Freiheit eines anderen beginnt.“ – Logisch, daß dann, wenn dem tatsächlich so wäre, die Freiheit des anderen da enden müsste, wo meine eigene beginnt. Was läßt sich also feststellen? Man muß kein Rapper sein, der von einem Redakteur des Redaktionsnetzwerks Deutschlands zitiert wird, um Binsenweisheiten zum Besten zu geben. Ein bauernschlauer Pseudo-Logiktrick ist es, die Freiheit als solche zu unterteilen in die eigene und die des anderen. Freiheit ist Freiheit. Da hat nicht der eine die und der andere eben eine andere. Alle zusammen hätten genau eine einzige Freiheit zu haben, nämlich „die Freiheit“.

Aber man muß sich nicht wundern, daß sich die Thorausche dieser Republik weigern, zwischen „die Freiheit“ und „den Freiheiten“ zu unterschieden. Letztere sind mitnichten der Plural von Freiheit, sondern als Synonym für „Erlaubnisse“ und „Genehmigungen“ ihr exaktes Gegenteil. Wahrscheinlich ist es sogar so, daß sich beim Redaktionsnetzwerk Deutschland nicht ein einziger Redakteur fände, der mit Freiheit etwas anfangen könnte. Dieses ganze linkslastige Redaktionsnetzwerk ist durchsetzt mit Staatsgläubigen, mithin also mit den Gläubigen an Genehmigungen und Erlaubnisse, weshalb mir dort auch noch keiner aufgefallen ist, der formuliert hätte: „Ich plädiere“, „meiner Meinung nach“ oder „Ich finde, daß …“. Meistens heißt es: „Wir müssen“ und „wir dürfen nicht“.

Der Freigeist, der Bürger, der Hesse oder der Eskimo existieren dort einfach nicht mehr. Das sind alles nur noch „die Menschen“. Wenn mich also meine Beobachtung nicht trügt, dann ist es das Redaktionsnetzwerk Deutschland, in dem ein politisch leicht zu verortender Redakteurstyp sich auf jeden Fall in der absoluten Mehrheit befindet, ein Netzwerk, das einen völlig ungeeigneten Pool darstellt, um dort jemanden zu finden, der „schwierige Fragen nach Freiheit“ beantworten könnte. Wer Schwierigkeiten mit der Freiheit des Andersdenkenden hat, ist noch nicht einmal geeignet, diesbezüglich „schwierige Fragen“ zu stellen. Lange vor Thorauschs Dreifaltigkeitsfeststellung über seinen „schwierigen Fragen nach Freiheit“ ist mir das Redaktionsnetzwerk Deutschland bereits aufgefallen als eine Versammlung freiheitsfeindlicher Elemente, im Jahr 2017 etwa, als es darum gegangen wäre, „schwierige Fragen“ nach den antifreiheitlichen Bestrebungen hinter dem sog. „Netzwerkdurchsetzungsgesetz“ zu stellen.

Was Nils Thorausch untersucht, sind mitnichten „schwierige Fragen nach Freiheit“. Vielmehr ist es die Suche nach einer Rechtfertigung für die weitere Reduzierung von „Freiheiten“ in der allgemeinen Unfreiheit.

Der redaktionsnetzwerkende Relativist

Die kulturmarxistische Verblödung der Massen nahm in Deutschland ihren Anfang wahrscheinlich Ende der Sechziger Jahre des vergangenen Jahrhunderts, als es plötzlich eine Antwort gab, die wie eine Universalantwort auf alles gegeben werden konnte. „Alles ist relativ“, hieß diese Antwort. Eine wahre Universalantwort. „Wie geht es Dir?“ – „Relativ gut.“ / „Wie ist das Wetter heute?“ – „Relativ kühl“. / „Wie groß ist die Maus?“ – „Relativ klein.“ Was die Maus angeht: Sie ist entweder relativ klein, verglichen mit einem Elefanten, oder relativ groß, verglichen mit einer Ameise. „Alles ist relativ“ war also von Anfang an eine Lüge insofern, als daß der Satz erst durch ein „auch“ wahr geworden wäre. Alles ist auch relativ. Bevor es allerdings „auch“ etwas ist, ist es zuerst einmal absolut das, was es ist. Das „auch“ in „alles ist relativ“ wegzulassen, hatte aber seinen Nutzen für diejenigen, die mit dieser Weglassung beabsichtigten, fürderhin „Bewußtseinsbildung der Massen“ zu betreiben. In Thorauschs „schwierigen Fragen nach Freiheit“ kommt das dann so daher: „ … dass sich Fragen der Freiheit nicht immer eindeutig beantworten und schon gar nicht schwarz oder weiß betrachten lassen. Die Pandemie ist dafür ein Paradebeispiel.

Thorausch will „uns“ also weismachen, es sei „relativ schwierig“, die „Frage der Freiheit“ eindeutig zu beantworten. Man bemerke diese bauernschlaue Wendung: Zuerst ging es ihm angeblich noch um die „schwierigen Fragen nach Freiheit“. Im o.g. Zitat werden diese Fragen aber ohne jede weitere Erklärung zur „Frage der Freiheit“. Gegenfrage: Wie glaubhaft sollen die Einlassungen von jemandem sein, der erst einmal die Frage der Freiheit stellen muß, obwohl er behauptet, er habe sich den Kopf über schwierige Fragen nach Freiheit gestellt? Wie kann er nach etwas fragen, von dem er vorgeblich nicht weiß, was es überhaupt sein soll?

Und hier die Gegenbehauptung: Die Frage der Freiheit läßt sich immer eindeutig beantworten, wenn man die Verantwortlichkeiten dort beläßt, wo sie hingehören: Beim ach-so-mündigen Bürger, egal, ob er schwarz oder weiß ist. Daß die Pandemie, respektive der mediale und der regierungsamtliche Umgang mit ihr, ein Paradebeispiel sei, stimmt schon. Nur ist es kein Paradebeispiel für den verantwortungsvollen Umgang mit Freiheit, sondern ein Paradebeispiel für das Bedienen von „Stellschrauben der Freiheiten„. Und die werden in der Unfreiheit bedient. Es gibt keine relative Freiheit in der metaphysischen Bedeutung des Begriffs. Was es gibt, sind Freiheitseinschränkungen in Anerkenntnis der Tatsache, daß es kein metaphysisches Gemeinwesen gibt, sondern lediglich ein real existierendes, und daß in einem solchen Gemeinwesen ein kultureller Rahmen existiert, innerhalb welchem Freiheit nolens volens gedacht werden muß. Der Rahmen ist es, der Veränderungen unterliegt, nicht die Freiheit, die naturgemäß immer den größtmöglichen Rahmen braucht. Weswegen es von unglaublicher Scheinheiligkeit ist, so zu tun, als dächte man an Freiheit, wenn man „schwierige Fragen nach Freiheit“ stellt. Alles, womit sich Nils Thorausch beschäftigt, ist die Suche nach einer Rechtfertigung dafür, weshalb angeblich der Rahmen kleiner als notwendig ausfallen muß. Mit Staatsgläubigkeit und Kollektivismus hat das alles zu tun, mit Freiheit jedoch überhaupt nichts. In seinen Worten: „Die Pandemiebekämpfung ist ein Paradebeispiel“.

Nicht eine der Freiheitseinschränkungen wegen „Pandemie“ hatte einen nachweisbaren Nutzen im Sinne von „Bekämpfung der Pandemie“. Noch nicht einmal der Bundesgesundheitsminister kann die Frage beantworten, welche der von der Regierung verfügten Freiheitsbeschränkungen denn nun unter „pandemiebekämpferischen“ Gesichtspunkten sinnvoll gewesen seien. Die Grundrechte sind dennoch weg. Nils Thorausch wird außerdem genau wissen, warum er das Wort „Pandemie“ einfach so übernimmt, obwohl er eigentlich auch wissen müsste, daß dieser Begriff überhaupt nur deswegen in Umlauf ist, weil er von der WHO im Jahr 2009 neu definiert wurde. Was Pandemie ist und was nicht, hängt aber nicht davon ab, wer mit welchen Absichten Begriffe neu definiert, sondern das hängt davon ab, ob es eine globale Seuche gibt, derentwegen „die Menschen“ in einem Ausmaß sterben, daß es sogar jedem auffallen würde, der sich keine Nachrichten anschaut, keine Zeitung liest und überhaupt jedem Medienkonsum abhold ist. Es gibt und gab keine „Pandemie“. Es grassiert ein Virus, das in sehr seltenen Fällen den Tod für jemanden bedeutet, der sich damit infiziert hat. Die Freiheit schließt das Leben mit Viren ein. Und nicht alle Vorerkrankungen fallen wie ein Mysterium vom Himmel. Weswegen auch nicht alle Vorerkrankten, die durch das Virus stärker gefährdet sein könnten als Gesunde, auf die „Solidarität“ der Gesunden pochen dürfen. Um einen Lebensstil zu pflegen, der mitursächlich für ihre Vorerkrankungen ist, brauchten sie nämlich niemandes Solidarität. Und das schreibt hier einer, der nach allem, was man zu den besonders Gefährdeten bisher lesen und hören konnte, zur sogenannten „Risikogruppe“ gehört.

Eigenverantwortung bis zum Tod

Schlagen Sie einmal eines dieser Gefühlsmagazine auf, die im Lande mit den „schwierigen Fragen nach Freiheit“ hunderttauendfach Käuferinnen finden. Sie heißen „Das Neue Blatt“, „Das goldene Blatt“, „Die Aktuelle“ oder auch „Frau im Spiegel“. Sie finden Reportagen, bei denen es Ihnen schier das Herz zerreißt vor lauter Mitgefühl. Eine typische Schlagzeile lautet z.B. „Der Alkohol hat mein Leben zerstört“. Dazu ist mir gestern Folgendes eingefallen, durchaus im Zusammenhang mit den „schwierigen Fragen nach Freiheit“.

Der Alkohol hat mein Leben zerstört. Oder waren es die Drogen? Ich war es jedenfalls nicht. Geschwindigkeit tötet. Nicht der Fahrer tötet, der in einer bestimmten Situation zu schnell gewesen ist. Waffen töten sowieso. Schade, daß die Schützen so unnützes Zeug mit sich herumschleppen. Und das ganze Fett erst! Übergewicht tötet. Der Fettwanst ist bedauernswert. Wenn er mit einer tödlichen Zigarette im elektrischen Rollstuhl sitzt, dabei asthmatisch vor sich hinröchelt und in seinen Blasenkatheter pinkelt – und wenn wir ihm begegnen, dann müssen wir uns eine Maske aufsetzen, um SEINE GESUNDHEIT zu schützen. Er hat einen Anspruch darauf. Alles andere wäre unsolidarisch. Noch nicht einmal, wenn die Achse seines Rollstuhls bräche, dürften wir ihn fragen, ob er ein Rad abhat. Wichtig ist nur, daß wir uns merken: Wir können für gar nichts irgendwas. Und weil wir nun alle – jeder für sich – ungemein schlau geworden sind, weswegen wir auch voller Selbstvertrauen enorm meinungsstark sein dürfen, fällt uns wie Schuppen von den Augen, wie segensreich ein Nannystaat ist, der sich um alles kümmert, wofür wir selbst nichts können. Wer hatte nochmal das Rad ab?

Es ist nachgerade ein Hohn, wenn sich Nils Thorausch vom Redaktionsnetzwerk Deutschland in einem Land wie dem unserem, diesem Nannystaat, vorgeblich mit den „schwierigen Fragen nach Freiheit“ beschäftigt. Dieses Land war schon lange vor der Viren-, der Klima- und der Hochwasserkatastrophe ein veritabler Kindergarten von Unmündigen, wahren Weltmeistern in Sachen Verantwortungsverschiebung. In einem Land, in dem bald jeder tagein, tagaus damit beschäftigt ist, Verantwortliche für sein persönliches Ungemach zu identifizieren, um sich selbst als Ursache auszuklammern, ist „schwierige Fragen nach Freiheit“ die verlogenste aller Formulierungen. Da lassen sich auch höchstens noch verlogene Antworten erwarten. Das Leben ist aus sich heraus lebensgefährlich.

Krankheit so weit das Auge reicht

Thorausch: „Auch die Erde krankt“ – ooohhh, die arme Erde. „In gleicher Weise gelten diese Fragen aber auch für den Klimawandel, die andere große Krise unserer Zeit. Auch sie ist global und kann nicht innerhalb von Ländergrenzen überwunden werden. Um Lösungen zu finden, braucht es wissenschaftliche Erkenntnisse. Und durch sie nehmen Menschen Schaden – oder verlieren ihr Leben. Das zeigte nicht zuletzt die Flutkatastrophe in Deutschland, deren Auswirkung auf Mensch und Umwelt sich noch nicht final abschätzen lässt.“ – Die finale Abschätzung wäre auch „relativ ungenau“, weil das Schätzungen so an sich haben. Das ist auch bei „finalen Abschätzungen“ nicht anders. Was für ein dummes Geseich beim Redaktionsnetzwerk Deutschland! Da platzt einem doch wirklich die Hutschnur. Und tatsächlich: der Klimawandel ist global. Potzdonner. Weswegen er sich auch nicht „innerhalb von Ländergrenzen“ überwinden läßt. Ein Klimawandel, der sich überhaupt nicht „überwinden“ läßt, auch nicht global, kann logischerweise auch nicht innerhalb von Ländergrenzen überwunden werden. Weswegen man jeden diesbezüglichen Versuch am besten unterließe, sondern sich besser darauf einstellen würde, mit dem Unvermeidlichen zu Rande zu kommen. Im Übrigen hat die Flutkatastrophe nichts gezeigt, das einer Neuigkeit gleichkäme. Das Magdalenenhochwasser im Jahr 1342 brachte sehr viel mehr Wasser als die jüngste Flutkatastrophe. Und 1342 ist auch beileibe nicht das einzige Jahr, in dem das so gewesen ist. Man muß schon ein ausgesprochener Anthropozentrist sein, um zu behaupten, daß das, was man in seiner eigenen Lebenszeit bisher noch nicht erlebt hatte, eine Ungewöhnlichkeit darstelle.

Auch hier wieder: Verantwortungsverschiebung. Keinem, der im Ahrtal je ein Haus gebaut hat während der letzten 100 Jahre, wäre es verwehrt gewesen, sich Klarheit darüber zu verschaffen, wie hochwassergefährdet sein Bauplatz ist. Er hätte Antworten finden können. Keinem, der im Ahrtal Supermarktparkplätze, Fabrikgelände und Straßen asphaltiert hat, wäre es verwehrt gewesen, sich Gedanken dazu zu machen. Die nötigen Informationen hätte er mit Leichtigkeit finden können. Keine Landesregierung, kein Landratsamt, keine Bauaufsicht, kein Bürgermeister kann heute von „Überraschung“ reden und daß die Katastrophe nicht vorhersehbar gewesen sei. Nicht vorhersehbar war sie nur für alle diejenigen, die ihre eigene Lebensspanne für das Maß aller Dinge halten. Solches jedoch ist ausgesprochen dumm. „Wird schon gut gehen, wahrscheinlich habe ich Glück. Meine Eltern und die Großeltern hatten schließlich auch keine Flutkatastrophe“, ist die Ursache. Hätte ja klappen können.

Tja, und dann endete das Glück eben schon in dieser Generation und nicht erst in der nächsten oder der übernächsten. Daß die jüngste Flutkatastrophe jedoch Anlaß sei, sich „schwierige Fragen nach Freiheit“ zu stellen, kann nur jemand behaupten, der entweder krass unterbelichtet – oder ein abgefeimter Lügenbaron ist. Aber bitte: Mit Lügen hatten Ideologen noch nie Probleme, solange sie der „guten Sache“ zu dienen versprachen. Für Ideologen heiligte der Zweck seit jeher die Mittel. Und erzähle mir keiner, daß an der allgemeinen Klage über die Ideologisierung der Medien nichts dran sei.

Letztlich ist es das, worum es in Thorauschs Intellektsimulation für das Redaktionsnetzwerk Deutschland geht: Die scheuklappenartige Fortsetzung einer ausgesprochenen Volksverblödung zur Sicherung der eigenen Existenz. Die läßt sich tatsächlich nicht mehr anders sichern, als durch die Zerstörung der Freiheit, durch Zensur und üble Nachrede Andersdenkenden gegenüber. Da muß niemand mehr heucheln, daß er sich den Kopf zerbreche über „schwierige Fragen nach Freiheit“.

Die Abwesenheit von Freiheit ist geradezu Voraussetzung dafür, daß sich Figuren wie Thorausch einbilden können, es nehme ihnen noch jemand ihre aufgesetzte Nachdenklichkeit ab. Wer sich, so, wie das linke Redaktionsnetzwerk Deutschland, ausrechnet, daß er einen Artikel wie den von Thorausch mit gewissem Erfolg unters Volk bringen kann, der muß vorher schon eine sehr arrogante Meinung über seine eigene Leserschaft gehabt haben. Das spiegelt sich nicht nur beim Redaktionsnetzwerk Deutschland, sondern noch in vielen anderen Medien. Überall marodieren diese selbsternannten Volkspädagogen und signalisieren mit bald jedem Satz, wofür sie sich halten: „Wir schlau, Ihr dumm. Wir Lehrer, Ihr Schüler.“ – Und dann lehren sie auch noch das Falsche, auf daß die Verblödung immer weiter ansteige, und nur, weil das wiederum ihnen selbst die Existenz sichert. Allerhöchste Zeit, dieser Farce endlich ein Ende zu setzen. Am 26. September sind Bundestagswahlen.