Impfwahn: Nach den Kindern will man sich jetzt die Schwangeren vorknöpfen

Foto: Maskenpflicht in der Innenstadt von Emden (über dts Nachrichtenagentur)

Um den Impfstoff endlich loszuwerden und die Pharmaindustrie zufrieden zu stellen, sind nach den Kindern jetzt wohl die Schwangeren dran: Die Ständige Impfkomission (Stiko) will bis Ende dieses Monats ihre Empfehlung für die Corona-Impfung von Schwangeren abgeben.

„Die Stiko arbeitet die vorliegenden Daten für eine Covid-19-Impfung in der Schwangerschaft derzeit systematisch auf“, sagte Gynäkologin und Stiko-Mitglied Marianne Röbl-Mathieu dem „Redaktionsnetzwerk Deutschland“ (Freitagausgaben). Im Mittelpunkt stünden dabei die Sicherheit und Wirksamkeit der Impfstoffe sowie die Erkenntnisse zu Corona-Erkrankungen in der Schwangerschaft.

„Die genannten Aspekte werden dann einer Nutzen-Risiko-Bewertung unterzogen“, so Röbl-Mathieu. „Ergebnisse dieser STIKO-Analyse und Bewertung sind ab Ende August zu erwarten.“ Die Deutsche Gesellschaft für Gynäkologie und Geburtshilfe (DGGG) plädiert dafür, Schwangere priorisiert zu impfen und hofft auf eine entsprechende Stiko-Empfehlung.

„Schwangerschaft stellt ein erhöhtes Risiko für einen schweren Verlauf einer Covid-19-Infektion dar“, sagte DGGG-Präsident Anton Scharl dem RND. „Die Deutsche Gesellschaft für Gynäkologie und Geburtshilfe bedauert die derzeitige Haltung der Stiko, nimmt sie aber mit großem Respekt entgegen.“ Unterschiedliche Einschätzungen in dieser Frage seien selbstverständlich, so Scharl. Politischer Druck auf die Stiko solle deshalb vermieden werden.

Hier weitere Meldungen aus der Coronahölle:

Linke fordert Impfprämie von 50 Euro pro Person

Angesichts des immer weiter zurückgehenden Impftempos bei mittlerweile ausreichend Impfstoff hat sich die Linke für eine Impfprämie ausgesprochen. Alle Bürger, die geimpft sind, sollten „einen Innenstadtgutschein über 50 Euro für Gastronomie oder Einzelhandel erhalten“, sagte der Vorsitzende der Linken im Bundestag, Dietmar Bartsch, den Zeitungen der Funke-Mediengruppe (Freitagausgaben). „Das wäre ein Konjunkturpaket über drei bis vier Milliarden Euro für die Innenstädte, die stark unter Corona gelitten haben.“

Die Gutscheine dürften nach Vorstellung der Linken „ausdrücklich nicht über den Online-Handel eingelöst werden“. Bei einer Erstimpfquote von 62,1 Prozent kommt Deutschland nun in eine ähnliche Situation wie Monate zuvor schon Israel. Das Land hatte Anfang des Jahres innerhalb von 2 Monaten 50 Prozent der Bevölkerung mindestens einmal geimpft, für die nächsten zehn Prozent benötigte es schon 2,5 Monate, seitdem kamen in weiteren fast 3 Monaten nur noch 4 Prozent hinzu – die Impfquote liegt aktuell bei 64 Prozent.

Niedersachsen plant neue Corona-Strategie

Weil sich die Situation in den Krankenhäusern trotz steigender Inzidenzwerte weiterhin entspannt, arbeitet das Land Niedersachsen momentan an einer völlig neuen Corona-Strategie. Es werde darüber nachgedacht, die Corona-Grenzwerte im Stufenplan deutlich anzuheben, sagte Niedersachsens Sozial- und Gesundheitsministerin Daniela Behrens der „Neuen Osnabrücker Zeitung“ (Freitagausgabe). „Die heutige 50 könnte dann deutlich höher angesetzt werden“, sagte die SPD-Politikerin.

Ein anderer Schritt geht sogar noch weiter: Alternativ ist laut Behrens denkbar, „dass wir uns generell von der Reglementierung aller gesellschaftlichen und wirtschaftlichen Bereiche verabschieden und stattdessen hauptsächlich auf den Schutz besonders gefährdeter Bereiche setzen“. Über beide Modelle werde innerhalb der Landesregierung momentan diskutiert. Gleichwohl geht die Ministerin nach eigenen Worten davon aus, „dass die absoluten Grundregeln wie Abstand, Hygiene, Maske und Lüften uns aber in jedem Fall weiter begleiten werden“.

Gleichzeitig bekräftigte die Ministerin, dass das Land an seiner Impf-Empfehlung für Kinder und Jugendliche ab zwölf Jahren festhalten werde. Kritik der Ständigen Impfkommission (Stiko), die das Impfen ab zwölf Jahren nur eingeschränkt empfiehlt und eine Einmischung der Politik beklagt, wies Behrens als „nicht nachvollziehbar“ zurück. Stattdessen geht die Gesundheitspolitikerin in die Offensive.

Bei der Empfehlung zu den Kinder-Impfungen nehme Deutschland im europäischen und internationalen Vergleich eine Außenseiterrolle ein. „Überall um uns herum gibt es solche Einschränkungen nicht. In Großbritannien, den USA und Israel sind bereits Hunderttausende Kinder geimpft. Die Spanier gehen auch ganz offensiv mit dem Bereich der Kinder-Impfungen um. Ich erwarte von der Stiko, dass sie sich die Datenlage immer wieder anschaut und ernsthaft prüft, ob sie bei ihrer eingeschränkten Empfehlung der Impfung von Kindern und Jugendlichen bleibt“, erklärte Behrens. Die Stiko sei zwar der wissenschaftliche Expertenrat, aber die Verantwortung der Impfkampagne liege letztlich bei der Politik. „Vor diesem Hintergrund fühlen wir uns auch in guter Gesellschaft, wenn wir die Impfung von Kindern und Jugendlichen ab zwölf Jahren empfehlen“, erklärte Behrens und fügte hinzu: „Ich würde meine Kinder impfen lassen.“

Südfrankreich wird Hochrisikogebiet – Entwarnung für Niederlande

Frankreich-Urlaubern drohen schärfere Reiseauflagen. Die Bundesregierung will laut eines Berichts der Zeitungen der Funke-Mediengruppe (Freitagausgaben) Südfrankreich zum Corona-Hochrisikogebiet erklären. Betroffen sind die Regionen Okzitanien, Provence-Alpes-Cote d`Azur sowie die Mittelmeerinsel Korsika.

Einreisende aus diesen Gebieten müssen dann in eine zehntägige Quarantäne gehen, wenn sie kein Impf- oder Genesenenzertifikat vorweisen können. Die Selbstisolierung kann frühestens nach fünf Tagen mit einem negativen Test auf Covid-19 beendet werden. Betroffen sind außerdem französische Übersee-Regionen wie Reunion im indischen Ozean und die Karibikinseln Martinique, Guadeloupe, Saint Martin und Saint Barthelemy.

Die Ministerien für Gesundheit und Inneres sowie das Auswärtige Amt verzichteten laut Funke-Zeitungen darauf, ganz Frankreich zum Hochrisikogebiet zu erklären, weil die Inzidenzen geographisch sehr differenziert seien. Eine Einstufung nach Regionen sei „epidemiologisch sinnvoll und angezeigt“, heißt es aus Regierungskreisen. Entwarnung gibt es derweil für Einreisende aus den Niederlanden.

Das Land gilt nicht mehr als Hochrisikogebiet – ungeimpfte Holland-Touristen müssen nach Rückkehr nicht wie bisher in Quarantäne gehen.

Nur noch jeder Zweite befürwortet Corona-Maßnahmen

Nur noch etwa 51 Prozent der Bundesbürger halten laut einer Infratest-Umfrage die aktuell geltenden Corona-Maßnahmen für angemessen. Das sind zehn Prozentpunkte weniger als im Juni, so die Erhebung für den „ARD-Deutschlandtrend“. 21 Prozent gehen die Auflagen derzeit hingegen nicht weit genug, das sind acht Prozentpunkte mehr.

Ein Viertel der Wahlberechtigten hält die Maßnahmen unverändert für zu weit gehend (25 Prozent; +1). Die Corona-Impfung gewinnt derweil in Deutschland an Zuspruch: 83 Prozent der Bundesbürger (+8 im Vergleich zu Mai) geben aktuell an, sich auf jeden Fall (12 Prozent) gegen Corona impfen zu lassen oder bereits zumindest einmal geimpft zu sein (71 Prozent). Vier Prozent geben an, sich wahrscheinlich impfen zu lassen (-7).

Jeder achte Wahlberechtigte (12 Prozent; -1) gibt jedoch an, sich wahrscheinlich nicht impfen zu lassen oder schließt eine Impfung für sich aus. Von denen, die sich wahrscheinlich nicht oder auf keinen Fall impfen lassen wollen, geben 69 Prozent die Sorge vor möglichen unentdeckten gesundheitlichen Folgeschäden als Hauptgrund an. Von den Impfabgeneigten geben 15 Prozent an, dass sie keine Sorge vor einer Ansteckung mit dem Virus haben.

8 Prozent von ihnen sind grundsätzlich gegen Impfungen. Mit 2 Prozent spielen Vorerkrankungen bei den genannten Gründen, sich nicht impfen lassen zu wollen, nur eine geringe Rolle. 46 Prozent der Befragten befürworten eine allgemeine Impfpflicht, 50 Prozent lehnen sie ab.

Während ältere Wahlberechtigte eine Corona-Impfpflicht mehrheitlich begrüßen (61:35 Prozent), überwiegt bei den Unter-40-Jährigen die Ablehnung deutlich (38:59 Prozent). Bei der Frage nach Impf-Anreizen wie beispielsweise der Befreiung von Alltagseinschränkungen für vollständig Geimpfte geben zwei Drittel (65 Prozent) der Befragten an, dies zu unterstützen. Drei von zehn (29 Prozent) sind dagegen. Ein mögliches Ende der Kostenübernahme für Corona-Schnelltests unterstützen sechs von zehn Bundesbürgern (61 Prozent). Ein gutes Drittel (35 Prozent) lehnt kostenpflichtige Corona-Tests für künftig Ungeimpfte jedoch ab. Infratest hatte die Umfrage vom 2. bis 4. August unter 1.312 Wahlberechtigten in Deutschland für den „ARD-Deutschlandtrend“ durchgeführt.