Geschlossene Corona-Anstalt Australien: „Wir fühlen uns gefangen wie ein Koala im Buschfeuer“

Foto:Von Gordon Best/shutterstock

Nach mehr als 20 Monaten Corona-Pandemie sind die Australier heute noch eingeschränkter als zu Beginn der ausgerufenen Pandemie. Fast zwei Drittel des Landes sind abgeriegelt, Existenzen sind in Gefahr, Verwandtenbesuche unmöglich. Eine Australierin berichtet aus dem Corona-Knast.

Am Freitag sei ihre Tochter 21 Jahre alt geworden. Niemand konnte bei ihr sein und feiern, weder ihre Eltern, noch ihre Schwester, erzählt Angela Millard gegenüber der MailOnline. Was blieb war das Computer-Treffen. Die Studentin im drei Stunden entfernten Canberra weinte, als sie den Brief ihrer Oma las und fragte unter Tränen: „Wann werde ich dich wiedersehen?“. Eine Frage, die ihr niemand beantworten könne, so Angela Millard.

„Während sich der Rest der Welt öffnet, werden wir zum Zuhausebleiben gezwungen und vom Rest der Welt abgeschnitten, ohne dass ein Ende in Sicht ist“, klagt sie. Am Anfang hätten die strikten Covid-Einschränkungen noch funktioniert, das Leben sei ziemlich normal verlaufen. Doch jetzt gehen Geschäfte pleite, Polizisten patrouillieren mit Helikoptern und zu Pferd an den Stränden, frustrierte Bürger protestieren, andere schwärzen jeden an, der ihnen im Supermarkt zu nahe kommt.

„Das Virus breitet sich schnell aus, fast niemand ist immun und nur 17 Prozent der Bevölkerung wurden vollständig geimpft. Sie können Ihr Haus nur verlassen, um wichtige Arbeiten zu erledigen, Lebensmittel einzukaufen, Sport zu treiben oder einen Arzt aufzusuchen“, erzählt die blonde Journalisten. Das Militär wurde hinzugezogen, um der Polizei bei der Durchsetzung der Beschränkungen zu helfen. Die Geldstrafen für Verstöße sind hoch. Wer ohne Maske gesichtet wird, dem schlägt sofort die öffentliche Verachtung entgegen.

Der einzige Ausweg sei offiziell die Impfung, aber Australiens sogenannter „Spaziergang“ scheitere an Lieferengpässsen, Apathie und offenem Widerstand, meint Millard gegenüber MailOnline.

„Ich zähle die Monate, seit ich meine Tochter das letzte Mal gesehen habe, aber es kann Jahre dauern, bis ich meine Eltern in Neuseeland, meinen Bruder in Japan und meine Nichten in Wales wiedersehen“, so die Kolumnistin düster.

Sogar einer der beliebtesten Frühstücksfernsehmoderatoren Australiens, dessen Jobbeschreibung es erfordert, dass er das fröhliche Gesicht der Nation ist, gab am Freitag auf. Karl Stefanovic erklärte, er habe es komplett satt, er wolle einfach nur noch zum Rugby gehen, Bier trinken und drei Fleischpasteten essen. Die Erfüllung dieses Wunsches liegt heute in weiter Ferne.

Keiner weiß, wie es weiter geht. Die Rückkehr zur Schule gestoppt, jetzt wird wieder von zu Hause gelernt. Ihre zweite Tochter hat ihren Plan, nach Großbritannien zu ziehen, um als Lehrassistentin zu arbeiten, aufgegeben. Völlig willkürliche Regeln, die es zwar erlauben, meilenweit zu reisen, um eine seit Kurzem bestehende Fernbeziehung aufrecht zu halten, aber verbieten, ein Kind oder einen sterbenden Elternteil zu besuchen, erzeugen Unverständnis und Ärger.

Der Preis für „nur“ 938 im Zusammenhang mit Covid Gestorbenen, ist immens: „Jeder fünfte Beschäftigte im Gastgewerbe, im Kunst- und Freizeitbereich in New South Wales wurde in der ersten Julihälfte entlassen“, schildert Millard die Situation. „Mein Einkommen ist um 45 Prozent gesunken und ich musste meinen Gürtel enger schnallen. Eine befreundete Buchhalterin erzählte mir, das die Hälfte ihrer Kleinunternehmenskunden wegen der Maßnahmen untergehen werden“, so Die Kolumnistin.

„Wir haben unsere lockere Einstellung aus Angst getauscht und dürfen nicht weiter als sechs Meilen von unseren Häusern entfernt reisen. Vergessen sind die weiten Landschaften, die wir früher so geliebt haben. Was für ein Australien wird uns eigentlich bleiben? Covid härtet uns ab und spaltet eine Nation entspannter „Rowdys“, die früher bei einem Bier beim Grillen Konflikte beilegten“, überall steigt die Wut, so Millard.

„Es war der überwältigende Raum und die Freiheit, die uns vor all den Jahren dazu bewogen haben, nach Australien zu ziehen. Und als unsere erste Tochter im ersten Jahr dieses neuen Jahrtausends in einem glücklichen Land unter einem tiefblauen Himmel geboren wurde, hatten wir das Gefühl, im Lotto gewonnen zu haben. Heute fühlt es sich nicht so an. Es scheint, dass die Nation, die wir für sie ausgewählt haben, kein Geschenk ist, sondern ein Gefängnis“, so das bittere Fazit der „Insassin“ Angela Millard. (MS)