Wenn Cancel-Culture zum Bumerang wird: „Tagesschau“ empört sich über Umbennung islamischer Städtenamen in Indien

Die Konflikte zwischen Hindus und Muslimen nehmen in Indien wieder zu (Foto:Imago/HindustanTimes)

Eine Cancel-Culture ganz anderer Natur, nämlich mit umgekehrten Vorzeichen zum „Anti-Chauvinismus“ der europäischen Kulturmarxisten, vollzieht sich derzeit in Indien: Dort macht sich die hinduistische Bevölkerungsmehrheit gerade mit Eifer daran, die Spuren der eigenen muslimischen Vergangenheit und das Erbe der Mogulzeit zu tilgen. Interessanterweise wehren sich hiergegen die linken Kulturrelativisten mit Händen und Füßen, die hierzulande kein Stein auf dem anderen lassen, wenn es um die eigene „toxische“ Vergangenheit geht – und zwar ironischerweise mit den Argumenten, die sie hierzulande bei der Diskussion um Straßennamenänderungen oder politisch korrekte Erinnerungstilgungen nicht hören möchten.

Dabei ist gleiches beidermaßen falsch, ob auf dem indischen Subkontinent oder im freien Westen: Die Ausmerzung und Umschreibung von Geschichte ist ein Verbrechen an der eigene Kultur. Das Bekenntnis zu bzw. ein verantwortungsbewusster und durchaus kritischer Umgang mit grauenhaftem Unrecht der Vergangenheit und ungerechten Handlungen unserer Vorfahren ist ein schmerzlicher, aber notwendiger Akt, der von zivilisatorischer Reife zeugt. Wer jene Akteure der Geschichte hingegen aus dem kollektiven Gedächtnis verbannen will, die aus ihrem Zeitgeist und damals herrschenden Paradigmen heraus stets genauso inbrünstig von der Zulässigkeit und Richtigkeit ihres Tuns überzeugt waren wie die heutigen Woke-Verabsolutierer mit ihrem moralischen Unfehlbarkeitsanspruch und ihrem schlussgeschichtlichen Furor, der ebnet einer Wiederholung der einstigen Verirrungen Tür und Tor.

Es spielt dabei gar keine Rolle, ob die Entdeckung Amerikas, Kolonialismus und Imperialismus, Völkermorde oder Eroberungskriege der Europäer auf dem Prüfstand stehen, oder die gewaltsame islamische Expansion oder die muslimische Invasion in angrenzende Kulturräume. Doch ihre Reaktion auf die nunmehrigen Bestrebungen in Indien, die muslimischen Hinterlassenschaften zu beseitigen zeigt, dass es den linken Cancel-Revisionisten in Wahrheit nur um eine verhasste Vergangenheit geht, die umgepfriemelt oder symbolisch postum ausgemerzt werden soll – nämlich die eigene. dass daraus auch ein Bumerang werden kann, hatten sie nicht auf der Rechnung.

Dass Muslime, arabische Händler und die Karawanen des Orients ihren eroberten Ländern nicht nur Mathematik, die Schrift, Astronomie, Brunnenbaukunst, Heilkunde und Gartenbau brachten, wie es die Apologeten eines verklärten „modernen, friedlichen“ Islam als Mythos bis heute propagieren (und zwar egal ob es um Al-Andalus in Südspanien oder um das indische Mogulreich geht) sondern dass sie ebenso mordeten, versklavten, eroberten, und dass ihre Gesellschaften „fortschrittlich“ nur deshalb waren, weil unsere eigenen Vorfahren zu dieser Zeit geistig im tiefsten Mittelalter steckten und noch viel rückständiger waren: Das wollen die Toleranzapostel der Moderne so wenig wahrhaben wie die Tatsache, dass heutige muslimische „Schutzsuchende“ eben auch Täter sein können, oder dass deutsche Muslime 2021 zum Teil in mittelalterlichem Wertvorstellungen ihrer Parallelgesellschaften gefangen sind, bis hin zu Ehrenmorden und IS-Terror.

Verklärung islamischer Heldengeschichte

Dass nun in Indien erstmals seit der Unabhängigkeit vor knapp 75 Jahren Städtenamen nicht mit Blick auf die britische Kolonialgeschichte umbenannt werden (so wie etwa bisher Kalkutta in Kolkata, Madras in Chennai oder Bangalore zu Bengaluru), sondern dies nun erstmals im Zuge einer Art De-Islamisierung geschehen soll, kann vor allem die ARD-„Tagesschau“ anscheinend schwer verknusen: „Der nationalistischen Regierung missfallen vor allem Namen, die auf die Herrschaft der Muslime im Mittelalter zurückgehen. Das will sie ändern„, heißt es da. „Muslimische Geschichte aus Ortsnamen zu tilgen – das ist tatsächlich ein Ziel der Hindunationalisten von Ministerpräsident Narendra Modi„, empört sich am Montag das gebührenfinanzierte Leitmedium. Dass bereits vor drei Jahren Allahabad in Prayagraj umbenannt wurde, stieß dem Ministerpräsidenten des betroffenen Bundesstaates Uttar Pradesh, Yogi Adityanath, übel auf: Die „Tagesschau“ zitiert ihn mit den Worten, Namen hätten „eine Bedeutung„, und Städtenamen seien immer „mit Stolz und unserer Tradition verbunden“ – auch die islamstämmigen Städtenamen. Deshalb sei es verwerflich, dass nun noch viele weitere Stadtnamen unter den Rotstift kommen sollen – darunter Agra oder Hyderabad.

Natürlich muss beim tendenziösen deutschen ÖRR hier als O-Ton ein muslimischer indischer Wissenschaftler zu Wort kommen – der Soziologe Hilal Ahmed, der der Regierung Modi eine Politik vorwirft, die „religiöse Minderheiten ausgrenzt„. In diesem Fall ist die Minderheit allerdings riesig – denn es gibt in Indien 170 Millionen Muslime. Die Diskriminierung geschehe nun über die Umbenennungen, so Ahmed: „Es geht dabei auch darum, die Geschichte umzuschreiben. Und dazu gehört, dass man das mittelalterliche Indien ausradiert. Denn in deren Version der Geschichte ist diese Zeit mit muslimischer Dominanz gleichgesetzt.“ Tatsächlich? Bei dieser „Dominanz“ handelt es sich nicht um irgendeine „Version„, auch wenn die „Tagesschau“ diese Aussage umkommentiert übernimmt – sondern um eine historische Tatsache. Denn natürlich brachten die Moguln dem Land nicht nur heutige Welterbe-Bauwerke wie das Taj Mahal, sondern übten eine oftmals brutale Unterdrückungsherrschaft aus.

Natürlich sind Umbenennungen falsch, radikal, intolerant und letztlich borniert. Doch nicht nur in Indien, sondern eben auch bei uns, wo Mohren-Apotheken, Negerküsse, ja sogar Erich-Kästner-Straßen dem linksradikalen Zeitgeist weichen müssen. Wer die Geschichte ausradiert, ist letztlich auch nicht besser die als Taliban mit ihrer Sprengung der afghanischen Buddha-Statuen von Bamiyan, oder der IS mit seiner Zerstörung Palmyras. Darüber hätte man bei der ARD eher sinnieren sollen, statt gegen Hindus und indischen Nationalismus zu polemisieren. Es sind die Methoden, nicht die Inhalte, die hier zu verachten sind – egal, wem es an den Kragen geht. Statt die übliche Masche zu reproduzieren, muslimische Hegemonialbestrebungen von damals wie heute zu verharmlosen (bei gleichzeitigem Aufbauschen der selbstbehaupteten Opferrolle von Muslimen, wann immer sich der herrschende Wind einmal gegen sie dreht) hätte die „Tagesschau“ der Cancel-Culture insgesamt den Kampf ansagen können. Denn letztlich bedient man sich in Hindustan und Neu-Delhi derselben Praktiken, die die westliche Linke selbst salonfähig gemacht hat.