Deutsches Bildungssystem: Impfen statt lehren?

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Berlin – Erinnert sich vielleicht noch jemand an früher, als man zur Schule ging, um etwas zu lernen? Die Zeiten scheinen längst vorbei zu sein:

Der Deutsche Lehrerverband (DL) begrüßt die Pläne mehrerer Bundesländer, Impfungen an Schulen durchzuführen. „Alles, was die Sicherheit an Schulen schnell erhöht, ist gut“, sagte Verbandschef Heinz-Peter Meidinger dem „Redaktionsnetzwerk Deutschland“ (Donnerstagausgaben). Es sei völlig klar, dass eine hohe Impfquote der Schüler „der wohl wichtigste Baustein für mehr Gesundheitsschutz an Schulen in der Pandemie, und damit letztendlich für eine baldige Rückkehr zur Normalität im Schulbetrieb ist“, sagte Meidinger.

„Außerdem könnten bei einer hohen Impfquote, nachdem alle in der betreffenden Altersgruppe ein Impfangebot haben wahrnehmen können, andere Gesundheitsschutzmaßnahmen wie Maskenpflicht und regelmäßige Testungen im Gegenzug schrittweise zurückgefahren werden“, so Meidinger weiter. Mit Blick auf die bisherige Zurückhaltung einzelner Länder sagte der Verbandschef: „Dass sich einzelne Bundesländer wie etwa Bayern, weitgehend zurücklehnen und die Hände in den Schoß legen, halte ich für falsch. Wir haben auch nicht die Befürchtung, dass dadurch Konflikte in die Schulen hineingetragen und ein Gruppendruck auf nichtimpfwillige Schüler beziehungsweise deren Eltern ausgeübt werden könnte.“

Immerhin:

Es gebe durchaus Möglichkeiten, Impfungen so zu organisieren, dass sowohl der Schulbetrieb kaum tangiert, als auch die notwendige Anonymität und Freiwilligkeit absolut gewahrt wird, so der Verbandschef. Wichtig sei aber, dass die Corona-Impfungen sowohl für Lehrkräfte als auch für Schüler (noch!) freiwillig bleibe. „Eine Impfpflicht lehnen wir nach wie vor ab. Wir setzen auf Überzeugungskraft und Einsicht der Betroffenen und sind dabei auch sehr optimistisch.“ Das oberste Ziel sei vollständiger Präsenzunterricht im Herbst sowie eine baldmögliche Rückkehr zur Normalität an Schulen ohne größere Einschränkungen. „Eine hohe Impfquote ist der zentrale Schlüssel dafür“, sagte Meidinger.

Nachdem die Ständige Impfkommission (Stiko) am Montag die Corona-Impfung für Kinder und Jugendliche ab zwölf Jahren empfohlen hat, sind in ganz Deutschland ganz schnell Impfaktionen für die Altersgruppe der 12- bis 17-Jährigen angelaufen. Der Bundesverband der Kinder- und Jugendärzte (BVKJ) kritisierte die Pläne mehrerer Bundesländer hingegen, Kinder und Jugendliche an und im Umfeld von Schulen zu impfen. „Die Jugendlichen stehen in den Schulen sehr stark unter Gruppenzwang, sodass eine freie und unabhängige Entscheidung schwierig wird“, sagte Kinderarzt und Bundessprecher Jakob Maske dem „Redaktionsnetzwerk Deutschland“. Es sei zudem problematisch, dass die Impfenden die Kinder und Jugendlichen meist nicht kennen würden und auch die Eltern häufig nicht anwesend seien, um eine Einwilligung in die Impfung zu geben. Maske riet stattdessen zur Impfung in den Praxen: „Das Impfen beim eigenen Kinder- und Jugendarzt hat den Vorteil, dass der Arzt die Familie und das Umfeld gut kennt und die Eltern besser beraten kann, ob die Impfung für die Familie sinnvoll ist oder nicht.“

Falls dann doch noch Impfstoff übrig bleibt, wird man sich die Kinder von 1 bis 12 Jahren vorknöpfen und wenn das immer noch nicht helfen sollte, die Pharmakonzerne zufrieden zu stellen, gibt es ja noch die Schwangeren und ihre Embyos. (Mit Material von dts)