Alle Jahre wieder: Intensivmediziner und Krankenhausgesellschaft schlagen Alarm

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Der Spätsommer hat in Deutschland Einzug genommen und so müssen wir uns auch nicht wundern, dass der nächste Lockdown, der ja angeblich nie mehr kommen sollte, von langer Hand vorbereitet wird.

Zumindest schlagen schon mal die Intensivmediziner und die Krankenhausgesellschaft erwartungsgemäß Alarm:

Der Präsident der Deutschen Gesellschaft für Internistische Intensivmedizin und Notfallmedizin (DGIIN), Christian Karagiannidis, ist gegen einen Fokus allein auf die Krankenhausbelegung. Das sagte er der „Rheinischen Post“ (Donnerstagausgabe). „Wir befinden uns wieder im exponentiellen Wachstum der Infektionen und auch der schweren Erkrankungen. Immer mehr junge Menschen landen im Krankenhaus, weil sie sich nicht impfen lassen haben oder es bislang nicht ernst genug genommen haben.“ Das Signal, das vom Streichen des Inzidenzwerts 50 ausgeht, sei kritisch. „Natürlich hat sich die Bedeutung verändert, wir sollten den Inzidenzwert aber keinesfalls aufgeben. Ein Dreiklang aus Inzidenzen, Krankenhausfällen und Intensivbettenbelegung ist wichtig“, sagte Karagiannidis. Und man brauche dringend von der Politik klare Leitlinien, welche Bremsen, wie zum Beispiel 2G, sie eigentlich wann ziehen wolle, wenn es neben NRW auch in anderen Bundesländern zu neuen Hotspots kommt, fügte er hinzu.

Leider liefert er keine konkreten Zahlen und Hintergrundinformationen über die ach so jungen Patienten, die jetzt die Intensivbetten belegen. Der Hinweis auf die Notwendigkeit von 2G, also auf die gewünschte ultimative Spaltung der Gesellschaft in Geimpfte und Gesunde, lässt allerdings schon tief blicken.

Auch der Chef der Deutschen Krankenhausgesellschaft (DKG), Gerald Gaß, warnt vor einer einseitigen Ausrichtung auf die Rate der Klinikeinweisungen. „So wie wir seit Wochen sagen, dass die Inzidenz nicht alleiniger Indikator sein kann, so gilt das jetzt auch für die Hospitalisierung“, sagte er dem „Redaktionsnetzwerk Deutschland“ (Donnerstagausgaben). Notwendig sei, verschiedene Indikatoren nebeneinander qualitativ zu betrachten, um sich ein wirkliches Bild von der Infektions- und Gefahrenlage im Gesundheitswesen zu machen.

So müssten neben der Inzidenz und der Hospitalisierung zum Beispiel auch die Impfquote und die Dynamik der jeweiligen Parameter berücksichtigt werden. „Es gibt nicht die Glücksformel, bei der die eine Zahl herauskommt, die die Pandemie umfassend erklärt“, so der DKG-Chef. „Es ist Aufgabe der Politik, klar zu kommunizieren, dass die Grundlage für die Bewertung des Pandemiegeschehens komplexer ist, als es ein einziger Wert darstellen könnte“, sagte Gaß.

Gerade die Impfungen führten zu einer Entkopplung von Inzidenz und Hospitalisierung. So habe in der Vergangenheit der Anteil der hospitalisierten Covid-19-Fälle bei zwölf Prozent gelegen, heute seien es nur noch fünf Prozent. Nach seinen Angaben sind 90 Prozent der derzeit eingewiesenen Patienten ungeimpft, die Hälfte aller aktuell einliegenden Patienten ist danach jünger als 48 Jahre.

Bis zur wirklich heißen Phase im Herbst werden mit Sicherheit 70 Prozent der Bürger durchgeimpft sein, das Gesundheitssystem, dass ja bereits im letzten Jahr, als es noch gar keinen Impfstoff gab, problemlos über die Corona-Runden kam, wird also keinesfalls belastet werden. Warum also schon wieder dieser Alarmismus? (Mit Material von dts)