Sie kommen: Tausende Afghanen erreichen den Iran und wollen weiter nach Europa

screenshot MailOnline

Ein kurzer Film zeigt das wahrhaft epische Ausmaß des Exodus von Afghanen, die sich Richtung Westen aufgemacht habe. Die Route: Über den Iran, Richtung Türkei und von dort nach Europa. Während andere europäische Staaten an Grenzzäunen bauen, wird hier bald wieder der Ruf „Refugees Welcome“ erschallen. RRG wird’s möglich machen.

Es ist ein endloser Menschenstrom, der eingerahmt von Bergen durch das Wüstental zieht. Hier treffen die Grenzen Afghanistans, Pakistans und Irans aufeinander und für alle noch klar denkenden Europäer werden diese Bilder ihre schlimmsten Befürchtungen bestätigen. Für diese Männer, Frauen und Kinder wird ihr erstes Ziel nach dem Iran wahrscheinlich die Türkei sein, vermutet die MailOnline. Dort angekommen ist es nur noch ein Katzensprung nach Europa und nach Deutschland.

Ein Augenzeuge, der die Gegebenheiten laut MailOnline gut kennt, erklärte, daß die im Film gezeigte Lokalität am Ende einer vierstündigen Wanderung durch unwegsames pakistanisches Gelände liegt. An diesem Punkt übernehmen iranische Menschenschmuggler die Europawanderer, die wohl kaum etwas mit „heldenhaften Ortskräften“ zu tun haben dürften, denn die können sich wohl andere Wege ins gelobte (Deutsch)Land leisten: „Dies sind die ärmsten Menschen, weil es andere Routen gibt, die weniger Fußmarsch beinhalten aber die kosten mehr“, berichtet der Mann. Die Reise dieser Afghanen begann im trostlosen Nimruz, der am dünnsten besiedelten Provinz Afghanistans, die größtenteils von Wüsten und Bergen bedeckt ist.

In dem Filmmaterial, in dem sich die menschliche Karawane erstreckt, soweit das Auge reicht, werden nur wenige Worte gesprochen und nur das Geräusch von Ziegen, die in die andere Richtung getrieben werden, ist zu hören.

„Nach mehr als vier Stunden Fußmarsch kamen wir in einem Tal an und warteten auf die Dunkelheit. Gegen 22 Uhr kamen Iraner und fragten jeden nach einem Code oder einem Schlüsselwort. Als dann jeder seinen Schmuggler gefunden hatte, wurden wir in Gruppen eingeteilt, jede Gruppe mit ihrem eigenen Schmuggler. Dann zogen wir in Richtung Iran, Gruppe um Gruppe“, so der Mann.

Früher seien vielleicht 200 Leute dort gewesen, jetzt herrsche Chaos: „Tausende waren da. Ich sah hochschwangere Frauen, Babys, alte Männer. Ich erinnere mich an das Geräusch weinender Babys, das über die Berge hallte“, erzählt er weiter.

Filippo Grandi, der UN-Hochkommissar für Flüchtlinge, erklärt unterdessen, die Evakuierungen vom Flughafen Kabul seien nur der Anfang einer „weitaus größeren humanitären Krise“. Seine Behörde schätzt, dass bis zu 500.000 Afghanen aus ihrem Land fliehen könnten.

„Die Szenen am Flughafen von Kabul in den letzten Tagen haben weltweit ein Mitgefühl über die Angst und Verzweiflung Tausender Afghanen ausgelöst. Aber wenn diese Bilder von unseren Bildschirmen verschwunden sind, wird es immer noch Millionen geben, die die internationale Gemeinschaft brauchen“, so Grandi. Der neue Flüchtlingsansturm auf Europa bahnt sich jetzt seinen Weg. (MS)