Impfen ist jetzt Punk: Wie Hosen, Ärzte & Co. von Rebellen zu Systemschleimern wurden

Letztes Jahr Lockdown-Combo im ÖRR, heute Impf-Werber: Die Ärzte (Foto:ScreenshotYoutube)

Diese Woche sorgte das Campino-Video von 2009 für Furore, als der Tote-Hosen-Frontmann auf der Bühne gegen die Panikmache um die Schweinegrippe wetterte und gegen jede Art von Impfung in deren Zusammenhang anbrüllte („Keine fucking Spritze in meinen Körper mit diesem Dreck!„). Zwölf Jahre später gehört Campino zu den deutschen Künstlern, die sich bei der unkritischen Unterstützung der Impfkampagne im Regierungs- und Pharmainteresse einen braunen Hals holen. Genauso wie die Ärzte und andere linke, nur scheinbar unangepasste Künstler.

Teilweise waren die, die sich in ihrer Karriere stets als Rebellen gerierten, nie wirklich so aufmüpfig gewesen, wie sie sich gerne gaben – doch viele gingen auch einer erfolgreichen Propaganda des Coronastaates auf den Leim, die es schon früh in der Pandemie verstand, jegliche Kritik an Freiheitsbeschränkungen, autoritären Maßnahmen und dann natürlich auch an der Impfkampagne in die rechte Ecke zu drängen. Ideal für Schubladendenker, derer es unter Deutschlands Haltungskünstler genügend gibt. Die Aktivierung von Feindbildern gelingt bei vorurteilsbehafteten und voreingenommenen Plärren am leichtesten. So wie zum Beispiel Jan Delay, der sowieso überall nur Nazis sieht; da passen dann auch „Querdenker“ und Impfgegner ins Raster.

Virologe Dr. Drosten kann diesen linksradikalen Fanboys und den von ihnen verherrlichten „Anti-Deutsch-Rock-Kapellen“ anscheinend eine Menge abgewinnen – spätestens seit ihm letztes Jahr die Berliner Deutschpunkband „ZSK“ mit einer eigens ihm gewidmeten Lobeshymne huldigte, woraufhin Drosten, ganz unbescheiden und berauscht von der ihm von Corona bescherten Prominenz, sogar einen gemeinsamen Live-Auftritt mit der Gruppe anregte. Jetzt retweetete „Doc Cov“ Drosten stolz gleich mehrere Delay-Tweets, in denen dieser u.a. die Ärzte für ihr Impftestimonal belobigte:

(Screenshot:Twitter)

Besagtes Statement der Ärzte ist ein intellektueller Offenbarungseid dieser einstigen „frechen Truppe“. Kaum zu glauben, dass die musikalischen Ursprünge der Band in derselben Ära wurzeln wie die von Nena – doch anders als sie gehen sie so ganz anders mit dieser willkürlich-unlogischen, rechtsstaatlich fragwürdigen „Krise“ um: Indem sie sich nämlich mittlerweile so anhören, als würde ihnen Regierungssprecher Steffen Seibert gemeinsam mit der RKI-Pressestelle diktieren, was sie ihren Fans zum Thema Corona zu sagen haben.

Die Panikhetze in ihrem Statement ist nicht nur lächerlich und mit Blick auf jede Verhältnismäßigkeit verlogen; sie ist auch hochgradig unverantwortlich: „Auch deshalb haben wir als Band uns entschieden, uns impfen zu lassen – ein kurzer Stich in den Oberarm, um die Wahrscheinlichkeit von ‚Long Covid‘ oder dem qualvollen Tod durch Ersticken massiv zu verringern.“ Diese Wahrscheinlichkeit ist selbst für verlebtes Altfleisch der Ärzte-Stammbesetzung um Bela B. und Farin Urlaub im ungeimpften Zustand statistisch vernachlässigbar, erst recht aber für Jüngere – doch der Missbrauch der Vorbildfunktion hat unter Deutschlands Kulturschaffenden eine lange Tradition.

Nena hingegen zeigt echte Courage: So wie etwa auch Eric Clapton („Das muss aufhören„) sieht sie die Gefahren der Coronapolitik. Was die Impfung betrifft, betont sie – und zwar mit denselben Worten wie jene, die heute Ungeimpften drohen – das Prinzip der Freiwilligkeit und Selbstbestimmung. Sie benennt klar idiotische Abstands- und Hygieneregeln bei ihren Auftritten, und die groteske Disparität, um nicht zu sagen: ungerechte Willkür, in der staatlichen Handhabung des geschundenen Demonstrationsrechts. Mit dem Resultat, dass ihre Konzerte abgesagt werden – während die „ärztlichen“ Punk“-Opas sogar in den ARD-Tagesthemen als Studioband musizieren durften.