Behördlicher Drohbrief wieder in Umlauf: Kindesentzug bei Quarantäne-Verstoß

Urlaubsfoto 2021 (Foto: Von Gargonia/Shutterstock

In Brandenburg sind Eltern in heller Aufregung. Sie erhalten Briefe von den Landratsämtern, in denen ihnen mitgeteilt wird, daß ihre Kinder zwangsweise „in einer geeigneten abgeschlossenen Einrichtung untergebracht“ werden, wenn sie den Quarantäne-Vorschriften nicht akribisch folgen.

Schon in der vergangenen Corona-Saison sorgten diese Droh-Briefe für Empörung und auch jetzt verlieren Politiker offenbar jedes Maß und Mitte. Aktuell kursiert ein entsprechendes Schreiben des Landkreises Potsdam-Mittelmark (Brandenburg) aus dem Wahlkreis von Kanzlerkandidat Olaf Scholz.

In dem Brief vom 1. September werden die Eltern eines vierjährigen (!) Kindes unter Verweis auf das Infektionsschutzgesetz rechtlich aufgeklärt: Sollten sie der Quarantäne-Anordnung für ihr Kind nicht nachkommen, „so hat die Absonderung zwangsweise durch Unterbringung in einer geeigneten abgeschlossenen Einrichtung zu erfolgen“, heißt es da laut Bild. Damit nicht genug: Bei Weigerung wird mit einer „Freiheitsstrafe bis zu zwei Jahren oder Geldbuße“ gedroht.

Die Behörden sind weiterhin zu allem entschlossen, um gegen „gemeingefährliche“ Eltern und Kinder vorzugehen. Selbst in der Schweizer Weltwoche wird dieser vierseitige Droh-Brief zum Thema. Chefredakteur Roger Kuppel spricht vom knallharten Kasernen-„Stechschritt-Sound“ und erregt sich über die Art und Weise, wie die Menschen in Deutschland angesprochen werden. Besonders bitter stößt ihm dabei das Wort „Absonderung“ auf: Man stelle sich vor, ein AfD-Politiker würde im Zusammenhang mit ausländischen Kriminellen dieses Wort benutzen, die Medien würden ihn „rösten und vierteilen“, meint Köppel.

Der zuständige SPD-Landrat Wolfgang Blasig versteht die ganze Aufregung offenbar nicht so richtig und spricht von „Empörung über die geltende Rechtslage“. Nur die Drohung mit der Freiheitsstrafe sei vielleicht ein bißchen zu viel gewesen:„Zugegeben: In dieser Form kann das zu Frustrationen bei den Briefempfängern führen“, so Blasig zur Bildzeitung.

Daran, daß Kleinkinder zwangsweise von ihren Eltern getrennt und in den Quarantäne-Knast verbracht werden sollen, stört er sich scheinbar wenig. (MS)