Berlin „kreativ“: Impfen für einen Döner

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Niemand soll der Spritze entgehen: Mit „kreativen Impfangeboten“ will Berlin bislang Ungeimpfte hinterm Ofen vorlocken: Jetzt gibts den Döner-Gutschein, beim Baumarktriesen Obi kann man sich den „kleinen Piks“ zwischen Schraubenregalen setzen lassen und auch der Eishockeyfan sieht sich beim Besuch eines Spiels vor die Entscheidung gestellt.

Nur 61,7 Prozent der bunten Hauptstadt-Gesellschaft sind bisher gegen das alles beherrschende Virus geimpft, bemängelt der Tagesspiegel. Sie alle seien nun der hochansteckenden Delta-Variante ausgesetzt, deshalb rauchen die Köpfe in den Berliner Behörden, die sonst nicht in der Lage sind zeitnah einen Personalausweis auszustellen – wochenlange Wartezeiten auf einen Termin und mindestens einen Monat Bearbeitung brauchen die Bürgerämter Berlins für diese teuer (bis zu 30 Euro) bezahlte Dienstleistung.

Wenn es darum geht, die Bürger an die Nadel zu bringen, zeigt der Amtsschimmel nicht nur in Berlin sein ganzes Potential: Im Rahmen der bundesweiten Impf-Aktionswoche können sich Impfwillige an bestimmten Tagen u.a. im Zoo, auf dem Marktplatz der Spandauer Altstadt, beim Hertha-BSC-Spiel im Olympiastadion oder beim Besuch eines Eishockeyspiels der Berliner Eisbären stechen lassen. Im Impfzentrum Berlin wird ein „After-Work-Impfen“ angeboten, mit Klavierbegleitung und alkoholfreiem Bier. Mit dabei auch die Kreuzberger Markthalle Neun, der Zoo Berlin im tiefen Westen und auch Wohnungslose brauchen sich nicht mehr zu fürchten: Für sie steht das Impfteam bei der Kältehilfe der Johanniter in Friedrichshain-Kreuzberg bereit. Wer Döner liebt, kommt bei Kaplan Döner im Wedding auf seine Kosten: Geimpfte erhalten vom 15. September bis 17. September einen Döner-Gutschein.

Noch nie sei es so einfach gewesen, sich impfen zu lassen, jubelt denn auch die Gesundheitssenatorin Berlins, Deutsch-Türkin Dilek Kalayci und ihr SPD-Kollege, Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier, gibt sich die Ehre und begleitet am Montag eine Impfaktion an einer Berliner Schule. Dort will er mit „verschiedenen Akteuren vor Ort“ pressewirksam ein Wörtchen wechseln. (MS)