New York Times: Bidens Drohne tötete unschuldigen Familienvater und mehrere Kinder

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Wie die New York Times herausgefunden haben will, ist durch den von US-Präsident Biden angeordneten Drohnenangriff am 29. August kein IS-Terrorist, sondern offenbar ein mehrfacher Familienvater getötet worden. Er soll sogar jahrelang Mitarbeiter einer US-Hilfstruppe gewesen sein.

Es sie die letzte bekannte Rakete gewesen, die von den Vereinigten Staaten in ihrem 20-jährigen Krieg in Afghanistan abgefeuert wurde, so die The New York Times. Das Militär nannte den Drohnenangriff, der nach stundenlanger Überwachung ein Fahrzeug traf, in dem eine IS-Bombe vermutet wurde einen „gerechten Schlag“.

Doch der New York Times liegen nicht nur Videoaufnahmen und viele Interviews mit mehr als einem Dutzend Kollegen und Familienmitgliedern des getöteten Fahrers vor, die erhebliche Zweifel an der offiziellen Version des Geschehens aufkommen lassen. Es sei unklar, ob der Mann, der von der NYT als Zemari Ahmadi identifiziert wird, wirklich Verbindungen zum IS hatte und ob sich in dem Fahrzeug, wie behauptet, Sprengstoff befunden hat.

Zemari Ahmadi war stundenlang von den Amerikanern beobachtet worden und stand unter Verdacht, einen weiteren Sprengstoffanschlag auf die US-Truppen am Flughafen von Kabul  geplant zu haben. Doch alle Beweise deuten darauf hin, daß Zemari Ahmadi der langjährigen Mitarbeiter einer US-Hilfsgruppe gewesen sein soll, an diesem Tag nur Kollegen von und zur Arbeit gefahren habe und einen Wasserkanister in den Wagen geladen habe, den er seiner Familie nach Hause bringen wollte.

Ebenso soll die Zahl der Opfer höher sein als offiziell angegeben. Laut US-Militär seien bei dem Drohnenangriff möglicherweise drei Zivilisten getötet worden. Die Times nennt die Zahl von 10 Todesopfern, unter ihnen sieben Kinder.

Ahmadi arbeitete seit 2006 als Elektroingenieur für Nutrition and Education International (NEI), eine kalifornische Hilfsorganisation. Nach Angaben seiner Verwandten fuhr Ahmadi an diesem Morgen gegen 9 Uhr morgens in einem weißen 1996er Corolla, der der NEI gehörte, zur Arbeit und verließ sein Haus, in dem er mit seinen drei Brüdern und ihren Familien lebte, einige Kilometer westlich des Flughafens. Bei seiner Fahrt geriet er offenbar ins Fadenkreuz der Amerikaner.

Den ganzen Tag über verfolgte eine MQ-9-Reaper-Drohne Ahmadis Fahrzeug auf seinem Weg durch Kabul. US-Beamte behaupten, sie hätten die Kommunikation zwischen der Limousine und einem angeblichen ISIS-Quartier abgefangen.

Doch alle, die an diesem Tag mit Ahmadi fuhren, erklärten, dass das, was das Militär als eine Reihe verdächtiger Bewegungen interpretierte, einfach ein normaler Arbeitstag gewesen sei. Nachdem sie angehalten hatten, um das Frühstück abzuholen, kamen Ahmadi und seine beiden Mitinsassen um 9:35 Uhr im Büro von NEI an, wie Überwachungskameras zeigen. Danach Ahmadi einige Kollegen zu einer von den Taliban besetzten Polizeistation in der Innenstadt, wo sie um Erlaubnis baten, in einem nahe gelegenen Park Lebensmittel an Flüchtlinge verteilen zu dürfen. Ahmadi und Mitfahrer kehrten gegen 14 Uhr ins Büro zurück. Wie auf Kameraaufnahmen zu sehen war, kam Ahmadi eine halbe Stunde später mit einem Wasserschlauch heraus. Mit Hilfe eines Wärters füllte er mehrere leere Plastikbehälter. Nach Angaben seiner Kollegen waren nach dem Zusammenbruch der Regierung die Wasserlieferungen in seiner Nachbarschaft eingestellt worden und Ahmadi hatte Wasser vom Büro nach Hause gebracht. „Ich habe die Behälter selbst gefüllt und ihm geholfen, sie in den Kofferraum zu verladen“, sagte der Augenzeuge.

Danach beobachtete das US-Militär den 43-Jährigen beim Einladen von drei Paketen in sein Fahrzeug. Die Amerikaner vermuteten Sprengstoff als Inhalt, doch wie die Times berichtet, habe es sich nur um zwei Laptops gehandelt. Laut einem Kollegen Ahmadis, der regelmäßig mit ihm pendelte, sei die Heimfahrt vom üblichen Lachen und Geplänkel begleitet gewesen, mit einem Unterschied: Ahmadi hatte aus Angst vor Schwierigkeiten mit den Taliban das Radio ausgeschaltet. Herr Ahmadi setzte seine drei Passagiere ab und machte sich dann auf den Weg zu seinem Haus in der Nähe des Flughafens. „Ich habe ihn gebeten, ein bisschen reinzukommen, aber er sagte, er sei müde“, sagte sein letzter Mitfahrer.

Obwohl US-Beamte sagten, dass sie zu diesem Zeitpunkt noch wenig über die Identität von Ahmadi wussten, waren sie überzeugt, dass die weiße Limousine, die er fuhr, eine unmittelbare Bedrohung für die Truppen am Flughafen darstellte.
Als Ahmadi in den Hof seines Hauses einfuhr – von dem Beamte sagten, dass es sich von dem angeblichen sicheren Haus des IS-Quartier deutlich unterscheidet, gab der zuständige Kommandant den Feuerbefehl. Inzwischen waren laut Verwandten einige seiner eigenen und Kinder seines Bruders auf das Fahrzeug zugelaufen, um Ahmadi zu begrüßen. Einige setzten sich in den Wagen, als Ahmadi rückwärts in den Hof fuhr, in dem sich auch Verwandte aufhielten.

Obwohl sich das Ziel nun in einem dicht besiedelten Wohngebiet befand, scannte der Drohnenoperator schnell und sah nur einen einzigen erwachsenen Mann am Fahrzeug, und schätzte daher mit „angemessener Sicherheit“ ein, dass keine Frauen, Kinder oder Nichtkombattanten getötet würden, sagten US-Beamte. Aber nach seinen Verwandten, als Herr Ahmadi in seinen Hof fuhr, kamen einige seiner Kinder und die Kinder seiner Brüder heraus, aufgeregt, ihn zu sehen, und setzten sich in den Wagen, als er rückwärts fuhr. Herr Ahmadis Bruder Romal saß mit seiner Frau im Erdgeschoss, als er hörte, wie sich das Tor öffnete und Herr Ahmadis Auto einfuhr. Sein erwachsener Cousin Naser war gegangen, um Wasser für seine Waschungen zu holen, und begrüßte ihn.

Der Motor des Autos lief noch, als es plötzlich eine Explosion gab. US-Militärbeamte rechtfertigen ihren Angriff wegen einer zweiten Explosion, die kurz darauf stattfand:
„Weil es Sekundärexplosionen gab, kann man vernünftigerweise davon ausgehen, dass sich in diesem Fahrzeug Sprengstoff befand“, erklärte der Vorsitzende der Joint Chiefs of Staff, General Mark A. Milley vergangene Woche. Die Times widerspricht: Ihre Ermittlungen hätten keine Hinweise auf eine zweite Explosion ergeben, so das Blatt.

Während das US-Militär bisher nur von drei zivilen Opfern spricht,  beklagen die Verwandten Ahmadis den Tod von 10 Familienmitgliedern: Ahmadi und drei seiner Kinder, Zamir (20), Faisal (16) und Farzad (10), Ahmadis Cousine Naser (30); drei von Romals Kindern, Arwin (7), Benyamin (6) und Hayat (2) und zwei 3-jährige Mädchen.

Nachbarn und ein afghanischer Gesundheitsbeamter bestätigten, dass Leichen von Kindern vom Ort des Geschehens entfernt wurden. Die Explosion habe die meisten Opfer zerfetzt; Fragmente menschlicher Überreste wurden am nächsten Tag von einem Reporter innerhalb und um das Gelände herum gesehen. Ahmadi wollte laut seinen Verwandten mit seiner Familie in die USA übersiedeln, habe demnach keinen Grund gehabt, sie anzugreifen.

„Alle waren unschuldig“, meint Ahmadis Bruder. „Sie sagen, er war beim IS, aber er arbeitete für die Amerikaner.“ (MS)