Das Impf-Regime (2)

Impfzwang (Bild: shutterstock.com/ Von LookerStudio)
Impfzwang (Bild: shutterstock.com/ Von LookerStudio)

Die herrschende Impfdoktrin basiert auf der Annahme, Corona sei nur zu „besiegen“, wenn man dem Immunsystem der Menschen künstlich „nachhilft“.

Von Martin Lichtmesz für Sezession

Wie im ersten Teil dieses Beitrags dargestellt, wurde sie im März/April 2020 entwickelt.  Zu diesem Zeitpunkt erschienen in der westlichen Presse etliche Artikel, die das Ansinnen entmutigten, Herdenimmunität auf „natürlichem“ Wege anzustreben. Eine solche Strategie würde zu viele Kranke und Todesopfer fordern, weshalb man auf das hoffentlich baldige Eintreffen von Impfstoffen setzen müsse.

Ein Beispiel wäre dieses Stück des einflußreichen Magazins Healthline (Teil eines milliardenschweren Medienkonzerns) vom 2. April 2020:

Wissenschaftler arbeiten derzeit an einem Impfstoff für SARS-CoV-2. Wenn wir einen Impfstoff haben, können wir in Zukunft vielleicht eine Herdenimmunität gegen dieses Virus entwickeln. Dies würde bedeuten, dass der SARS-CoV-2-Impfstoff in bestimmten Dosen verabreicht wird und dass der Großteil der Weltbevölkerung geimpft wird.

Fast alle gesunden Erwachsenen, Teenager und älteren Kinder müssten geimpft werden, um eine Herdenimmunität für Menschen zu schaffen, die nicht geimpft werden können oder zu krank sind, um auf natürlichem Wege immun zu werden.

Ähnliche Stücke erschienen zur selben Zeit in der New York Times („Eine Herdenimmunität lässt sich ohne Impfung weder schnell noch schmerzlos erreichen“), im Time Magazine, auf CNN, usw. usw. Es war mit anderen Worten eine konzertierte Narrativ-Setzung, die selbstverständlich auch in Deutschland nachgebetet wurde (z.B. hier und hier).

Während Bill Gates und andere bereits in universalistischen Menschheitskategorien dachten, standen die nationalen Gesundheitsbürokratien vor der Aufgabe, konkrete, überschaubare Bevölkerungen vor Corona zu schützen. Man berechnete die natürliche Infektionsquote, derer eine Bevölkerung bedarf, um Herdenimmunität zu erreichen und leitete daraus die anzustrebende künstliche Impfquote ab.

Die ebenfalls von Gates gesponserte „Impfallianz“ Gavi nannte bereits am 26. März 2020 einen Herdenimmunitäts-Schwellenwert von 60% der Bevölkerung:

Das neue Coronavirus hat eine niedrigere Infektionsrate als Masern. Jede infizierte Person gibt es im Durchschnitt an zwei oder drei neue Personen weiter. Dies bedeutet, dass die Herdenimmunität erreicht sein sollte, wenn etwa 60 % der Bevölkerung immun gegen COVID-19 sind.

Auch dieser Artikel lehnte Herdenimmunität durch „unkontrollierte Infektion“ („unchecked infection“) mit den bereits genannten Argumenten ab und warb für Impfstoffe. Er bot folgende Definition für Herdenimmunität an:

Herdenimmunität ist der indirekte Schutz vor einer ansteckenden Infektionskrankheit, der eintritt, wenn eine Population entweder durch eine Impfung oder eine durch frühere Infektionen entwickelte Immunität immun ist.

Diese Formulierung wurde am 9. Juni 2020 wortwörtlich von der WHO übernommen, allerdings ohne Angaben zum erstrebten Schwellenwert zu machen:

Der Schwellenwert für den Aufbau einer Herdenimmunität gegen COVID-19 ist noch nicht klar.

Anfang Mai 2020 beriefen sich einflußreiche amerikanische Medien wie die New York Times auf eine Studie der Universität Minnesota, die zu dem Schluß gekommen war, daß die Seuche erst dann ein Ende finden würde, wenn 60-70% der Weltbevölkerung immun seien, was mindestens zwei Jahre dauern würde. Die Forscher empfahlen dabei, sich auf „ein Worst-Case-Szenario vorzubereiten, bei dem kein Impfstoff verfügbar ist und keine Herdenimmunität besteht.“

Mit düsteren Prognosen dieser Art konnte der Suspense des Wartens auf einen Impfstoff immens gesteigert und seine rekordzeitschnelle Entwicklung später als wundersame titanische Leistung hingestellt werden.

Am 28. August 2020 nannte auch Soumya Swaminathan, die leitende Wissenschaftlerin der WHO, die Zahl 60-70%, und plädierte dafür, Herdenimmunität von nun an vorrangig als eine Funktion von Impfstoffen zu betrachten. Erneut bekräftigte sie die Doktrin, die sich im März 2020 herausgebildet hatte:

Wir glauben, daß mindestens 60 bis 70 % der Bevölkerung immun sein müssen, um die Übertragungskette effektiv zu unterbrechen. Wenn man dies auf natürliche Weise geschehen lässt, wird es natürlich lange dauern, aber was noch wichtiger ist, es wird eine Menge Kollateralschäden verursachen. Wenn auch nur 1 % der Infizierten stirbt, kann sich dies zu einer riesigen Zahl von Menschen summieren, wenn wir die ganze Weltbevölkerung in Betracht ziehen. Deshalb glauben wir, daß man lieber nicht versuchen sollte, Herdenimmunität zu erreichen, indem man die Infektion einfach in der Bevölkerung wuchern und viele Menschen infizieren läßt. Wir denken, daß wir über Herdenimmunität im Zusammenhang mit einem Impfstoff sprechen sollten.

Diese Gewichtungsverschiebung zugunsten der Impfstrategie spiegelte sich auch in einer Neufassung der WHO-Definition von Herdenimmunität wieder, die am 13. November 2020 die Fassung vom 9. Juni ablöste. Das Konzept einer „natürlichen“ Herdenimmunität wurde dabei völlig entsorgt. Nun stand auf derselben Seite unter der Frage „What is herd immunity?“ zu lesen:

„Herdenimmunität”, auch bekannt als “Populationsimmunität”, ist ein Konzept, das für Impfungen verwendet wird, die eine Bevölkerung vor einem bestimmten Virus schützen können, sobald ein Schwellenwert für die Impfung erreicht wird.

Herdenimmunität wird erreicht, indem man Menschen vor einem Virus schützt, nicht, indem man sie ihm aussetzt.

„Herdenimmunität“ liegt vor, wenn ein hoher Prozentsatz der Bevölkerung geimpft ist. Dadurch können sich Infektionskrankheiten nur schwer ausbreiten, weil es nicht viele Menschen gibt, die sich anstecken können.

‘Herd immunity’, also known as ‘population immunity’, is a concept used for vaccination, in which a population can be protected from a certain virus if a threshold of vaccination is reached.

Herd immunity is achieved by protecting people from a virus, not by exposing them to it.

‘Herd immunity’ exists when a high percentage of the population is vaccinated, making it difficult for infectious diseases to spread, because there are not many people who can be infected.

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