Inzidenz sinkt, der Druck steigt

Da geht noch was: Ärmel hoch zur dritten Impfung durch Private - das große Senioren-Experiment geht in die Verlängerung (Foto: Von Rido/Shutterstock)

Das Robert-Koch-Institut (RKI) hat am frühen Freitagmorgen vorläufig 9.727 so genannte Corona-Neuinfektionen gemeldet. Das waren 11,7 Prozent oder 1.295 „Fälle“ weniger als am Freitagmorgen vor einer Woche. Die Inzidenz sank laut RKI-Angaben von gestern 63,1 auf heute 62,5 neue Fälle je 100.000 Einwohner innerhalb der letzten sieben Tage.

Insgesamt geht das Institut laut der vorläufigen Zahlen derzeit von rund 144.900 eventuell positiv Getesteten, das sind etwa 14.400 weniger als vor einer Woche.

Es sieht also ganz gut aus, die vierte Welle scheint gebrochen zu sein, bevor die neue Grippesaison überhaupt beginnen kann.

Doch das Corona-Regime erhöht den Druck trotzdem. Zu viele bereits bestellte und bezahlte Impfdosen liegen noch unbenutzt herum und das Verfallsdatum rückt gnadenlos näher und näher.

Die Ständige Impfkommission (Stiko) hat jetzt noch einmal Auffrischungsimpfungen für Risikopatienten empfohlen. „Wir haben die Sichtung aller wissenschaftlichen Daten zur Frage der Auffrischungsimpfungen für bestimmte Risikogruppen abgeschlossen und als Kommission eine Empfehlung beschlossen“, sagte Stiko-Chef Thomas Mertens den Zeitungen der Funke-Mediengruppe (Freitagausgaben). „Die Stiko empfiehlt abgestuft Auffrischungsempfehlungen für Menschen mit Immundefekten oder Erkrankungen, bei denen das Immunsystem medikamentös reguliert wird, etwa bei Rheuma oder nach einer Transplantation.“

Eine generelle Empfehlung für Auffrischungsimpfungen nach Altersgruppen, etwa für die über 80-Jährigen, gebe die Stiko zum jetzigen Zeitpunkt noch nicht, so Mertens. Die Kommission prüfe allerdings derzeit schon, inwieweit die Studienlage eine generelle Impfempfehlung in bestimmten Altersgruppen begründe. Aktuell können Menschen über 80 Jahre und Menschen mit besonderem Risiko eine Auffrischungsimpfung bekommen.

Eine entsprechende Empfehlung lag dazu bislang nicht vor. Stiko-Mitglied Fred Zepp sagte dazu, die Kommission werde mit Unterstützung des Robert-Koch-Instituts prüfen, wie häufig und wie ausgeprägt Covid-19-Erkrankungen aktuell in höheren Altersgruppen auftreten. „Sollte sich herausstellen, dass es ab einem bestimmten Alter gehäuft zu Impfdurchbrüchen kommt, könnte es auch zu einer allgemeinen Impf-Empfehlung etwa ab 60, 70 oder 80 Jahren kommen“, sagte Zepp.

Und dann geht es weiter, bis man mit der dritten Impfung wieder bei den Kindern angelangt ist und eine vierte Impfung für Risikopatienten empfehlen muss, weil es immer noch zu viele Impfdosen gibt, die keiner haben will – einfach, weil sie überhaupt nicht richtig schützen.

Ein wahrlich perverser Kreislauf, bei dem es keinen Ausweg in die Freiheit gibt.

Der Bundesgeschäftsführer des Kinderschutzbunds, Daniel Grein, lehnt deshalb wohl auch die Diskussion um die Aufhebung aller Maßnahmen ab. „Die Debatte um das Fallenlassen aller Maßnahmen ignoriert völlig die Belange der Bevölkerungsgruppen, die sich nicht impfen lassen können, und das sind insbesondere alle Kinder unter 12 Jahren“, sagte er dem „Redaktionsnetzwerk Deutschland“ (Freitagausgaben). „Die Anliegen von Kindern fanden in der Pandemie ohnehin zu wenig Gehör.“

Die aktuelle Debatte reihe sich in diese Erfahrung ein. Grein vom Kinderschutzbund schätzt einen „Freedom Day“ als zu risikoreich ein. „Die Langzeitfolgen einer Covid-Erkrankung – gerade auch bei Kindern – sind noch nicht bekannt. Deshalb ist es zynisch, die Kinder jetzt diesem Risiko unkontrolliert aussetzen zu wollen“, sagte er dem RND. Kinder hätten in den letzten eineinhalb Jahren so sehr zurückstecken müssen, um andere Teile der Gesellschaft zu schützen, fügte Grein hinzu. „Kinder haben ein Recht auf Bildung, auf Freizeit und auf Gesundheit.“ Es werde Zeit, dass ihre Bedürfnisse und ihre Rechte stärker in den Fokus gerückt und nicht auf ihrem Rücken die vermeintlich wiedergewonnene Freiheit Erwachsener gefeiert würde.

Was für ein zynisches Gelaber. Vom „Freedom Day“ würden nämlich auch Kinder profitieren, deren Entwicklung seit 1 1/2 Jahren ausgebremst, wenn nicht nachhaltig zerstört wurde. Aber das interessiert den Kinderschutzbund nicht. Schließlich handelt auch dieser im Sinne der Bundesregierung und der Pharmaindustrie. (Mit Material von dts)