Werden Impfunwillige in den Krankenhäusern bald nicht mehr behandelt?

Foto: Pendler mit Corona-Masken (über dts Nachrichtenagentur)

Erinnert sich noch jemand daran? Bevor das große Kasperletheater losging, gab es fast zwei Jahre lang in den Medien eigentlich nur ein Thema: Corona. Und das war wie ein Wunder fast gänzlich verschwunden, weil es eben plötzlich etwas Wichtigeres gab: Die Wahl. Doch jetzt, wo alles nach Ampel aussieht und sich das Geplänkel in die Länge ziehen wird, rückt das Virus allmählich wieder in den Vordergrund. Schließlich hat ja auch die neue Grippesaison bekonnen.

Deshalb hier einige aktuelle Meldungen, die belegen, dass dieser Wahnsinn wohl nie aufhören wird – zumindest in Deutschland nicht.

Alleine die erste Meldung klingt verdammt nach Drohung bzw. Erpressung:

Krankenhausgesellschaft: Impfunwillige verhalten sich rücksichtslos

Der Chef der Krankenhausgesellschaft hat Impfunwilligen Rücksichtslosigkeit vorgeworfen. „Wir leben in einer freien und demokratischen Gesellschaft, in der es grundsätzlich auch für jeden ein individuelles Recht auf Krankheit gibt“, schreibt Gerald Gaß in einem Aufruf, über den die Zeitungen des „Redaktionsnetzwerks Deutschland“ (Donnerstagausgaben) berichten. „Dieses Recht auf Krankheit darf aber nicht zur Gefahr für andere werden.“

Jeder Patient erhalte die bestmögliche Versorgung, egal ob die Erkrankung selbstverschuldet sei und durch ein zumutbares Maß an Prävention oder Vorsicht hätte vermieden werden können, so Gaß. „Dennoch kann ich die Empörung vieler Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter gerade in den Intensivstationen nachvollziehen, die den ungeimpften Covid-Patienten rücksichtsloses Verhalten vorwerfen“, so der Verbandschef. „Jedes Intensivbett und jede Beatmungseinheit, die von einem ungeimpften Patienten in Anspruch genommen wird, steht in diesem Moment einem anderen schwerkranken Menschen nicht zur Verfügung“, argumentierte der Verbandschef.

Jede Pflegekraft und jede Ärztin, die sich um die hochaufwändigen Covid-Patienten kümmere, könne ihre Hilfe und Zuwendung nicht gleichzeitig anderen lebensbedrohlich kranken Patienten zukommen lassen. Gaß erinnerte daran, dass 90 Prozent der Covid-Patienten auf den Intensivstationen nicht geimpft seien. Nur bei den allerwenigsten gebe es medizinische Gründe, die eine Impfung ausschlössen, stellt er fest.

„Es ist ein wichtiger Akt der Solidarität und des gesellschaftlichen Zusammenhalts, durch die eigene Impfung die knappen und wertvollen personellen und medizintechnischen Ressourcen in unseren Krankenhäusern für die schwerkranken Patientinnen und Patienten zu schützen, die dringend darauf angewiesen sind“, mahnte der Chef des Klinikverbandes. „Nehmen Sie Ihre Rechte in unserer Gesellschaft und Demokratie so wahr, dass sie nicht zu einer Gefahr für andere werden“, appelliert er an die bisher Ungeimpften.

Was für ein Nonsens. Wer liegt denn zur Zeit auf den Intensivstationen? Wirklich alles Corona-Patienten? Oder doch zu 99 Prozent Menschen mit anderen Krankheiten, die sie vielleicht „ebenfalls selbst verschuldet“ haben?

Diese Spalter sind wirklich zur Zeit die Pest für unsere Gesellschaft. Hier wäre noch einer:

Lauterbach befürchtet Vernachlässigung der Pandemie-Bekämpfung

SPD-Gesundheitsexperte Karl Lauterbach hat davor gewarnt, in der aktuellen Phase der Regierungsbildung die Pandemie-Bekämpfung zu vernachlässigen. Stattdessen könne und müsse die Politik mehr tun, um bislang ungeimpfte Menschen von einer Impfungen zu überzeugen, sagte er den Zeitungen der Funke-Mediengruppe (Donnerstagausgaben). Er kritisierte: „Rund um die Bundestagswahl ist dieses wichtige gesundheitspolitische Thema in den Hintergrund gerückt.“

Das dürfe aber nicht so bleiben. „Wir müssen wieder mehr vorlegen“, forderte der SPD-Politiker. Mit Blick auf den Herbst geht Lauterbach davon aus, „dass wir demnächst wieder eine Zunahme der Infektionszahlen sehen werden“.

Es werde dann saisonbedingt wieder mehr Fälle geben. Denn bei kälterer Witterung breite sich das Coronavirus schneller aus. „Je nachdem, wann die Temperaturen sinken, wird sich auch der Erreger wieder vermehrt ausbreiten. Ich hoffe daher sehr, dass wir die Ungeimpften möglichst bald dazu bewegen können, sich noch zu impfen“, so Lauterbach. Zudem setzt er nach eigenen Worten darauf, „dass sich 2G im Herbst stärker durchsetzen wird“. Leider gebe es hier keine einheitliche Lösung für alle Bundesländer, sagte Lauterbach.

Das werde die Lage „in diesem Herbst erschweren“.

Vielleicht aber doch nicht, wenn nämlich Herr Lauterbach Bundesgesundheitsminister wird. Dann wird das Virus von ganz alleine aus der Republik fliehen.

Weitere Meldungen:

Ärzte sehen sich vorbereitet auf Schließung der Impfzentren

Bei der Schließung von Impfzentren in mehreren Bundesländern sehen sich Ärzteverbände bereit. „In der Anfangsphase der Corona-Impfungen ergaben die Impfzentren durchaus Sinn, allerdings waren die Kosten pro Impfung doch sehr hoch“, sagte der Chef des Deutschen Hausärzteverbandes, Ulrich Weigeldt, dem „Redaktionsnetzwerk Deutschland“ (Donnerstagsausgaben). „Für die ausstehenden Impfungen, zu denen wir dringend weitere Menschen ermuntern müssen, ebenso wie für die nun fälligen Auffrischungsimpfungen sehen wir uns in den Hausarztpraxen allerdings gut gerüstet.“

Auch die Kassenärztliche Bundesvereinigung begrüßt das Ende der Impfzentren. „Es gibt kaum jemanden, der so viel Erfahrung im Umgang mit Corona hat wie die niedergelassenen Kolleginnen und Kollegen“, sagte Vorstandsvorsitzender Andreas Gassen. „Die Praxen sind gut vorbereitet, auch vor dem Hintergrund, dass der Beratungsaufwand größer geworden ist.“

Für die Leistungsfähigkeit der Praxen spreche auch, dass sie zeitgleich nicht nur gegen Corona, sondern auch gegen die Grippe impfen könnten. „Die zugrunde liegende Empfehlung der Ständigen Impfkommission hat die Organisation für die Praxen deutlich einfacher gemacht.“ Die Patienten könnten sich darauf verlassen, „dass die Doppelimpfungen in ärztlicher Hand sicher sind“, machte der Mediziner gegenüber dem RND deutlich.

„Denn das Impfen ist eine ureigene ärztliche Aufgabe und sollte es im Sinne der Patientensicherheit auch bleiben.“ Gassen gab jedoch zu bedenken, dass für Auffrischungsimpfungen „neben organisatorischen und rechtlichen Rahmenbedingungen allerdings in erster Linie eine wissenschaftliche Empfehlung“ nötig sei. So empfehle die Stiko die Auffrischungsimpfungen bisher ausschließlich für Personen mit Immunschwäche.

Gesundheitsministerium gibt Krankenhäusern Schuld an Verzögerungen

Meldeverzögerungen bei der Corona-Hospitalisierungsrate entstehen laut Bund, weil einige Krankenhäuser sich nicht ausreichend an die entsprechende Meldeverordnung des Infektionsschutzgesetzes halten. Das geht aus einer Antwort des Gesundheitsministeriums auf eine Frage der FDP-Bundestagsfraktion hervor, über die die „Welt“ (Donnerstagausgabe) berichtet. Das Meldesystem funktioniert demnach offenbar nicht immer so wie angedacht.

Zwar gäben die Gesundheitsämter ihre Daten laut Bundesregierung „deutlich schneller, als es das Gesetz vorgibt“, weiter, sodass sie in den meisten Fällen innerhalb eines Tages beim RKI landeten. Allerdings hapert es offenbar hin und wieder in den Krankenhäusern, also beim ersten Schritt der Meldekette. „Die größten Meldeverzüge entstehen laut Erfahrungsberichten, die das RKI erreichen, dadurch, dass die Verordnung noch nicht in allen Krankenhäusern ausreichend umgesetzt wird“, heißt es in der Antwort des Ministeriums.

„Dadurch erfolgen Meldungen an das Gesundheitsamt nicht oder ggf. nur verzögert und die Gesundheitsämter müssen die Informationen teilweise selbst ermitteln.“ Der FDP-Gesundheitspolitiker Wieland Schinnenburg begrüßt grundsätzlich, dass statt der Sieben-Tage-Inzidenz nun vor allem die Hospitalisierungsrate als neuer wichtigster Indikator für pandemiebedingte Einschränkungen herangezogen werde. „Allerdings sind die erhobenen Daten hierzu vollkommen unzureichend“, sagte Schinnenburg der Zeitung.

„Offenbar bestehen erhebliche Meldelücken und Verzögerungen. Ich fordere Gesundheitsminister Spahn auf, hier schnellstmöglich für eine verlässliche Datenbasis zu sorgen, damit nicht wieder willkürliche Corona-Beschränkungen auf Grundlage einer unzureichenden Datenbasis erlassen werden.“