Ärmelkanal: Französische Polizei schießt mit Gummigeschossen auf Migranten

Foto:Von Edward Crawford/shutterstock

Angesichts der anhaltenden illegalen Bootsfahrten Richtung Großbritannien verliert die französische Polizei offenbar die Nerven: Sie beschossen das erste Mal die illegalen Einwanderer mit potenziell tödlichen Gummigeschossen, um sie daran zu hindern, mit ihrem Schlauchboot den Ärmelkanal zu überqueren. Es ist der erste Fall dieser Art.

Die Lage an den französischen Stränden eskaliert. Gendamerie- Nachtpatrouillen versuchen die Armada von Booten, die sich jede Nacht auf den Weg macht, zu kontrollieren. Jetzt wurde erstmals „scharf“ geschossen. Zwei iranische Kurden wurden getroffen. Der 24-jährige Juanro Rasuli soll mit einem gebrochenen Bein ins Zentralkrankenhaus von Dünkirchen eingeliefert worden sein. Der andere mutmaßlich illegale „Großbritannien-Fan“, trug eine Handverletzung davon, die ambulant behandelt wurde.

Die französischen Justizbehörden haben laut MailOnline gestern Abend eine Untersuchung des Vorfalls, der am 22. September stattgefunden haben soll, eingeleitet.

Der Schießerei am Strand soll eine laute Auseinandersetzung zwischen den iranischen Kurden, die das Boot zu Wasser lassen wollen, und der französischen Patrouille, die entschlossen war, sie zu stoppen, voraus gegangen sein. Großbritannien droht Frankreich mit dem Geld-Stopp, falls das Land die stetig wachsenden illegalen Bootsüberfahrten nicht verhindert. Die britische Innenministerin Priti Patel will 54 Millionen Pfund (rund 63 Millionen Euro) an Zahlungen von Großbritannien an die französische Regierung für Strandpatrouillen in Nordfrankreich zurückzuhalten, wenn Beamte den Strom von Migrantenbooten nicht reduzieren.

In diesem Jahr haben mehr als 17.000 Migranten verschiedenster Nationalitäten das Vereinigte Königreich über den Ärmelkanal erreicht.

Nach Angaben der MailOnline bestreiten die Angeschossenen, Menschenhändler zu sein oder diese zu unterstützen. Sie bestehen darauf, potenzielle Asylbewerber zu sein.

„Wir waren zu acht mit dem Boot in Strandnähe“, so ein weitere Beteiligter, der sich – Überraschung – Mohammed nennt. Man habe sich auf die Überfahrt von 40 Migranten vorbereitet. „Dann kamen drei oder vier Polizisten in einem Fahrzeug. Ein Polizist schoss aus nächster Nähe auf Juanjo Rasuli. Ich kann mich nicht erinnern, wie viel Gummigeschosse sie abgefeuert haben. Als die Polizei uns sah, riefen sie Halt, wir hielten an und sie schossen immer noch auf uns. Dann sind wir weggelaufen, so gut wir konnten“, so Mohammed.

Gummigeschosse, die im Inneren einen Metallkern haben, sind potenziell tödlich und können schwerste Verletzungen verursachen. Sie werden in Frankreich häufig und gerne zur „Aufstandsbekämpfung“ eingesetzt.

Die Kugeln gelten als so gefährlich, dass sie auf dem britischen Festland bis 2001 verboten waren. Sie wurden vom Verteidigungsministerium für Sicherheitsdienste zur Bekämpfung von Demonstranten in Nordirland erfunden und sollen während der Unruhen 17 Menschen getötet haben.

Der Gummigeschoss-Einsatz fand fünf Meilen von Grande Synthe entfernt statt, einem Vorort von Dünkirchen, wo Hunderte von Migranten in Wäldern leben und auf ein Boot nach Großbritannien warten. Französische Justizquellen betonen, daß die Strandpatrouillen eine solche Gewaltdemonstration nur dann anwenden, wenn sie „verhältnismäßig“ ist und die Beamten durch eine „ernsthaft feindselige Situation“ in Gefahr geraten. (MS)