Kinder- und Jugendärzte für Aufhebung der Maskenpflicht an Schulen – wenn ordentlich durchgestochen wird

Impfung Kleinkind (Bild: shutterstock.com/Von Africa Studio)
Impfung Kleinkind (Bild: shutterstock.com/Von Africa Studio)

BerlinWie krank diese Gesellschaft mittlerweile ist, kann man aus dieser Meldung durchaus herauslesen, wenn man will:

Kinder- und Jugendärzte befürworten das Vorhaben mehrerer Bundesländer, auf eine flächendeckende Maskenpflicht an Schulen zu verzichten. „Ich halte eine generelle Fortsetzung einer Maskenpflicht in Schulen für unangemessen“, sagte Präsident des Berufsverbands der Kinder- und Jugendärzte, Thomas Fischbach, den Zeitungen der Funke-Mediengruppe (Samstagausgaben). Er sehe etwa keinen Grund, warum Grundschüler im Unterricht grundsätzlich weiterhin Maske tragen sollten, zumal sie erheblich weniger zum Infektionsgeschehen beitrügen als Jugendliche und Erwachsene.

Die Entscheidung müsse sich jeweils an den Inzidenzwerten und am Lebensalter der Kinder ausrichten. Fischbach kritisierte, es könne nicht sein, dass den Jüngsten das Maskentragen „weiterhin von der Gesellschaft zugemutet wird, um auf diejenigen Rücksicht zu nehmen, die sich einer Impfung verweigern“. Die meisten Menschen ab zwölf Jahren hätten in Deutschland die Möglichkeit, sich impfen zu lassen.

„Wer das dann bewusst nicht tut, hat bekanntermaßen ein ernstes Erkrankungsrisiko und trägt dafür selbst die Verantwortung“, so Fischbach. Auszunehmen seien diejenigen, die aus medizinischen Gründen nicht geimpft werden könnten und eines besonderen Schutzes bedürften. Der Verbandspräsident hob hervor, in den meisten Fällen, in denen Kinder und Jugendliche wegen eines Corona-Falls in Quarantäne müssten, sei ein ungeimpfter Erwachsener der Auslöser – sei es in einer Bildungseinrichtung oder im familiären Umfeld.

„Der Impfdruck auf diese Personen müsste deutlich steigen, nicht der gesellschaftliche Druck auf Kinder“, sagte Fischbach, „daher bin ich für eine Impfpflicht für bestimmte Berufsgruppen und für ein Ende der Lohnfortzahlung für Ungeimpfte, die in Quarantäne müssen“. Andere Länder machten es vor. Der Kinder- und Jugendmediziner sagte, die Pandemiemaßnahmen hätten viele der Jüngeren in ihrer Entwicklung und Lebensqualität unverhältnismäßig stark beeinträchtigt, „manche der Kleineren sind sogar traumatisiert“.

Zugleich kämen sehr viele über 12-Jährige in die Praxen, um sich gegen Corona impfen zu lassen. „Sie wollen ihr Leben zurück. Die Gesellschaft muss ihnen das ermöglichen“, sagte Fischbach. Die Virologin Melanie Brinkmann vom Braunschweiger Helmholtz-Zentrum für Infektionsforschung hält die Abschaffung der Maskenpflicht an Schulen hingegen für verfrüht. „Wenn man etwas abschaffen möchte, dessen Nutzen wissenschaftlich erwiesen ist und das fast nichts kostet, kann man das machen. Die Frage ist nur, ob es klug ist“, sagte sie der „Rheinischen Post“ (Samstagausgabe). Bei der hohen Anzahl an Nicht-Geimpften, und hierzu zählten die Kinder, halte sie diese Entscheidung für verfrüht – „und ehrlich gesagt auch für ziemlich dumm“, kritisierte die Virologin. Sie ist Professorin an der Technischen Universität Braunschweig und Beiratsmitglied der Gesellschaft für Virologie.

Bald werden Neugeborene an der Nadel hängen, weil sie mit der Impfung überhaupt erst richtig leben dürfen. Was für ein Wahnsinn.

Aber auch für die Erwachsenen rückt die Freiheit nicht näher:

Ärztepräsident Klaus Reinhardt plädiert dafür, den Ausstieg aus allen Corona-Beschränken vom Erreichen bestimmter Zielwerte bei der Inzidenz oder der Impfquote abhängig zu machen. „Wir sollten das Ende aller Beschränkungen nicht an einem Datum festmachen, sondern an Fakten“, sagte er dem „Redaktionsnetzwerk Deutschland“ (Samstagausgaben). „Denkbar wäre zum Beispiel eine weitere Rückführung von Beschränkungen, wenn wir wieder die Inzidenz von 50 erreicht haben. Möglich wäre als Zielwert auch die Impfquote, zum Beispiel 70 Prozent“, so der Ärztepräsident. Reinhardt wandte sich damit gegen den Vorschlag von Kassenarzt-Chef Andreas Gassen für einen „Freedom Day“ Ende Oktober. Er sagte jedoch: „Ich finde es aber richtig, dass wir jetzt eine Debatte darüber führen, wann wir zur Normalität zurückkehren können. Wir dürfen uns als Gesellschaft nicht in einer Infektions-Angstneurose einrichten“, so der Ärztepräsident. Das heiße im Umkehrschluss nicht, „dass wir jetzt alles in Laissez-faire-Manier laufen lassen“, mahnte der Mediziner. „Grundsätzlich gilt: Es gibt kein risikofreies Leben und keine risikofreie Gesellschaft. Es kommt auf die richtige Balance zwischen Risiko und Freiheit an“, so Reinhardt.

Ist das nicht großartig, dass man jetzt sogar – nach fast zwei Jahren – anfängt, darüber zu debattieren, wann die Bürger wieder frei atmen können? Die Angstneurose wurde schon längst erfolgreich und nachhaltig in der Bevölkerung eingepflanzt. Da gibt es kein Entrinnen mehr. (Mit Material von dts)