Corona-Impfungen: Neuer Tiefpunkt ist erreicht

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Immer weniger Menschen sind bereit, sich den staatlich propagierten „piks“ abzuholen. Am Sonntag wurden laut Robert-Koch-Institut weniger als 5000 Erstimpfungen gemeldet. Die Kluft zwischen den folgsamen Wessis und den renitenten Ossis vergrößert sich weiter.

An der Impffront macht sich Verzweiflung breit: Weder Bratwurst noch G-Regeln leeren die Regale mit den Impfvorräten. 4815 Erstimpfungen vermeldet das RKI, das sei der „mit Abstand schlechteste Wert seit Beginn der Impfkampagne am 27. Dezember vergangenen Jahres“, so die Welt und spricht gar von einem Scheitern im Europa-Vergleich.

Bisher lagen die Erstimpfungen jeden Tag im fünfstelligen Bereich, Mitte Mai sei sogar die Millionen-Grenze gerissen worden, jammert das Blatt der Vergangenheit hinterher und weist auf die unsichtbare „Mauer“ hin, die das Land durchzieht. Sachsen-Anhalt, Brandenburg, Thüringen und Sachsen bilden die Schlusslichter im deutschlandweiten Impfwettbewerb. Besonders in Thüringen ist man mittlerweile mit anderen Dingen beschäftigt, als mit Impfen und Corona: Dort stieg der Anteil der Erstgeimpften in vier Wochen nur um 1,9 Prozent.

Die „Aktionswoche“, inszeniert von Bundesgesundheitsminister Spahn, beeindruckte die Ungeimpften – wie erwartet – wenig. Noch mehr Aufklärung und Impfen beim Döner-Mann kamen nicht an. Wer jetzt noch nicht geimpft ist, der will nicht. Diese Erkenntnis scheint langsam in Berlin durchzusickern. Und so verhärten sich die Fronten weiter. Die einen fordern mehr Sanktionen, die andere setzen auf Belohnungen, was teuer werden könnte, da immer neue Auffrischungsimpfungen drohen. Das Konzept Bestrafung und Diskriminierung bringt nur eines hervor – Trotz und noch mehr Widerstand.

Das beweist die neueste Ecos-Befragung, die das Hamburg Center for Health Economics (HCHE) der Universität Hamburg regelmäßig durchführt. So würden 2G-Regeln oder kostenpflichtige Tests Trotzreaktionen auslösen. 30 Prozent der noch Ungeimpften geben an, dass sie sich bei solchen Maßnahmen erst recht nicht impfen lassen würden.

Im Westeuropa-Vergleich befindet sich Deutschland seit Ende Juli laut dem Statistikportal Ourworldindata weit hinten im Ranking. Nur Luxemburg und Österreich schneiden noch schlechter ab. In Italien hat die Impfquote 75 Prozent erreicht, in Spanien 81 Prozent und in Portugal 88 Prozent. (MS)