Kein Bundesverdienstkreuz für Musiker und Intendanten: Sie hatten Kontakt zu „Querdenken“

Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier (Foto:Shutterstock)

Der Musiker und Theatermacher Tobias Morgenstern sollte eigentlich das Bundesverdienstkreuz bekommen. Eigentlich. Weil er aber von Beginn an in der COVID-19-Pandemie kritisch geäußert hat, bekommt das Blech am Bande nun nur sein Corona-devoter Kollege, Thomas Rühmann. Strafe für eigenständiges Denken muss sein!

Tobias Morgenstern ist Akkordeonist, Komponist und Mitbegründer des Theaters am Rand und gehört – wie sein Kollege Thomas Rühmann – zu den Machern des Zollbrücker Theaters. Beide Ausnahmekünstler waren für das Bundesverdienstkreuz vorgesehen. Dieses wurde am Freitag durch Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier Mitbürgern um den Hals gehängt, die sich „während der Corona-Pandemie in besonderer Weise um Kunst und Kultur verdient gemacht hatten“.

Während Rühmann die Auszeichnung später noch erhalten soll, wurde die Ehrung für Morgenstern vom Bundespräsidialamt komplett abgesagt.

Hintergrund: Morgenstern hatte sich geäußert. Kritisch geäußert. Und zwar zu den heiligen Corona-Maßnahmen. Laut dem rbb heißt es mit Verweis auf das Präsidialamt: „Kritik an staatlichen Corona-Maßnahmen ist Teil unserer täglichen Debatten und ohne Zweifel zulässig. Sie steht einer Ordenswürdigkeit nicht entgegen“, teilte die stellvertretende Sprecherin des Bundespräsidenten, Esther Uleer, auf rbb-Anfrage mit.

„Wer jedoch seine Zugehörigkeit zu einer Bewegung erklärt, die vom Verfassungsschutz beobachtet wird und Postings von Antisemiten verbreitet, kann nicht mit dem höchsten deutschen Orden ausgezeichnet werden“, betonte sie weiter und verwies unter anderem auf Morgensterns Webseite [thomasmorgenstern.de].

Hier hat der Künstler das Verbrechen begangen und in einer „Persönlichen Erklärung“ mitgeteilt, dass das höchste Gut Freiheit sei. „Ich schließe mich den neuen ‚Querdenkern‘ sowie den kritischen Ärzten, Wissenschaftlern, PolitikerInnen des Landes an“, heißt es darin.

Auch auf Morgensterns Facebookauftritt finden sich „unbequeme“ Postings:

Morgenstern kommentierte die Entscheidung gegenüber der dpa, dass er die Absage mehr als gelassen hinnehme. Zugleich sagte der Musiker und Intendant laut der Agentur: „Wir als Gesellschaft haben wahrscheinlich ein Problem im Moment, unterschiedliche, vor allem kritische Auffassungen zum Zeitgeschehen gelten zu lassen.“

Die Geschäftsführerin vom „Theater am Rand“ Almut Undisz stellte sich hinter Morgenstern: „Wir nehmen das schon als Schlag gegen das ganze Theater wahr.“ Morgenstern sei „schon immer aufgefallen durch ein sehr kritisches Denken, aber das hat uns auch Dinge beschert, die ich persönlich sehr zu schätzen weiß.“

Morgensterns Kollege, der Corona-Maßnahmenbefürworter Thomas Rühmann, unter anderem aus der ARD-Serie „In aller Freundschaft“ bekannte Darsteller überreicht. Er erschien zwar am Freitag zur Blechübergabe ebenfalls nicht, dankte aber Steinmeier für die Auszeichnung als „Belohnung für so viele Jahre Kreativität, Durchhaltevermögen und enorme Selbstausbeutung“. In einem Schreiben bittet er Steinmeier es sich noch einmal zu überlegen und „genauer hinzuschauen“. Eine Pauschalverurteilung sei „ungerecht und nicht hilfreich“. Rühmann betont: „Ich finde, es geht um Versöhnung und nicht um weitere Spaltung.“

Bundespräsident Steinmeier wolle sich im November zu einem Gespräch mit Rühmann und Morgenstern treffen, berichten Medien weiter. Die MOZ hält es offensichtlich für wichtig, hetzerisch nachzufragen: „Warum waren Morgensterns Facebook-Aktivitäten nicht früher im Blick?“ (SB)