Magdeburger Uni-Klinik: Mitarbeiterin soll für Linksradikale „Nazi-Daten“ erschnüffelt haben

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Eine mittlerweile entlassene Mitarbeiterin der Uni- Klinik Magdeburg soll in mehr als 300 Fällen rechtswidrig Daten des Melderegisters abgefragt und an die linksextreme Szene weitergegeben haben. Es folgten nicht nur Angriffe auf die ausgespähten vermeintlichen Rechtsradikalen, die Spur führt im Fall einer verprügelten Maklerin zu der gewaltbereiten Linksextremistin Lina E. , die im Moment vor Gericht steht.

339 Fällen rechtswidrig Personendaten hatte die fleißige Klinik-Mitarbeiterin über die Sächsische Anstalt für kommunale Datenverarbeitung für ihre linksradikalen Freunde gesammelt. In mehreren Fällen könnte es später zu Angriffen auf betroffene Personen gekommen sein, berichtet die Welt. Zu ihnen soll auch der Angriff auf eine Leipziger Maklerin gehören. Sie war im November 2019 in ihrer Wohnung zusammengeschlagen und verletzt worden. Die zwei vermummten – mutmaßlich der linken Szene zugehörigen Täter – hatten sich mit den Worten „Schöne Grüße aus Connewitz“ verabschiedet. Nur wenige Wochen zuvor soll die verdächtige Klinikmitarbeiterin die Meldeadresse der Maklerin abgefragt haben.

Die Generalstaatsanwaltschaft Dresden erklärte, dass das Verfahren im Zusammenhang mit dem Angriff nun „gegen Bekannt“ geführt werde. Die Fäden führen auch zu der 26-jährige Studentin Lina E., die sich derzeit vor dem Oberlandesgericht Dresden wegen der mutmaßlichen Bildung einer linksextremen kriminellen Vereinigung und mehreren tätlichen Angriffen verantworten muss. In der Wohnung von Lina E. wurde bei einer Durchsuchung ein USB-Stick sichergestellt. Auf ihm befand sich unter dem Namen “sebtember.rtf” eine Datei mit Textpassagen eines auf linksradikalen Szeneportalen veröffentlichten Selbstbezichtungsschreibens zum Angriff auf die Maklerin, das zuletzt vor dem Datum des Angriffs editiert worden war, so die Welt.

Erkan Zunbül, Verteider von Lina E., will davon nichts wissen: Er  glaubt nicht an einen „erkennbaren Zusammenhang zwischen unserer Mandantin und dieser Tat“ und sieht „weder einen Verdachtsgrad noch einen Anlass für strafrechtliche Ermittlungen“.

Insgesamt überprüfte das LKA Sachsen 419 Datenabfragen durch die mittlerweile entlassene Magdeburger Klinik-Angestellte aus den vergangenen Jahren. 300 mutmaßlich Geschädigte wurden vom LKA Sachsen und dem LKA Sachsen-Anhalt kontaktiert. Mehrere von ihnen berichteten von einem „schädigenden Ereignis“, das mutmaßlich nach der Datenabfrage stattfand, also von potenziellen Angriffen.

Gleich zwei Staatsanwaltschaften ermitteln nun gegen die Ex-Klinikmitarbeiterin. Die Generalstaatsanwaltschaft Naumburg habe der Welt Ermittlungen gegen die Frau wegen des Verdachts der Begehung von Ordnungswidrigkeiten und Straftaten nach datenschutzrechtlichen Bestimmungen bestätigt. Die Generalstaatsanwaltschaft Dresden ermittle in einem weiteren Verfahren gegen die ehemalige Klinik-Mitarbeiterin wegen des Verdachts der Beihilfe zur gefährlichen Körperverletzung. (MS)