Erdingers Absacker: Das russische Weltklima und die lauwarmen Abgebrühtheiten im Westen

Erdingers Absacker; Bild: Collage
Erdingers Absacker; Bild: Collage

+++ Unerhörtes passiert in Rußland. Dort bastelt man sich sein eigenes Weltklima. Professor Oleg Sorokhtin vom Shirshov-Institut für Ozeanologie der Russischen Akademie der Wissenschaften präsentierte eine physikalische Theorie des Erdklimas, vermittels welcher er den Einfluss verschiedener Faktoren auf das Klima einzeln quantifizieren und ihre kumulative Wirkung bestimmen kann. Demnach spielen „Treibhausgase“ keine Rolle. Die gemeine Sonne sei es, die in Abhängigkeit von der Entfernung und der Neigung der Erdachse über das Klima auf Greta Thunbergs Wandelerde bestimmt. Ein inexistenter Experte für zivilreligiöse Glaubensinbrunst & Suizidalität rechnet mit einem globalen Anstieg der Suizidzahlen unter den Klimakatastrophisten, der den Höchstpegelstand der Ahr noch weit übertreffen wird. Auch hält er es für wahrscheinlich, daß einzelne Grüne ihre Autoaggression nach außen richten- und um sich beißen könnten, weshalb er eine Maulkorbpflicht für Grüne anregt. Man müsse die Menschen schützen. +++

+++ Der Noch-Bundessprecher der AfD, Prof. Jörg Meuthen, hat sich bei t-online zu einem Interview hinreißen lassen, das fast schon tragikomische Züge hat. Für das Amt des Bundessprechers wolle er nicht mehr kandidieren, weil es undemokratisch sei, an seinem Stuhl zu kleben. Würde er jedoch kandidieren, würde er todsicher auch gewählt werden, so Meuthen. Daß die AfD bei der Bundestagswahl im Westen der Republik nicht besser abgeschnitten hat, sei eindeutig Leuten wie dem Thüringer Landesvorsitzenden Björn Höcke geschuldet. Der aufmerksame Leser interpretiert das so, als habe Meuthen sagen wollen, die Thüringer seien eben Demokratiekrüppel und hinkten mit ihrem Handicap jenen Westbürgern hinterher, die Meuthen in vielen Gesprächen erzählt haben wollen, daß sie die AfD wählen würden, wenn Höcke nicht in der Partei wäre. Seine Stimme werde auch künftig Gewicht haben in der AfD, so Meuthen. Bundessprecher müsse er dazu nicht sein. Wer beim Schach immer nur angreift, der verliere das Spiel. Ein inexistenter Tauben-Experte fühlte sich angesichts des Interviews an jene Taube erinnert, die beim Schachspiel sehr früh die Dame verloren hatte, daraufhin alle Figuren umwarf, auf das Schachbrett defäkierte und hernach behauptete, sie habe das Spiel gewonnen. +++

+++ Deutsche sind weltberühmt für ihre Abgebrühtheit. Weder der Entzug ihrer Grundrechte noch explodierende Energiepreise und eine rasante Inflation können ihren stoischen Gleichmut stören. Es müsste schon etwas außergewöhnlich Schlimmes passieren, um sie in Rage zu versetzen. Montagabend war es so weit. Sportmoderator Steffen Freund hatte während des Qualifikationsspiels einer gewissen Mannschaft gegen Nordmazedonien die Zeitlupenwiederholung von der Verletzung eines Spielers mit den Worten kommentiert, die Frauen sollten bitte wegschauen bei dieser Zeitlupe. In den sozialen Medien brach daraufhin ein Shitstorm über den armen Freund herein, gegen den die Montagsdemonstrationen von anno dunnemals ein Kindergeburtstag gewesen sind. „Spiegel-Online“ und „Bild“ schwangen sich gar zu Revolutionsführern auf. „RTL-Experte sorgt mit sexistischem Spruch für Shitstorm„, hieß es. „Diesen Spruch hätte er sich sparen können„, tönte es in den sozialen Netzwerken. Unerträglicher Sexismus sei mit im Spiel, so das Gezeter. „Müssen solche Machosprüche immer sein?„, fragte eine Zuschauerin empört. Ein inexistenter Pazifismusexperte erklärte daraufhin, die Empörung habe gezeigt, daß, wer keinen Krieg mit der deutschen Bundeswehr riskieren wolle, den er todsicher verlieren würde, sich genau überlegen solle, ob er sich zu der Äußerung hinreißen lassen will, deutsche Frauen sollten einfach den Mund halten und aufmerksam zuhören, wenn der Sportreporter etwas Wichtiges mitzuteilen hat. +++

+++ Nicht näher überprüft wurde die glaubhafte Behauptung, der Vulkan Cumbre Vieja auf La Palma blase allerweil so viel C02 in die liebe Erdatmosphäre, wie Deutschland in den kommenden 100 Jahren einzusparen gedenkt. Sicher scheint lediglich zu sein, daß es enorm viel Schwefeldioxid ist. Ein inexistenter Experte für politische Beratungen erklärte jedenfalls, die Grünen sollten darauf dringen, daß Vulkane mit Partikelfiltern zu versehen – und außerdem mit grünen Plaketten auf allen vier Bergseiten zu bekleben sind. Die Klimaziele von Paris seien unbedingt mit Vulkanismuszielen zu kombinieren. +++

+++ Die amerikanische Fluglinie Southwest Airlines steht vor dem Aus. Der Grund: Piloten und Angestellte legen derzeit mit Protesten gegen die neu eingeführte Impfpflicht den kompletten Flugbetrieb lahm. Ein inexistenter Zielscheiben-Experte erklärte, bei Schnellschüssen werde gern vergessen, daß sie auch nach hinten losgehen können. Ein inexistenter Fluggast-Experte fügte an, daß Southwest Airlines ohnehin die Kundschaft ausgegangen wäre, weil freiwillig niemand öfter als einmal in einen der uralten Southwest-Klapper-Clipper einsteigt. +++

+++ Die „BILD“-Zeitung meldete die Verhaftung einer der beiden Meinungsforscherinnen, die in die Korruptionsaffäre um den österreichischen Ex-Kanzler Sebastian Kurz verwickelt sein sollen. Nicht bekannt wurde, um welche der beiden in Frage kommenden Damen es sich handelt. Begründet wurde die Verhaftung mit Verdunkelungsgefahr. Die Meinungsforscherin soll kurz vor der Durchsuchung ihrer Räumlichkeiten am 6. Oktober die Festplatte ihres Computers gelöscht haben. Mit Verweis auf das schreckliche Schicksal von Steffen Freund wegen seines lockeren Spruches bei einem Fußballspiel rät ein inexistenter Frauenexperte dringend davon ab, die Verhaftung der Meinungsforscherin von einem Sportreporter kommentieren zu lassen. +++

+++ Der Verhaltensökonom Marcus Schreiber wortwörtlich in einem Interview für die Gates-Postille „Der Spiegel“: „Wenn wir über die positiven Anreize nicht weiterkommen, bin ich sehr wohl dafür, massiv zwischen Geimpften und Nichtgeimpften zu diskriminieren.“ Schreiber forderte zudem eine Triage-Regelung zum Nachteil von Ungeimpften. Ein inexistenter Experte für Ökonomisches aller Art erklärte daraufhin, Verhaltensökonomie erfordere ein Mindestmaß an Weitsicht, und daß Schreiber ein solches schmerzlich vermissen lasse. Ein guter Verhaltensökonom wisse genau, mit welchem Verhalten langfristig zu rechnen sei, wenn die äußeren Umstände wegfallen, unter deren Schutz er im Augenblick noch gewisse Äußerungen vom verhaltensökonomischen Stapel lassen könne. +++