Erdingers Absacker: Die kleine Julia und andere Geschichten

Erdingers Absacker; Bild: Collage
Erdingers Absacker; Bild: Collage

+++ Es gibt Geschichten, bei denen einem das Herz vor Freude schier im Leib zerspringt. Zwei Tage und zwei kalte Nächte lang war die kleine Julia (8) verschwunden gewesen, ehe sie mitten im Böhmerwald auf tschechischem Gebiet von einem Förster gefunden wurde. 1.400 Einsatzkräfte hatten grenzüberschreitend nach ihr gesucht, nachdem sie seit Sonntagnachmittag verschwunden gewesen war. Hurra! Julia lebt! Ein wenig unterkühlt sei sie nur gewesen, hieß es überall in der Presse – und: Die besorgten Eltern seien überglücklich. Ein inexistenter Skepsis-Experte stellte daraufhin eine Frage, die sich sonst noch niemand gestellt zu haben schien: Wie kann es sein, daß eine Familie aus dem Berliner Umland zusammen durch den Böhmerwald wandert – und daß ein achtjähriges Kind dabei dermaßen gründlich verloren geht, daß es zwei Tage lang nicht mehr gefunden werden kann? Müßte Eltern, die jetzt „überglücklich“ sind, nicht spätestens nach fünf Minuten, in denen sie ihre achtjährige Tochter nicht mehr gesehen hatten, etwas aufgefallen sein? +++

+++ Es scheint ein allmähliches Erwachen im „Kult“ zu geben. Als einen solchen hatte Gunnar Kaiser zu Jahresbeginn jene „Gewißheiten“ bezeichnet, an die das Volk weithin glaubt. Die These kurz und knackig auf den Punkt gebracht: Die Vorstellung von der eigenen Aufgeklärtheit entpuppt sich als Illusion. Der Atheist glaubt nicht an nichts, sondern er glaubt an etwas anderes. Nach Gott und Marx, beide vermeintlich „überwunden“, nennt sich der neue Gott „die Wissenschaft“. Das große Zukunftsthema wird sein: Überwindung der „konstruierten Realitäten“, Aufstand gegen die Macht der „Narrative“. Mit erheblicher Gegenwehr wird zu rechnen sein. Ein inexistenter Narrativ-Experte behauptete gar, bspw. die gesamte Existenz der Grünen hänge an Realitätskonstruktionen und Narrativen. Keines ihrer Themen habe tatsächliche Relevanz in der einen Realität. +++

+++ In den ARD-Tagesthemen gab es einen Kommentar von Detlef Flintz zum „Preisschock“ und der Knappheit bei Rohstoffen. Der Mann vom WDR begrüßt das alles. Wegen des Weltklimas, der Umwelt und weiß-der-Geier weswegen noch. Zentraler Satz: „Mehr Windräder und Solarenergie? So lange können wir nicht warten und sollten froh sein, daß wir gezwungen werden, Konsum und Produktion zu ändern.“ – Zentrale Stelle im zentralen Satz: „Wir sollten froh sein, daß wir gezwungen werden“. Proteste gab es wegen des „wir“ in Flintz´ Kommentar. Mit einem wie Flintz wolle man auf gar keinen Fall in einen Topf geworfen werden und verbitte sich deshalb sein „Wir“. Flintz sei einfach ein totalitäres, arrogantes Subjekt, ein zivilreligiöser Mullah, direkt einem dystopischen Roman entsprungen, ein absoluter Antidemokrat, der eigentlich mit einem Tritt in den Hintern gefeuert werden müsste. Ein inexistenter Experte für Verbalinjurien jedweder Intensität gab zu bedenken, daß es für jemanden wie Flintz keine zutreffenden Bezeichnungen gibt, die nicht allesamt justiziabel wären – und daß das für sich genommen schon einen wahrheitsfeindlichen Übelstand darstelle. +++

+++ Noch-Außenminister Heiko Maas (SPD) wird der neuen Regierung nicht mehr als Minister angehören. Im SPD-Jubel mache sich der unsichtbare Minister klammheimlich aus dem Staub, titelte FOCUS-Online. Da Maas aber den Wahlkreis Saarlouis gewonnen habe, werde er in Zukunft wohl als SPD-Hinterbänkler im Bundestag sitzen. Ein inexistenter Sitzplatz-Experte erklärte, Heiko Maas sei das vermutlich egal. Dem sei es schon immer nur darauf angekommen, daß er ordentlich bezahlt wird, egal, ob er dafür etwas leisten oder fehlleisten mußte. Ein Lauterbach als Gesundheitsminister toppe einen Maas als Außenminister auf jeden Fall mit Leichtigkeit. +++

+++ VW-Chef Herbert Diess rechnet wegen der Produktionsumstellung auf Elektrofahrzeuge mit großen Verwerfungen. Solches habe er bereits Ende September seinem Aufsichtsrat mitgeteilt. Es geht um 30.000 Arbeitsplätze, die bei VW wegfallen könnten. Ein inexistenter Realismus-Experte rechnet jedoch damit, daß es bei 30.000 Arbeitsplätzen nicht bleiben wird, weil die Elektromobilität per se eine Sackgasse unter jedem denkbaren Aspekt darstelle. +++

+++ Monika Hohlmeier, Tochter des legendären Franz-Josef Strauß, postete auf Facebook ein Foto aus Warschau. Zu sehen waren tausende von Demonstranten, die angeblich dagegen protestierten, daß die polnische Regierung einen Weg hin zu einem „Polexit“ aus der EU eingeschlagen habe. Das polnische Verfassungsgericht hatte geurteilt, daß nationales Recht in Polen über EU-Recht steht, woraufhin wütende Reaktionen aus Brüssel erfolgten. Hohlmeier: „Der Beitritt zur Europäischen Union war ein Traum für Generationen von Polen.“ Ein inexistenter Traum-Experte kommentierte das wie folgt: Träume sind Schäume und nicht selten werden aus Träumen auch Albträume. Die EU sei ein solcher geworden – und ein schöner Traum wäre, wenn sie an ihrer eigenen Machtgier und ihrer Herrschsucht zerbrechen würde. Polen sei auf einem nicht nur für die eigenen Landsleute vielversprechenden Weg. +++

+++ E-Mobilität die Zweite: Nach dem nächtlichen Großbrand in einem Stuttgarter Busdepot, ausgelöst von einem Elektrobus, der gerade geladen wurde, haben München und etliche andere Städte ihre E-Busse aus dem Verkehr gezogen. Die Deutsche Post will ihren Bestand an E-Scootern verkaufen und in Australien werden allerweil Ladesäulen für E-Autos im Outback installiert. Weil es dort keine zuverlässigen Stromlieferungen über das „Grid“ gibt, werden die Ladesäulen durch Dieselgeneratoren mit Strom versorgt. Als erfreulich gilt, daß der Dieselverbrauch für die Stromerzeugung pro zu fahrendem Elektrokilometer nur ein klein wenig über dem liegt, was die Elektroautos verbraucht hätten, wenn sie Dieselmotoren – und das Diesel im Tank gehabt hätten. Ein inexistenter Kontinents-Experte erklärte dazu, Australien sei im späten 18. Jahrhundert nicht umsonst mit solchen Kriminellen als Sträflingskolonie besiedelt worden, die auf ihrem alten Kontinent zu dämlich gewesen waren, sich von der Justiz nicht auf die Schliche kommen zu lassen. +++

+++ EU-Vizepräsidentin Katarina Barley, SPD, (monatliches Gehalt: 22.122,10 Euro, ohne Zulagen, Spesen, sonstige Vergütungen und Nebeneinkünfte) brillierte vorgestern mit Sparvorschlägen angesichts der rasant steigenden Energiepreise: „Die Kilowattstunde, die ich nicht verbrauche, ist am billigsten„. Der Kanzler in spe, Olaf Scholz, SPD, verblüffte erst kürzlich mit der Aussage, er habe keine Ahnung, was der Liter Sprit kostet, da er seinen Dienstwagen nicht selber tanke. Auch Saskia Esken, Co-Parteivorsitzende der Spezialdemokratischen Partei, nach eigenen Angaben Bezieherin von monatlichen Einkünften knapp unter 50.000 Euro (davon 22.000 für ihre Bürobediensteten), hatte erst kürzlich einem Rentner den „Tip“ gegeben, er solle zur Minderung des CO2-Preises am besten „in Wärmedämmung und klimafreundliche Heizung investieren„, für so etwas gäbe es schließlich, neben Förderungen, „günstige Kredite„. Auf den Hinweis des ehemaligen Maurers, er habe monatlich nur 1.500 Euro zum Leben, entgegnete Großverdienerin Esken zynisch: „Das müsste auch weiterhin zum Leben reichen.„ Ein inexistenter Experte der Stiftung Warentest hat inzwischen erklärt, die Hochdruckreiniger der Firma Kärcher seien heute derartig leistungsstark, daß sich damit sogar Polit- und Parteibüros sowie Parlamente jedweder Größe reinigen lassen. +++