Erdingers Absacker: Unseren täglichen Nazi gib uns heute

Erdingers Absacker; Bild: Collage
Erdingers Absacker; Bild: Collage

+++ „Das RKI stellt fest, dass mehr Menschen geimpft sind, als es bisher angab. Das ist kein Skandal, sondern das Ergebnis eines Meldesystems mit politischen Kompromissen.„, hieß es in der „Zeit“, dem Fachblatt für strunzdumme Relativierungen aller Art. Ein inexistenter Auspuff-Experte kommentierte lakonisch: Daß Diesel-PKW von Audi mehr Schadstoff ausstießen, als Audi vorher angegeben hatte, sei gar kein Skandal gewesen, obwohl die Presse unablässig von einem „Dieselskandal“ geschrieben hatte. In Wahrheit habe es sich beim sogenannten „Dieselskandal“ um einen technischen Kompromiss im politischen System gehandelt. +++

+++ „Wer raus aufs Land will, braucht kein eigenes Auto.„, meint Frau Frederike Gräff in der „taz“, dem Fachblatt für Brauchtum & Notwendigkeit. Im Rahmen eines Selbstversuches habe sie das herausgefunden. Mit öffentlichen Verkehrsmitteln dauere die Fahrt nur ein wenig länger. Ein inexistenter Landfahrt-Experte kommentierte das wie folgt: Ob jemand sein Auto braucht, um „raus aufs Land“ zu fahren, hängt davon ab, ob er Frederike Gräff heißt oder nicht. Die naseweise „tazlerin“ hätte sich ihren Selbstversuch sparen können. Außerdem entschieden in Deutschland noch immer die Bürger selbst, wann sie ihr eigenes Auto brauchen. Daß man öffentliche Verkehrsmittel auch dazu benutzen kann, vom Land wieder „rein in die Stadt“ zu fahren, sei angesichts der Existenz von Frau Frederike Gräff noch das Beste am ganzen öffentlichen Regionalverkehr. Kein passionierter Provinzler brauche naseweise Frauen aus der Stadt, die eine einfache Fahrt mit dem Linienbus in einen „Selbstversuch“ umdefinieren, und nur, um als nächstes dumm auf dem Land herumzustehen, weil sie das Auto, welches sie bräuchten, um sich dort in einem akzeptablen Zeitrahmen fortzubewegen, wegen eines überflüssigen „Selbstversuchs“ nicht dabeihaben. Obwohl es regnet. Zuletzt würden solche naseweisen und nassen Frauen aus der Stadt noch versuchen, per Anhalter von Vordertupfing auf den Einödhof bei Hintertupfing weiterzukommen, was insofern schädlich für die Landbevölkerung werden könne, als daß der Barmherzige in der Gefahr schwebt, sich während der Fahrt von einer nassen und geschwätzigen Frau aus der Stadt das Ohr abkauen lassen zu müssen, während der schöne Beifahrersitz feucht wird. +++

+++ „Niemand weiß genau, wie viele Menschen in Deutschland gegen Corona geimpft sind. Auf jeden Fall zu wenige.„, weiß Herr Christian Endt in der „Zeit“, dem Fachblatt für ungefähre Gewißheiten.  Ein inexistenter Experte für 13er-Abschätzungen aller Art erklärte dazu, niemand wisse genau, wieviel 4 x 5 sei. Auf jeden Fall käme zu wenig dabei heraus, um durch die Addition von 7 auf 13 zu kommen – und mit der Subtraktion habe es aus Schlampigkeitsgründen noch nie jemand probiert. +++

+++ „Aufregung bei Twitter! Diesmal wegen Tweets, die eine junge Grünenpolitikerin als 14-Jährige geschrieben hat. Der Fall zeigt: Ohne Kontext funktionieren Debatten nicht„, mokiert sich eine scheinheilige Frau Judith Liere in der „Zeit“. In den fraglichen Tweets hatte die frisch gewählte Bundessprecherin der Grünen Jugend, Frau Sarah-Lee Heinrich (20), von Gewaltphantasien durchtränkte Rassismen gegen weiße „die Menschen“ von sich gegeben, derentwegen sogar ein Herr Malcolm X rote Ohren bekommen hätte, obwohl seine Nasenlöcher damals noch größer gewesen seien, als die von Frau Sarah-Lee Heinrich heute. Ein inexistenter Experte für Überblick merkte an: Ohne Aufrichtigkeit funktionieren Debatten nicht. Die Bemerkung, die als erste die empörte Aufmerksamkeit der Netzgemeinde gefunden habe, sei von Frau Sarah-Lee Heinrich mitnichten im Alter von 14 Jahren herausgezwitschert worden, sondern erst vor etwa zwei Jahren. Damals müsste die rassige Grünen-Jungfrau mit den großen Nasenlöchern knapp 19 Jahre alt gewesen sein, auf jeden Fall aber volljährig. +++

+++ Unseren täglichen Nazi gib uns heute: „Er war ein bedeutender Maler und er war Rassist. Emil Noldes berühmte Blumenbilder könnten nicht von seiner Blut-und-Boden-Ideologie getrennt werden, sagte Museumsdirektor Felix Krämer im Deutschlandfunk.“ Ein inexistenter Betrachtungs-Experte wandte daraufhin ein, der bedeutende Blick auf den Untersberg bei Berchtesgaden sei nie wieder von der Panorama-Ideologie des riesigen, versenkbaren Fensters in Hitlers Berghof auf dem Obersalzberg zu trennen. Das war aber noch nicht alles. Weiter ging es beim Deutschlandfunk nämlich so: „Nach Angaben des Kunsthistoriker Christian Fuhrmeister gehörten zu den Gemälden, die von den Nationalsozialisten in Ausstellungen präsentiert wurden, 800 Blumenstillleben, 3.000 Alpenpanoramen und andere Landschaftsgemälde sowie viele Akte. ‚Das heißt, wir haben vorgeblich unpolitische Motive, die aber systemstabilisierend gewirkt haben, weil sie im Zusammenhang der NS-Kunstpolitik einen ideologiefreien Raum hergestellt haben.‘ Trotzdem sei am Eingang einer solchen Ausstellung das Hitlerporträt gezeigt worden.“ Das wiederum kommentierte ein inexistenter Stabilsierungs-Experte folgendermaßen: Sonniges Wetter in den norwegischen Fjorden wirkte auf dem KdF-Kreuzfahrtschiff „Robert Ley“ systemstabilisierend, weil die Sonne im Zusammenhang mit der NS-Urlaubspolitik ideologiefrei geschienen hat. Trotzdem sei am Eingang zum Speisesaal der „Robert Ley“ ein Hitlerporträt statt einer Regenbogenflagge gezeigt worden. +++

Hing nicht am Eingang zum Speisesaal der „Robert Ley“: Regenbogenflagge – (Foto: Von Gustavo Frazao/Shutterstock)

+++ „Der seriöse Anstrich blättert ab.  Auch Jörg Meuthen war kein Gemäßigter. Doch nach seinem Rückzug gibt es an der AfD-Spitze niemanden mehr, der sich von Rechtsextremen abgrenzt.„, heißt es krokodilstränig in der „taz“. Ein inexistenter Experte für Grenzwertiges jedweder Unglaublichkeit kommentierte: Die „taz“ sei ein Fachblatt für alles mögliche, außer für seriöse Anstriche. Bei der „taz“ gebe es nämlich keine Gemäßigten. Es sei egal, welcher Textfeldstreicher sich bei der „taz“ aus der Redaktion zurückzieht, da sich hernach immer noch niemand von den Linksextremisten abgrenze. Zu Zeiten, als es die „taz“ noch in einer Printversion gab, sei er deshalb mit dem „Abblättern“ der „taz“ schneller fertig gewesen, als bei jeder anderen Zeitungslektüre. +++