Die Pandemie ist tot, es lebe die Pandemie!

Foto: Von Olena Yakobchuk/Shutterstock

Jens Spahn, der ja nichts mehr zu melden hat, durfte noch einmal seine ganze Verachtung gegenüber den Untertanen zum Besten geben und vom Ende der Pandemie faseln – bei Einhaltung der 3-G-Regelungen, versteht sich.

Doch nicht mal das dürfen wir erwarten. Die Kräfte, die von der ewigen Pandemie profitieren, sind noch zu stark:

Der Präsident der Bundesärztekammer, Klaus Reinhardt, zum Beispiel spricht sich sogar noch für eine Ausweitung der deutschlandweiten 2G-Regelung in bestimmten Bereichen des gesellschaftlichen Lebens aus. „Ich plädiere dafür, dass alle Bundesländer 2G ohne Maske und Abstand als Option für das Gastgewerbe, für den Sport und die Veranstaltungsbranche einführen“, sagte er den Zeitungen der Funke-Mediengruppe. Reinhardt sagte, wenn 2G mit der Aufhebung von Maskenpflicht und Abstandsregeln kombiniert werde, sei dies „ein guter Weg“, um wieder „mehr Normalität zulassen, wo dies ohne Gefahr für die Gesundheit möglich ist“.

Immerhin:

Dies sollte aber nicht für Angebote des öffentlichen Lebens gelten, auf die die Menschen zwingend angewiesen seien, wie zum Beispiel der öffentliche Nah- und Fernverkehr. „Hier käme eine 2G-Regelung einer Impfpflicht durch die Hintertür gleich“, sagte Reinhardt. Für die nächste Zeit rechnet der Ärztepräsident mit erneut höheren Inzidenzen.

„In den kommenden Wochen wird die Zahl der Corona-Infektionen sicherlich steigen“, sagte Reinhardt den Funke-Zeitungen. „Grund zur Panik“ bestehe zum jetzigen Zeitpunkt aufgrund der Durchimpfungsrate und der Situation in den Krankenhäusern jedoch nicht. Wichtig sei, dass sich jetzt alle Erwachsenen gegen Corona impfen ließen, „die dies aus welchen Gründen auch immer bisher noch nicht getan haben“.

Übersetzt heißt das: Ihr dürft zwar zur Arbeit fahren und den ganzen Tag lang schuften, aber Freizeitvergnügen ist nur für die braven Junkies. Und so etwas nennt sich Ärztepräsident!

Die Pandemie ist tot, es lebe die Pandemie – mit anderem Namen.

Auch der „SPD-Gesundheitspolitiker“ Karl Lauterbach erwartet, dass die Maßnahmen zur Bekämpfung des Coronavirus auch nach dem Ende der pandemischen Lage fortgeführt werden. „Kein Bundesland wäre so verrückt, bei den derzeitigen Fallzahlen auf Zugangsbeschränkungen für geschlossene Räume zu verzichten oder die Maskenpflicht in Bus und Bahn zu begraben“, sagte er dem „Redaktionsnetzwerk Deutschland“ (Dienstagsausgabe). „Dinge, die notwendig sind, werden weitergeführt, das ist für mich ganz klar.“

Die Voraussetzung für das Ende dieser Maßnahmen sei eine deutlich höhere Impfquote. Die neue Bundesregierung „wird einiges unternehmen müssen, um die Impfquote zu erhöhen“, forderte Lauterbach. „Wir stehen hier bislang eher bescheiden da, auch im Vergleich mit den Nachbarländern.“

Dass Gesundheitsminister Jens Spahn das Ende der pandemischen Lage zum jetzigen Zeitpunkt verkündet, habe ihn überrascht, sagte Lauterbach: „Wir sind in einer Situation, in der die Fallzahlen zunehmen, der Impffortschritt stagniert und an Schulen in den kalten Monaten deutlich mehr Fälle zu erwarten sind. Niemand weiß aktuell so genau, was wir in den nächsten vier Wochen zu erwarten haben, wie hoch diese Welle noch wird.“ In der noch regierenden großen Koalition „liefen Abstimmungen dieser Art in der Regel etwas besser vorbereitet ab“, sagte der Bundestagsabgeordnete.

„Irgendwann musste das Ende der pandemischen Lage beschlossen werden, das ist ganz klar“, so Lauterbach weiter.

Irgendwann – natürlich. Also vielleicht in drei bis vier Jahren, wenn die neue Bundesregierung doch den Impfzwang durchgepeitscht hat und jeder Bürger mindestens drei Mal im Jahr durchgestochen wird.

Und es geht jetzt schon los:

Angesichts steigender Corona-Infektionszahlen fordern Elternvertreter nämlich bereits jetzt schon strengere Maßnahmen der Politik zur Pandemieeindämmung. „Eine Corona-Impfpflicht für diese Berufsgruppe“ müsse von der Bundesregierung „bundeseinheitlich gesetzlich festgeschrieben werden“, sagte Bundeselternrat-Vorstand Ines Weber den Zeitungen der Funke-Mediengruppe (Dienstagausgaben). Weber sagte, mit einer Impfung schützten sich das Lehrpersonal und alle Beschäftigten an den Schulen selbst sowie die Kinder und Jugendlichen, mit denen sie täglich direkten Kontakt hätten.

Weber sagte mit Blick auf die nächsten Wochen, es müsse unbedingt verhindert werden, „dass erneut ganze Klassenverbände in Quarantäne müssen oder sogar Schulen im Winter schließen müssen“. Nochmalige lang anhaltende Ausfälle des Präsenzunterrichts würde viele Schüler abermals zurückwerfen. Der Vorstand der Deutschen Stiftung Patientenschutz, Eugen Brysch, sprach sich für eine Ausweitung der Testpflicht in Kliniken und Pflegeheimen aus.

Die Corona-Tests müssten von der Politik „bundesweit täglich für Krankenhäuser und Pflegeheime angeordnet werden und zwar unabhängig davon, ob die Person geimpft oder genesen ist“, sagte Brysch den Funke-Zeitungen. Wo vulnerable Menschen lebten, dürfe bei der Testung eine 2G-Regelung keine Rolle spielen, da nach seinen Worten auch von Geimpften und Genesenen eine Infektionsgefahr ausgehen kann. Es gelte, „mit dem Virus zu leben, ohne die Pflegeheimbewohner und Krankenhauspatienten erneut zu isolieren“, so Brysch.

Vielleicht aber lässt sich das Virus doch nicht von diesem Schwachsinn aufhalten und wir bleiben in der ewigen Pandemie gefangen. Nicht wahr, Herr Lauterbach? (Mit Material von dts)