Sabine Oelmann: Wie doof dürfen Kommentare zu rechten Verlagen auf der Buchmesse sein?

Messestand des JungEuropa Verlages auf der Frankfurter Buchmesse. - Foto: Imago

Wer ist Frau Sabine Oelmann? Auf einem Foto bei „n-tv“ kann man sie sehen. Blond ist sie auf jeden Fall, was bekanntlich nichts heißt. Frau Sabine Oelmann schreibt Texte und das ist kein Witz. Eine Frau-Oelmann-Schlagzeile lautet: „Diskussion um rechte Buchverlage. Wie tolerant darf eine Buchmesse sein?„. Frau Sabine Oelmann weiß es genau. Warum? Im Begleittext zu ihrem Foto erfährt es der Leser: Weil der Trinkhalm in dem Glas recyclebar ist, welches sie auf dem Foto in der Hand hält. Vor allem aber, weil sie Menschen liebt. Steht jedenfalls da. Erst, wenn der Leser den ganzen Frau-Oelmann-Text gelesen hat, kann er sich vorstellen, das wievielte Glas es gewesen sein muß, in dem jener Strohhalm steckte, der recyclebar gewesen ist.

Motto der Buchmesse 2021

Das Motto der diesjährigen Buchmesse in Frankfurt lautet: „Wie wollen wir leben?“ Eben dieses Motto hat die blonde Frau Sabine Oelmann kommentiert – und zwar hier. Frau Oelmann findet, daß die Frage, wie wir leben wollen, eine gute Frage sei. Sie hat das extra mit einem Ausrufezeichen unterstrichen. Gute Frage! Daß es sie eventuell nichts angehen könnte, wie Sie oder wie ich leben wollen, scheint ihr nicht in den Sinn gekommen zu sein. Ganz offensichtlich hat sie dieses ubiquitäre „wir“ bereits so verinnerlicht, daß Sie und ich und Frau Sabine Oelmann einfach „die Menschen“ geworden sind – und so gesehen wären „wir“ tatsächlich wir. Sind wir natürlich nicht. Sie haben andere Vorstellungen davon, wie Sie leben wollen, als ich. Möglich ist, daß es mich interessieren würde, wie Sie leben wollen. Daß ich nicht leben wollen würde wie Frau Sabine Oelmann, steht fest. Das ist gar keine Frage, geschweige denn eine gute. Was für ein Leben kann schon jemand führen wollen, der Kommentare schreibt wie Frau Sabine Oelmann? – Überflüssige Frage. Ausrufezeichen!

Die tolerante Frau Oelmann

Anstatt zu titeln: „Wie tolerant darf eine Buchmesse sein?„, hätte Frau Oelmann auch fragen können, wie intolerant eine Buchmesse sein darf, ohne daß sich am unterstellten Sinngehalt ihrer Frage irgendetwas geändert hätte. Es scheint ihr eben nicht eingefallen sein, das so zu formulieren. Warum ist ihr das nicht eingefallen? Klar: Weil sie selbst nicht dastehen wollte wie eine blonde Frau, die sich mit Fragen der Intoleranz beschäftigt. Toleranz ist einfach kleidsamer. Mindestens so kleidsam wie ein recyclebarer Trinkhalm. Schade für Frau Sabine Oelmann ist, daß es „uns“ – wir sind schließlich „wir“ – nicht interessiert, wie sie selbst gern gesehen werden möchte. Ich für meinen Teil lese einfach ihren Kommentar und danach sehe ich schon, ob zutrifft, was ich der Schlagzeile wegen bereits vermute. Meine Vermutung ist, daß die Haarfarbe noch das hellste an Frau Sabine Oelmann ist. Kein Witz. Ob das zutrifft, läßt sich anhand ihres Kommentars zum Motto der Buchmesse überprüfen.

Frau Sabine Oelmann stellt als erstes fest, wie „wir“ nicht leben wollen: „So jedenfalls nicht: Da rechte Verlage auf der Messe willkommen sind, sagen einige Autorinnen und Autoren ihre Teilnahme ab. Sie fühlen sich nicht sicher. Ist das wirklich Deutschland 2021?“ – Antwort: Ja, noch ist das Deutschland 2021. Noch gibt niemand etwas auf die Behauptung gefühlter Unsicherheit einiger Autorinnen und Autoren. Noch interessiert man sich allenfalls für die tatsächliche Sicherheit. In bestimmten Zusammenhängen jedenfalls. Ob sich deutsche Frau Oelmanns sicher fühlen, wenn sie nachts die Abkürzung durch den Stadtpark nehmen, interessiert allerdings kaum noch jemanden, außer vielleicht „rechte Verlage“.

Frau Sabine Oelmann: „Die Wellen schlagen hoch, und das ist auch gut so.“ – na, na, – „Während im Bundestag noch darum gestritten wird, wer in Zukunft neben der AfD sitzen muss (keiner möchte das), spazieren die Rechten seelenruhig auf der Buchmesse in Frankfurt ein und aus.“ – was soviel heißt, wie, daß die Messeleitung noch nicht so infantil geworden ist wie der Bundestag. Möglicherweise liegt es daran, daß die Messeleitung noch über jene demokratische Grundhaltung verfügt, die den Altparteien im Bundestag abhanden gekommen sein muß. Die AfD sitzt schließlich deswegen im Bundestag, weil sie von einem beträchtlichen Teil der Wähler dort hineingewählt worden ist. Frau Sabine Oelmann: „Man nimmt in der Stadt am Main dafür in Kauf, dass sich PoC, jüdische, queere oder Autoren anderer sogenannter Minderheiten – Frauen zum Beispiel – dort nicht mehr hintrauen und ihre Termine schweren Herzens absagen.“ – Nein, die Messeleitung ist lediglich nicht so blöd, sich den leicht zu durchschauenden Linksaktivistenschnack von der fehlenden Traute und dem schweren Herzen andrehen zu lassen. Vielmehr ist die Messeleitung clever genug, eine vorgeschobene Begründung auch als eine solche zu identifizieren. Und die sogenannte Frau Sabine Oelmann sollte sich angesichts der Tatsache, daß Frauen die sogenannte Bevölkerungsmehrheit stellen, erklären lassen, was eine „sogenannte Minderheit“ tatsächlich ist. Ein sogenannter Grundschullehrer (männlich) reicht dafür aus.

Die sogenannte Minderheits-Frau Oelmann

Dann mäkelt die sogenannte Frau Oelmann ein wenig am Verlag „Jungeuropa“ herum, der in Frankfurt ausstellt. Verlagsleiter ist Philip Stein, ein bei der „Neuen Rechten“ wohlbekannter Denker. Buchmessen-Chef Juergen Boos verteidige das mit der Behauptung, die Messe „müsse auch die Meinungen und die Präsenz von Menschen aushalten, die sie lieber nicht hier hätte„. Als nächstes zieht Frau Sabine Oelmann die Geisteskraft von Juergen Boos in Zweifel, indem sie „ausstellt“, was Boos nicht bedacht haben kann, sie selbst hingegen schon, obwohl sie blond ist – wieder kein Witz: „Damit öffnet er diesen die Tür und verschließt sie denen, die in unserer Gesellschaft Schutz brauchen.“ – Allmächt. Es ist ein Jammer mit der sogenannten Frau Oelmann, weil sie die offene Tür, durch die jemand nicht gehen will, mit einer verschlossenen Tür verwechselt. Das birgt eine erhebliche Verletzungsgefahr für die sogenannte Frau Oelmann, weil man damit rechnen muß, daß sie sich eines nicht allzu fernen Tages den blonden Schädel einrennen wird an einer verschlossenen Tür, die sie irrtümlich für offen gehalten hatte. Das gibt dann ein „sogenanntes Aua!“.  Alle, die sich auf der Buchmesse unsicher gefühlt haben, werden dann um die Benommene im Halbkreis herumstehen, sie verängstigt anschauen und unisono sagen: „Aua, Frau Sabine Oelmann.“ Wenn es ganz schlimm kommen sollte, dann fällt ihr bei der Kollision mit der verschlossenen Tür das Trinkglas aus der Hand und der recyclebare Trinkhalm bekommt einen irreparablen Knick.

Juergen Boos jedoch: „Es muss uns nicht gefallen, aber es muss möglich sein, weil Meinungsfreiheit für uns das höchste Gut ist.“ Man sieht also, wo der Unterschied zwischen Juergen Boos und der sogenannten Frau Oelmann liegt. Für die Blondine mit dem möglicherweise geknickten Trinkhalm ist nur ihre eigene Meinungsfreiheit das höchste Gut. Experten für „Pferd & Verstand“ reden in einem solchen Fall vom „Scheuklappensyndrom“, konzedieren aber, daß es kaum bessere Voraussetzungen gibt, um Kommentare für „n-tv“ zu verfassen. Weil das so ist, scheuklappt die sogenannte Frau Oelmann auch unverdrossen weiter vor sich hin bei „n-tv“.

Frau Oelmann fragt sich etwas

Ihr nächster, wahrscheinlich recyclebarer Klopper: „Man fragt sich, was Rechtsextremismus in einer Demokratie zu suchen hat? Auf einer Buchmesse? Ob wir nichts aus der Geschichte gelernt haben?“ – und sofort wird dem Leser klar, daß sich die sogenannte Frau Oelmann noch nie mit der Frage auseinandergesetzt haben kann, warum das Fragezeichen so heißt, wie es heißt. Der kluge Leser fragt sich auch nicht, ob wir nichts aus der Geschichte gelernt haben, weil ihm die sogenannte Frau Oelmann mit ihrer sogenannten Fragerei gerade beweist, daß „wir“ nichts aus der Geschichte gelernt haben.  Die sogenannte Frau Oelmann: „Haben wir diese Probleme – Rechtsextremismus, Faschismus mit all seinen Auswüchsen – nicht tagtäglich vor Augen? – doch, natürlich, haben wir. Rechtsextremismus zwar weniger, aber Faschismus schon dauernd. Linksfaschismus natürlich, was sonst? Faschismus ist eine originär linke Angelegenheit, wenn man Mussolini glauben darf. Der italienische Duce hat es wissen müssen. Seinen eigenen Worten zufolge war ihm schließlich „der Sozialismus in die Knochen eingraviert“. Heutige Faschismus-Experten, antifaschistische Rechte also, reden vom sogenannten Oelmann-Faschismus, wenn sie die Gegenwart besprechen, während Feministinnen fordern, wenn schon, dann müsse der Faschismus der Gegenwart als „östrogenaler Oelfrau-Faschismus“ bezeichnet werden. Meinereiner fügt noch an, daß „Rechtsextremismus“ ebenfalls eine irreführende Wortkreation ist, weil er treffender als „völkischer Linksextremismus“ zu bezeichnen wäre.

Rechtsextremismus nach Oelmann

Beispiele für das, was die sogenannte Frau Oelmann zwischen ihren Scheuklappen für Rechtsextremismus hält, sehen so aus: „Der Fall Gil Ofarim“ – das hat sich erledigt, so weit ich das mitbekommen habe. Gil Ofarim scheint den antisemitischen Vorfall an der Hotelrezeption frei erfunden zu haben. Sollte er nicht frei erfunden worden sein, dann wäre es aber immer noch kein „völkisch linksextremistischer“ (rechtsextremistischer) Vorfall gewesen, sondern ein „muslimisch-antisemitischer“. Wahrscheinlich gab es aber gar keinen Vorfall. „Der Fall der 96-jährigen KZ-Sekretärin, die momentan der Beihilfe zu Mord und Beihilfe zu versuchtem Mord in mehr als 11.000 Fällen angeklagt wird, weil sie zwischen 1943 und 1945 in der Kommandantur des Lagers tätig war.“ – und dieser Fall ist nun wirklich ein Beweis für die Existenz heutiger Faschos. Nur: Inwiefern genau dieser Fall ein Beweis dafür ist, kann eine sogenannte Frau Oelmann nie und nimmer nachvollziehen, wenn sie auch in Zukunft noch oelige Scheuklappenkommentare für „n-tv“ abliefern will. Wahrscheinlich will sie das aber.

Daß die uralte Frau überhaupt angeklagt wurde, ist nämlich nicht nur dem Umstand geschuldet, daß sie als 17-jährige Sekretärin in der Kommandantur eines Konzentrationslagers gearbeitet hat – weswegen sie ja, völlig grotesk, als 96-Jährige nach Jugendstrafrecht angeklagt wird – sondern ebenso dem Umstand, daß ihre damalige Tätigkeit erst 2016 justiziabel (gemacht) wurde. Bis zu ihrem 91ten Lebensjahr hatte sie als unschuldig im Sinne des Rechts gegolten. Zum Gegenwartsfaschismus und der Frage, wo er zu verorten wäre, habe ich gerade deshalb keine weiteren Fragen mehr. Das Teuflische am Faschisten ist schließlich auch, daß er den Gedanken nicht erträgt, irgendetwas könne „seiner“ irdischen Gerechtigkeit durch die Finger rutschen. Faschisten sind wahrlich armselige Kreaturen in ihrer widerlich pedantischen Kleingeistigkeit. Wenn man nicht ausgerechnet Demokrat wäre und viel auf die Meinungsfreeiheit gäbe, müsste man glatt dazu auffordern, daß sie ihre faschistischen Machwerke nicht mit untadeligen rechten Demokraten zusammen auf ein- und derselben Buchmesse austellen dürfen.

Frau Oelmanns Konflikte

Die sogenannte Frau Sabine Oelmann jedoch unverdrossen: „Juergen Boos ist (…) nicht der einzige, der rechte Verlage auf der Buchmesse dulden möchte. Karin Schmidt-Friderichs, die Vorsteherin des Börsenvereins, ist der Meinung, es sei ‚ein Konflikt, mit dem wir leben müssen. Das bildet die Gesellschaft ab.‘ Ein Konflikt, mit dem wir leben müssen? Wo sind wir denn, dass wir neuerdings – oder wieder oder immer noch? – einfach hinnehmen, dass ein ultrarechtes Spektrum ganz selbstverständlich ‚unsere Gesellschaft‘ abbildet? Meine Gesellschaft und die vieler anderer ist das jedenfalls nicht!“ – tja, was soll man da einer sogenannten Frau Oelmann noch erwidern, wenn man doch von vornherein weiß, daß sie es wegen einer fast krankhaften Fehleinschätzung ihrer eigenen Person niemals begreifen würde? Man kann ihr schließlich nicht gut vorschlagen, sich ein ruhiges Plätzchen in irgendeiner Provinzklapse zu suchen. Traurig genug ist es jedenfalls, daß die sogenannte Frau Oelmann „meine Gesellschaft“ als die ihre begreift. Als Demokrat und lebenslanger Antifaschist, der anstandshalber alle Facetten des Faschismus, u.a. auch Antifafasch-, Wokefasch-, PC-fasch-, Ökofasch -, Femifasch -, Vielfaltsfasch -, und vor allem den total verlogenen Globalismusfasch ablehnt, kann man seine Zeitgenossen vor solchen historisch völlig verpeilten Figuren wie der sogenannten Minderheitsfrau Oelmann nur warnen. Ein recyclebarer Trinkhalm in ihrem x-ten Glas ändert da auch nichts mehr. Mit einer Geschwätzigen wie der sogenannten Frau Oelmann hätte wahrscheinlich nicht einmal Julian Reichelt ein Hotelzimmer geteilt. Obwohl sie blond ist. Kein Witz.