Jetzt werden die Kinder „abgestochen“

Impfung (Symbolbild: shutterstock.com/Von VidEst)
Impfung von Minderjährigen (Symbolbild: shutterstock.com/Von VidEst)

Berlin – Sie geben einfach nicht auf und knöpfen sich jetzt die Wehrlosen und Unschuldigen vor. Nur, um ihren miesen Stoff endlich loszuwerden:

Der Präsident des deutschen Landkreistages ist für eine Ausweitung der Corona-Impfungen bei Kindern und Jugendlichen. Man sollte dadurch ein Stückweit jenen Teil an Impfungen kompensieren, der „durch renitent unwillige Erwachsene“ auf dem Weg zum Erreichen von Herdenimmunität fehle, sagte Reinhard Sager den Zeitungen der Funke-Mediengruppe (Sonntagausgaben). Sobald auch ein Impfstoff für Kinder unter zwölf Jahren zugelassen sei, „müssen wir auch diese Impfungen mit großer Kraft vorantreiben“.

Er argumentierte, dadurch gewinne man „insgesamt größere Spielräume für ein gesellschaftliches und wirtschaftliches Leben wie vor der Pandemie“. Zugleich sprach sich der Landkreispräsident für eine Impfpflicht für Pflegekräfte und pädagogisches Personal aus. „Wir werden nicht umhinkommen, über eine Impfpflicht für bestimmte Berufsgruppe wie Lehrer, Erzieherinnen oder Pflegekräfte zu diskutieren. Das gehört im Herbst definitiv auf die politische Tagesordnung“, sagte Sager. Man müsse sich bewusst machen, dass bislang auch diejenigen geschützt würden, „die sich aus freien Stücken gegen einen Impfschutz entschieden haben“. Das habe zwar seine Berechtigung, jedoch müsse ab einem gewissen Punkt „die Frage erlaubt sein, wie lange die Gesellschaft das so mittragen kann“.

Sager forderte überdies, Bund und Länder sollten sich auf einen Ausstiegspfad aus den Corona-Einschränkungen verständigen „und den Menschen damit eine klare Perspektive geben“. Ein Auslaufen der epidemischen Lage im Infektionsschutzgesetz des Bundes nannte er „richtig“. Masken, Abstand und Lüften sollten dennoch über die Wintermonate eingehalten werden.

Die Einschränkungen sollen also aufgehoben werden, in dem man die Einschränkungen aufrechterhält. Solch kranke Logik ist auch nur in Deutschland möglich.

Hier weitere Meldungen aus der Corona-Hölle:

Hospitalisierungs-Inzidenz bleibt bei 2,83

Die bundesweite Hospitalisierungsinzidenz für Corona-Infizierte ist nach fünf Anstiegen in Folge innerhalb eines Tages gleich geblieben. Das RKI meldete am Sonntagmorgen zunächst 2,83 Einweisungen pro 100.000 Einwohner in den zurückliegenden 7 Tagen, genau wie am Samstag. Es handelt sich um die jeweils vorläufigen Zahlen, die stets nachträglich noch nach oben korrigiert werden, da manche Einweisungen erst später gemeldet werden.

Trotzdem zeigen sie den Trend richtig an. In der Altersgruppe 0-4 Jahre liegt die Hospitalisierungsinzidenz vorläufig bei 1,21, in der Altersgruppe 5-14 Jahre bei 0,45, in der Altersgruppe 15-34 Jahre bei 1,46, in der Altersgruppe 35-59 Jahre bei 1,86, in der Altersgruppe 60-79 Jahre bei 4,04 und bei den Über-80-Jährigen bei 12,25 Krankenhauseinweisungen mit Covid-19 je Woche und 100.000 Einwohner. Die Hospitalisierungsinzidenz gilt seit dem Sommer offiziell als der wesentliche Indikator für eine Verschärfung der Corona-Maßnahmen, eine einheitliche Schwelle ist aber nicht definiert.

Eine deutliche Zunahme meldeten unterdessen die Intensivstationen. Hier wurden zuletzt 1.605 Corona-Patienten gezählt, ein Anstieg von 4,2 Prozent binnen 24 Stunden.

Saar-Ministerpräsident will Ende der epidemischen Lage

Der saarländische Ministerpräsident Tobias Hans (CDU) hat sich für ein Ende der epidemischen Lage ausgesprochen und umfangreiche Lockerungen in seinem Bundesland gerechtfertigt. „Ich begrüße den Vorstoß des Gesundheitsministers. Die Pandemie ist zwar nicht vorbei, aber sie hat durch die Impfungen ihren Schrecken verloren“, sagte Hans der „Bild am Sonntag“.

Dem müsse man Rechnung tragen. „Die Bundesländer müssen auch nach dem Ende der epidemischen Lage die Möglichkeit haben, Maßnahmen zu beschließen. Aber man darf nicht alle Länder über einen Kamm scheren“, so Hans.

Bundesländer mit einer hohen Impfquote müssten sich ihre Freiheiten „zurückerobern“ können. Im Saarland werden ab Freitag sämtliche Maßnahmen im Freien aufgehoben. Trotz der steigenden Inzidenzen ist dann auch ein Stadionbesuch ohne Impfung und ohne Test wieder möglich.

„Das Saarland hat von allen Flächenländern die höchste Impfquote, sie liegt in der Gesamtbevölkerung bei deutlich über 70 Prozent. Bei den vulnerablen über 60-Jährigen haben wir praktisch die Herdenimmunität erreicht.“ Für harte Einschränkungen gebe es in so einer Lage keine verfassungsrechtliche Grundlage mehr, begründete Hans den Beschluss der Landesregierung.

„Wir müssen jetzt ein Stück weit mehr zur Eigenverantwortung zurückkehren.“ Wer sich als Erwachsener ohne Grund partout nicht impfen lassen wolle, müsse das Risiko zu erkranken dann selbst tragen. „Ich bin der festen Überzeugung, dass jetzt Lockerungen geboten sind. Denn man kann nicht willkürlich und auf Vorrat Grundrechte einschränken.“ Die Bürger sehen Lockerungen skeptisch. Laut einer INSA-Umfrage für die „Bild am Sonntag“ glauben 63 Prozent, dass die aktuellen Maßnahmen genau richtig oder nicht weitgehend genug sind, 35 Prozent halten sie für übertrieben. 56 Prozent haben Angst vor einer Corona-Welle im Winter. Für die „Bild am Sonntag“ befragte das Meinungsforschungsinstitut INSA 1.005 Menschen am 22. Oktober. Fragen: 1. „Wie beurteilen Sie die aktuell geltenden Corona-Maßnahmen in Deutschland?“ (zu weitgehend, nicht weitgehend genug, genau richtig) 2. „Haben Sie Angst vor einer weiteren Corona-Welle im Winter?“

Intensivmediziner: Kommen ohne neuen Lockdown durch den Winter

Trotz aktuell wieder steigender Inzidenzwerte glaubt der ehemalige Präsident der Deutschen Interdisziplinären Vereinigung für Intensiv- und Notfallmedizin (DIVI), Uwe Janssens, dass Deutschland ohne eine neuen Lockdown durch Herbst und Winter kommen kann. „Ich persönlich glaube nicht, dass wir einen Lockdown benötigen“, sagte er der Mediengruppe RTL Deutschland. „Ich glaube, dass wir mit den Maßnahmen, die wir monatelang praktiziert haben, sehr gut zurechtkommen“, so Janssens.

Dafür müssten sich alle aber an altbekannte Regeln halten. Der Mediziner sieht „im Moment keine Notwendigkeit“ für einen neuen Lockdown, wenn sich alle weiter an das Maskentragen, Abstandhalten und andere Hygienemaßnahmen halten und wenn die Covid-19-Impfungen weiter vorangetrieben würden. „Wenn es uns gelingt, das zu beachten, und wenn die Politik nochmal nachsteuert und verbindliche allgemeine Regeln für alle Bundesländer schafft, wie das gerade auch die Ministerpräsidenten und Ministerpräsidentinnen gefordert haben, dann werden wir ohne Lockdown auskommen.“ (Mit Material von dts)