Seehofer traut Scholz das Kanzleramt zu – der ist sowas von seriös

Seehofer (Bild: shutterstock.com/ Von Alexandros Michailidis)

Berlin – Dass Politiker in einer eigenen Welt leben, von der Realität so gut wie nichts mitbekommen, ist allgemein bekannt. Bei diesem etwas älterem Herrn nimmt diese Realitätsverweigerung allerdings schon pathologische Züge an. Stichwort Cum-Ex-Skandal:

Bundesinnenminister Horst Seehofer (CSU) glaubt, dass Olaf Scholz (SPD) Kanzler kann. „Ja. Ich kenne Olaf Scholz sehr gut, habe mit ihm als Finanzminister im Kabinett zusammengearbeitet“, sagte er auf die Frage, ob er Scholz die Aufgabe zutraue, der „Bild am Sonntag“.

Trotz aller politischen Unterschiede gehöre Scholz „zu den Politikern, die ich wegen ihrer Seriosität sehr schätze“. Seriosität in der Politik sei „unabdingbar, auch für die Sicherheit im Land“. Auch dem Unions-Kanzlerkandidaten Armin Laschet hätte er das Amt zugetraut.

„Durch die Uneinigkeit in der Union standen wir uns allerdings selbst im Weg“, so Seehofers Einschätzung. Der CSU-Politiker ermahnte die Union, dass die Partei in der Opposition neue Ideen entwickeln müsse, um zu alter Stärke zu gelangen: „Auf eine brüchige Tektonik der drei Koalitionspartner in der Ampel würde ich als Union jedenfalls nicht setzen. Wir müssen mit guten Ideen Opposition machen und nicht mit Allgemeinplätzen.“

Es helfe nicht, immer nur vor einem Links-Rutsch zu warnen. „Wir müssen klarer definieren, für was wir stehen.“ Sich selbst möchte Seehofer allerdings nicht in diesen Prozess einbringen: „Ich werde meine politischen Kontakte unter menschlichen Gesichtspunkten weiter pflegen. Aber nicht öffentlich“, sagte Seehofer. „Ich möchte nicht als alter weißer Mann auftreten, der alles besser weiß.“

Alter weißer Mann! Zumindest weiß Seehofer, wann die Zeit für ihn abgelaufen ist. Und für alle anderen alten weißen Männer. (Mit Material von dts)