Gähn: Intensivmediziner pinkeln mal wieder an die Alarmglocke

Medizinischer Notfall (Symbolbild:Shutterstock)

So langsam wird’s langweilig. Aber in dieser völlig absurden Corona-Krise muss halt jeder sehen, wie er seine Interessen am besten durchsetzt und so viel Kapital herausschlagen kann, wie möglich ist:

Kurz vor der Konstituierung des neuen Bundestags weisen, wie soll es auch anders ein, die Intensivmediziner vehement auf die erneut steigende Corona-Gefahr und die zunehmende Belastung der Krankenhäuser hin. „Wir Intensivmediziner können die Diskussionen um einen Freedom Day oder deutliche Signale an die Bevölkerung wie ´es ist vorbei‘ nicht verstehen“, sagte der Präsident der Deutschen Interdisziplinären Vereinigung für Intensiv- und Notfallmedizin, Gernot Marx, der „Rheinischen Post“ (Dienstagsausgabe). Corona sei nicht vorbei.

Die Inzidenzen steigten wieder. „Wir haben eine aggressive und sehr virulente Delta-Variante – das ist fast wie ein eigener, neuer Virus. Und wir haben immer noch 16 Millionen Bürger ab 18 Jahren, die nicht geimpft sind.“

Die Zahl der Covid-Patienten auf Intensivstationen steige seit zwei Wochen wieder sehr kontinuierlich an, sagte Marx. „Ich erwarte, dass die Politik die Lage auf den Intensivstationen erkennt und aktiv hier und jetzt Zeichen setzt. Es ist für all diejenigen auf den Intensivstationen oder auch Normalstationen, für die zahlreichen Long-Covid-Patienten und vor allem diejenigen, die noch in den nächsten Wochen und Monaten erkranken werden, in keinster Weise verständlich, das Ende der Pandemie zu deklarieren.“

Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) hatte sich mehrfach für ein Auslaufen der pandemischen Lage stark gemacht. Laut Divi sind bereits heute – am Anfang der Herbst- und Wintersaison – 20 Prozent der maximal betreibbaren High-Care-Betten, in denen schwerkranke Patienten invasiv beatmet werden können, wie sogar 35 Prozent der Low-Care-Betten auf Intensivstationen gesperrt. Das heißt, in diesen Betten können keine Patienten behandelt werden, weil das Pflegepersonal dazu fehlt.

Am Stichtag 25. Oktober 2021 wurden 22.064 betreibbare Intensivbetten im Divi-Intensivregister gemeldet. Am 1. Januar 2021 waren es noch 26.475 Betten, also 4.411 mehr – und das war am Höhepunkt der zweiten Corona-Welle, in der zahlreiche Pflegekräfte selbst erkrankt waren und ausfielen. „Wir sind in der Intensivmedizin also derzeit in der absurden Situation, dass wir zwar nur rund 1600 Covid-19-Patienten auf den Intensivstationen behandeln müssen, gleichzeitig fehlen uns aber mehr als 4000 Betten“, sagte Marx.

Das Personalproblem ist real, hat aber überhaupt nichts mit Corona zu tun, sondern ist politisch gewollt. Denn nur durch diesen Mangel kann die Impfbereitschaft erhöht werden. Statt also dem tatsächlich überlasteten Personal mehr Geld zu zahlen und mehr Leute durch bessere Ausbildungsmöglichkeiten und Gehälter anzulocken, wird weiter gedroht und gemahnt.

Außerdem: Wie kann es sein, dass bei einer Impfquote von 70 Prozent die Stationen wieder voll laufen, wenn sie bei einer Impfquote von Null Prozent nicht wirklich vollgelaufen sind.

Stimmt etwa was mit den Impfungen nicht? (Mit Material von dts)