Hat der Weihnachtsmann dieses Jahr eine Impfspritze im Sack?

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Fast 80 Prozent der Erwachsenen sind durchgeimpft, vielen wurde sogar der Booster aufs Auge gedrückt. Doch nützen tut das alles nichts. Der Inzidenzwert schießt nach oben und da die Tests mittlerweile viel Geld kosten, kann das nur daran liegen, weil sich die Geimpften reihenweise wieder anstecken.

Dennoch ist die Pharmaindustrie immer noch scharf darauf, dass auch die Kleinen und Wehrlosen mindestens zwei Dröhnungen verpasst bekommen. Wir können also davon ausgehen, dass in diesem Jahr der Weihnachtsmann statt Geschenke mit der Spritze durch den Schornstein fällt. Vielleicht kommt er aber auch schon früher:

Die europäische Arzneimittelbehörde EMA will möglichst noch vor Weihnachten eine Empfehlung zum Corona-Impfstoff von Biontech und Pfizer für Kinder im Alter von fünf bis elf Jahren abgeben. „Der derzeitige Zeitplan für die Bewertung beträgt ungefähr zwei Monate“, zitiert das „Redaktionsnetzwerk Deutschland“ (Donnerstagausgabe) eine Sprecherin. Die EMA hatte am 18. Oktober mit der Prüfung des Biontech-Impstoffs für unter 12-Jährige begonnen.

Damals sprach die Behörde noch von mehreren Monaten der Prüfung bis zu einer möglichen Zulassung. Eine Sprecherin versicherte, die EMA sei bestrebt, „alles in ihrer Macht Stehende zu tun, um die Bewertung innerhalb kürzester Zeit abzuschließen“. Gleichzeitig sei aber eine sorgfältige und solide Bewertung aller verfügbaren Wirksamkeits- und Sicherheitsdaten in dieser sehr jungen Altersgruppe zu gewährleisten.

Auch weitere Daten aus laufenden pädiatrischen Studien von Biontech und Pfizer würden in die Bewertung einfließen. Diese würden noch im November erwartet. „Die Auswertung hängt vom Eingehen der Daten ab und was diese zeigen.“

Möglicherweise seien aber zusätzliche Informationen oder Analysen erforderlich, die eine Empfehlung verzögern könnten, sagte die Sprecherin. Der aktuelle Zeitplan sei ohnehin ein verkürzter im Vergleich zu ähnlichen Überprüfungen außerhalb einer Pandemie.

Hier soll also wieder einmal etwas im Schnellverfahren durchgeboxt werden – ohne die langfristigen Schäden berücksichtigen zu müssen.

Auch der Präsident der Deutschen Gesellschaft für Kinder- und Jugendmedizin, Jörg Dötsch, will dringend Corona-Impfungen für unter 12-Jährige. Das sagte er den Zeitungen der Funke-Mediengruppe (Donnerstagausgaben). „Wir hoffen darauf, dass in den nächsten Wochen eine europäische Zulassung des Biontech-Impfstoffs für die Altersgruppe der 5- bis 11-Jährigen kommt, die dann auch in Deutschland übernommen wird“, so Dötsch.

Nach seinen Worten wären Corona-Impfungen in dieser Altersgruppe damit auch ohne eine ausdrückliche Empfehlung der Ständigen Impfkommission (Stiko) „rechtlich abgesichert“. Die Empfehlung könnte dann nach genauer Prüfung der Daten zu Nebenwirkungen in den Wochen darauf folgen. „Wir als Kinderärzte würden uns einer entsprechenden Empfehlung der Stiko zur Impfung der 5- bis 11-Jährigen anschließen“, stellte Dötsch klar.

Viele Familien in Deutschland mit chronisch kranken Kindern in diesem Alter warteten dringend darauf, dass die Corona-Impfung für die Jüngeren zugelassen werde. Die Impfung von Kindern in diesem Alter nannte der Mediziner sinnvoll. Ziel sei es, ihnen eine Corona-Erkrankung zu ersparen sowie zu verhindern, dass infizierte Kinder isoliert werden und wieder von der Schule fern bleiben müssten.

Es sei bekannt, dass diese Abwesenheit die seelische Gesundheit der Kinder verschlechtere. „Auch davor schützt die Impfung letztlich. Darum ist sie sinnvoll“, sagte der Mediziner.

Überdies sei es „unbedingt notwendig“, dass sich alle Erwachsenen impfen ließen, vor allem in pädagogischen, medizinischen und pflegerischen Berufen. „Diese Erwachsenen haben eine besondere Verantwortung“, mahnte der Kinderarzt. Zudem sei es jetzt erforderlich, dass sich auch möglichst viele Kinder über 12 Jahren gegen Corona impfen ließen. Eltern- und Familienorganisationen forderten angesichts der steigenden Infektionszahlen unter Kindern und Jugendlichen mehr Anstrengung der Politik.

„Leider hat es die Bundesregierung in ihrer Impfstrategie versäumt, bevorzugt Mütter und Väter sowie pädagogisches Personal anzusprechen“, sagte der Bundesgeschäftsführer des Deutschen Familienverbands, Sebastian Heimann, den Funke-Zeitungen. Er kritisierte, jetzt drohe erneut eine Belastung von Familien, „dabei sollte dies, insbesondere zum Wohl der Kinder, vermieden werden“. Heimann forderte, alle Energie müsse sich jetzt darauf konzentrieren, den Betrieb von Schulen und Kindertagesstätten zu gewährleisten. Schließungen gelte es zu verhindern. Zudem seien in Bildungseinrichtungen höhere Personalschlüssel erforderlich, um Ausfälle auszugleichen.

Auch die Bundeselternsprecherin für Kinder in Kindertageseinrichtungen und Kindertagespflege, Katharina Queisser, äußerte Kritik. Es gebe „kaum Konzepte, um die Jüngsten vor Ansteckungen zu schützen“, sagte sie den FUNKE-Blättern. Viele Eltern fühlten sich von der Politik in der Pandemie „erneut nicht ausreichend wahrgenommen und unterstützt“. Die Lasten und Gefahren der Pandemie lägen auch in diesem Corona-Winter bei den Kindern und ihren Familien, kritisierte sie.

Was passiert eigentlich, wenn die Kinder auch alle durch sind und das Virus immer noch nicht aufgehalten wurde? Sind dann die Haustiere dran und später vielleicht noch die Topfpflanzen? (Mit Material von dts)