Trotz Durchimpferei: Die Alarmhupen dröhnen wieder

Foto: Impfung (über dts Nachrichtenagentur)

Eigentlich wäre spätestens jetzt mal eine schlüssige Erklärung fällig. Warum dröhnen jetzt schon wieder sämtliche Alarmhupen, wo doch rund 80 Prozent der Bürger durchgeimpft sind, sich sowieso nur die wenigsten anstecken und kaum einer ernstlich krank wird?

Was stimmt hier in diesem Corona-Staat denn nicht? Wurden zu viele Impfdosen bestellt und nicht abgeholt? Hat die Pharmaindustrie den Druck erhöht? Soll jetzt eine vierte und fünfte Impfung die Menschheit retten?

Die Ärztegewerkschaft Marburger Bund warnt vor Engpässen in Kliniken wie in zurückliegenden Hochphasen der Pandemie. „Ich möchte nicht wieder erleben, dass wegen Covid-19 Operationen abgesagt werden müssen, weil sonst die Versorgung personell nicht bewältigt werden kann“, sagte die Vorsitzende Susanne Johna den Zeitungen der Funke-Mediengruppe (Freitagausgaben). Die Gewerkschafterin hob hervor, auch Patienten mit anderen schweren Erkrankungen hätten „Anspruch darauf, ohne Zeitverzug im Krankenhaus behandelt zu werden“.

Man müsse jetzt handeln, um erneute Versorgungseinschränkung in den Krankenhäusern zu verhindern. Johna sagte mit Blick auf die kommenden Wochen, es stehe zu befürchten, dass die Belegung mit Covid-19-Patienten auf den Infektions- und Intensivstationen weiter steige, „darüber kann man nicht einfach hinwegsehen“. Dem Klinikpersonal stecke noch der letzte Winter in den Knochen.

Alles, was zum ohnehin belastenden Regelbetrieb hinzukomme, erschwere die Arbeit auf den Stationen zusätzlich.

Auch der Pflegebevollmächtigte der Bundesregierung, Andreas Westerfellhaus, sieht Deutschland in der Pandemie vor schwierigen Wochen. Corona werde auch in diesem Winter eine immense Herausforderung für die Bevölkerung und das Gesundheitswesen bleiben, sagte er den Zeitungen der Funke-Mediengruppe (Freitagausgaben). Angesichts der steigenden Corona-Fallzahlen und vermehrter Impfdurchbrüche gelte es, jetzt dafür zu sorgen, „dass die besonders vulnerablen Menschen in den Pflegeeinrichtungen und das medizinische Personal zügig ihre Auffrischimpfungen erhalten“.

Der Regierungsbevollmächtigte riet ferner zu einer Fortführung von Corona-Tests für Personal und Besucher in Pflegeeinrichtungen „auch über die Jahreswende hinaus“. Mit Blick auf die Infektionslage verdeutlichte Westerfellhaus: „Es darf nicht noch einmal zu Besuchsverboten und anderen gravierenden Einschränkungen kommen, wie wir sie in den ersten Wellen der Pandemie erleben mussten.“ Deshalb sei es wichtig, möglichst bundesweit einheitliche Regelungen zu haben, „die eine klare Richtschnur geben“.

Zudem seien niedrigschwellige Impfangebote für alle diejenigen erforderlich, die sich für eine Impfung entschieden. Das seien „noch immer jeden Tag Zehntausende“, so Westerfellhaus. „Wir müssen die Impfung noch stärker zu den Menschen bringen.“

Eugen Brysch, Vorstand der Deutschen Stiftung Patientenschutz, fordert derweil eine umfassende Testoffensive in Altenheimen. „Die tägliche Testpflicht im Heim muss für Personal und Besucher gelten, selbst wenn sie geimpft oder genesen sind“, sagte er der „Bild“ (Freitagausgabe). Sonst drohten den Altenheim-Bewohner erneut „Leiden, Isolation und Sterben“.

Außerdem brauche es „dringend mobile Impfteams, die das Angebot zu den Pflegebedürftigen und Mitarbeitern bringen“, sagte Brysch. Seit Wochen stecken sich wieder mehr Über-Sechzig-Jährige mit Corona an, bei denen der Impfschutz im Laufe der Monate nachgelassen hat. SPD-Gesundheitsexpertin Sabine Dittmar sagte der „Bild“ dazu: „Wenn Ende April 2021 knapp sechs Millionen Bürger ihre Zweitimpfung erhalten haben, so sollten nun – sechs Monate später – eben diese Bürger eine Auffrischung erhalten. Statt sechs Millionen Bürgern haben aber bislang nur 1,8 Millionen eine Auffrischung erhalten.“ Die Impf-Kampagne laufe „zu schleppend“, kritisierte Dittmar. Er forderte: „Das mit den Booster-Impfungen muss schneller gehen.“

Alles läuft darauf hinaus, dass uns das Corona-Regime eine regelmäßige Dröhnung verpassen will, natürlich auf Kosten der Steuerzahler. Am liebsten jeden Tag, wenn wir aus dem Haus gehen wollen. (Mit Material von dts)