2015 lässt grüßen: Bis zu 1000 „Belarus-Flüchtlinge“ täglich

Migranten an Polens Grenze; Bild: Screenshot Aljazeera
Migranten an Polens Grenze; Bild: Screenshot Aljazeera

Auch am vergangenen Wochenende zeigten einige der Weltreisenden an der polnisch-weißrussischen Grenze ihr aggressives Verhalten. Der polnische Grenzschutz veröffentlichte ein Video, auf dem die Migranten schwere Äste in Richtung der Beamten schmeißen. Verletzte habe es diesmal nicht gegeben, nur das Fahrzeug des Grenzschutzes sei beschädigt worden, heißt es.

„Am vergangenen Wochenende haben wir an der polnisch-weißrussischen Grenze einige weitere Fälle von aggressivem Verhalten von Migranten gegen Grenzschutz-Offiziere, polnische Armeesoldaten und Polizisten registriert“, teilte der Grenzschutz mit. Die Pressestelle der Polizei erklärte, daß in der Nacht zuvor mehrere Dutzend Beamte entsandt worden seien, um Soldaten zu helfen, die von einer großen Gruppe von Migranten aus belarussischem Territorium angegriffen wurden. Nach Angaben der Polizei trafen auch Beamte des Grenzschutzes am Tatort ein. „Die Angreifer bewarfen die Soldaten und Offiziere mit Steinen. Als sie weitere Polizeiautos ankommen sahen, stiegen sie in belarussische Lastwagen und fuhren davon. Während dieses Angriffs wurden Polizeifunk und -telefone gestört. Abgesehen von Kratzern an ihren Helmen wurde keiner der Beamten verletzt“, teilte die Polizei mit.

Seit Anfang 2021 hat der Grenzschutz über 29.000 illegale Versuche, die polnisch-weißrussische Grenze zu überschreiten, gemeldet, davon ca. allein im Oktober 17.300, im September fast 7.700 und im August über 3.500, berichtet der polnische Fernsehsender tvn24.

Trotz aller Bemühungen seitens der Polen steigt die Zahl der illegalen Einreisen nach Deutschland weiter rasant an: Bundesinnenminister Horst Seehofer (CSU) sprach laut Welt zuletzt von einer Zahl von 1000 täglichen Grenzübertretungen nach Deutschland über die neue Belarus-Route.

Wie schon 2015 ist die Reise ins gelobte Land von Beginn an gut durchorganisiert. Die sogenannten Flüchtlinge, die zum Großteil aus dem Irak, Syrien, Afghanistan, dem Iran der Türkei und auch dem Jemen stammen, vernetzen sich bei Facebook und Telegram mit Schleppern und Tourismusunternehmen, um ihre illegale Einreise nach Deutschland zu organisieren. Verkaufsstellen in in Syrien bieten Visa für jeweils 2000 US-Dollar an, Schlepper verlangen weitere 11.000 US-Dollar dafür, die illegalen Einwanderer und zukünftigen „Deutschen“ auf ihrem Weg über die Belarus-Grenze in die EU zu begleiten.

Wieder sind es vor allem junge Männer aus Syrien, dem Irak, Jordanien und dem Libanon, die sich in den sozialen Medien vernetzen, um ihrem Ziel eines sorgenfreien und voll finanzierten Lebens näher zu kommen. Es sei „ein regelrechter Marktplatz entstanden. Gehandelt werden nicht nur Schlepperdienste, sondern auch Informationen. Tipps, wie und wo Visa ausgestellt werden, was nach der Ankunft in Belarus zu tun ist, welche Ausrüstung es braucht, um den beschwerlichen Weg durch die Wälder im polnisch-belarussischen Grenzgebiet zu meistern. Und auch, wie man einen Grenzzaun durchtrennt“, hat die Welt bei ihrer Recherche entdeckt. Die finanzielle Abwicklung erfolgt über das vor allem in muslimischen Ländern verbreitete Hawala-System.

Als Beweis für ihren Erfolg, verbreiten Schlepper Handyvideos, in denen erleichtert lachende junge Männer auf den Rücksitzen von Kleintransportern gezeigt werden, die zwar etwas müde wirken, aber es geschafft haben.

Wie 2015 weiß das Bundesinnenministerium (BMI) genau über die Lage Bescheid und handelt nicht. Man beobachte die Online-Aktivitäten von Migrationswilligen und Schleusern genau und werte sie aus. „Den Sicherheitsbehörden liegen Erkenntnisse vor, welche Internetplattformen am häufigsten genutzt und welche Routen von den Netzwerken angeboten werden; sie sind Teil der Ermittlungsarbeit zu den Schleusernetzwerken“, heißt es lapidar. (MS)