„Das Virus ist überall“: Wieder Lockdown und Proteste in den Niederlanden

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Es geht entgegen aller Versprechen wieder los: Die Niederlande verhängen erneut einen Lockdown. Der soll erstmal für 3 Wochen gelten. Ab Sonnabend müssen Restaurants, Bars und Supermärkte um 20 Uhr schließen. Noch während Ministerpräsident Mark Rutte auf seiner Pressekonferenz im Justizministerium die „unangenehme Nachricht“ verkündet, kommt es vor dem Gebäude zu Protesten, gegen die die Polizei hart vorgeht.

Trotz einer „Impf“-quote von 72 Prozent werden alle Niederländer wieder dazu verdonnert, wenn möglich von zu Hause aus zu arbeiten, sich mit maximal vier weiteren Menschen in ihren Wohnungen zu treffen und ansonsten in den Corona-Winterschlaf zu fallen. Sportveranstaltungen dürfen nur noch in leeren Stadien ausgetragen werden – Zuschauer verboten. Alle Einzelhandelsgeschäfte, die keine Waren für „den täglichen Bedarf“ anbieten, müssen ihre Türen ab 18 Uhr dicht machen. Immerhin, die Schulen bleiben offen, von Ausgangsbeschränkungen ist auch noch keine Rede. Das Ganze wird als „Teil-Lockdown“ verkauft.

Nach dem Ablauf der dreiwöchigen Freiheitsberaubung plane die niederländische Regierung die 2G-Regel für Freizeiteinrichtungen und die Gastronomie. Gesunde Ungeimpfte müssen dann – wie Hunde – draußen bleiben. Kritik kommt aus den Reihen der Gastwirte: „Das Gastgewerbe bekommt erneut die Rechnung für eine verfehlte Regierungspolitik präsentiert“, teilte der Verband des Gastgewebes mit. Auch der niederländische Fußballverband und die beiden Profi-Ligen sprechen in einer Erklärung von ihrer „großen Bestürzung“ über das Zuschauer-Verbot, da die Fußballstadien mitsamt ihrer strengen Corona-Maßnahmen keine große Infektionsquelle darstellen würden.

Mark Rutte drückt jedenfalls den Panik-Knopf: „Das Virus ist überall, im ganzen Land, in allen Branchen und allen Altersgruppen“ begründete der 54jährige Ministerpräsident sein Vorgehen. Zum Glück sei „die große Mehrheit geimpft, sonst wäre das Elend in den Krankenhäusern jetzt unermesslich“, weissagt er weiter.

Noch während seiner Verkündung versammelten sich hunderte Menschen vor dem Gebäude zum Protest. Es flogen Steine, Feuerwerkskörper wurden gezündet, Barrikaden errichtet. Die Polizei setzte ihre beliebten Wasserwerfer und Tränengas ein, um die Demonstration niederzuschlagen. Am morgigen Sonntag werden auf der Festwiese Malieveld bis zu 25 000 Corona-Maßnahmen-Gegner erwartet. Während des vergangenen Lockdowns floß genau dort Blut, da die Polizei die Demonstration damals gewaltsam auflöste.

Am Donnerstag hatten die Niederlande einen neuen Rekord bei positiven Tests aufgestellt. Mehr als 16.300 Fälle in 24 Stunden übertrafen den bisherigen Höchststand von knapp 13.000 im vergangenen Dezember um Längen. Die Datenlage wird immer unübersichtlicher: Sind laut „Our World in Data“ etwas über 72 Prozent aller Niederländer vollständig „geimpft“, spricht die Welt von 82 Prozent aller über 12-Jährigen. (MS)