Ein Held: Mindener Unternehmer zahlt auch für Ungeimpfte

Held (Symbolbild: shutterstock.com/Von Yuganov Konstantin)
Held (Symbolbild: shutterstock.com/Von Yuganov Konstantin)

Frank Hägermann, Unternehmer im nordrhein-westfälischen Minden, gilt mittlerweile als Held. Der Grund: Er zahlt auch ungeimpften Mitarbeitern im Quarantäne-Fall weiter den Lohn. Seine Motivation: Er möchte sich nicht an der Spaltung der Gesellschaft beteiligen und spricht sich für die Entscheidungsfreiheit des Einzelnen aus. Diese Einstellung muss im besten Deutschland, das wir je hatten, mittlerweile als Heldentum eingestuft werden. 

Frank Hägermann leitet ein großes Stahl-Unternehmen in Minden. Bei dem 57-Jährigen finden 250 Menschen Arbeit. Hägermann gilt seit einigen Tagen als Held. Denn: Er zahlt seinen ungeimpften Mitarbeitern im Quarantäne-Fall weiter den Lohn. In einem Brief an seine Belegschaft erklärte Hägermann, dass er die Maßnahmen der Regierung für moralisch fragwürdig halte und dass er niemanden in irgendeiner Weise beeinflussen möchte, ob er sich impfen lässt oder nicht.

Auch auf LinkedIn verbreitete sich diese Ankündigung rasant – mehr als 550.000 Menschen sahen sich den Beitrag bereits an:

Laut eigener Darstellung haben sich viele Menschen bei ihm für sein soziales und moralisches Verhalten bedankt. Tatsächlich seien es fast nur Unternehmer gewesen, die sich bei ihm gemeldet hätten. Viele meinten, sie würden auch so vorgehen wie er, sich aber damit nicht „nach draußen getraut hätten“. Ein Werbeunternehmer mit 14 Angestellten habe ihm geschrieben, wenn er so handeln würde wie er, hätte er keine Aufträge mehr, da Kunden dann davon ausgehen würden, er wäre Impfgegner oder Corona-Leugner. Wenn die Tatsache, öffentlich zu der Entscheidung zu stehen, auch Ungeimpften den Lohn fortzuzahlen, als mutig bezeichnet werde, das empfinge Hägermann als schlimm. „Das sollte doch eigentlich normal sein, dass man seine Meinung sagen kann“.

In einem Interview mit dem Impfjubelblatt Focus stellt Hägermann sich den Corona-Fragen. Wie bewertet er denn die „angespannte Situation“, wenn das Robert-Koch-Institut (RKI) die Corona-Paniktrommel schlägt und mehr als 60.000 Neuinfektionen verkündet. Er halte es so, wie es noch vor Wochen auch die Bundesregierung und einige Virologen aus Funk und Fernsehen gesagt haben: Die Infektionszahlen dürfen nicht das entscheidende Kriterium für neue Maßnahmen sein. Die Intensivbettenbelegung sei seiner Ansicht nach viel wichtiger. Jetzt gilt es, dafür zu sorgen, dass die Kapazitäten wieder aufgebaut werden. Immerhin fehlen seit dem vergangenen Jahr Tausende Intensivbetten.

Was halte er davon, wenn die Politik seit Wochen den Druck auf Menschen, die sich noch nicht gegen Covid-19 impfen haben lassen, erhöht – unter anderem auch, dass Arbeitgeber den Verdienstausfall im Quarantäne-Fall dem Arbeitnehmer nicht mehr erstattet muss.

Hägermanns Antwort: „Das hat mit meinem Gerechtigkeitsempfinden zu tun. Ich bin der Meinung, dass ich mit meiner Qualifikation, mit meinem Fachwissen für meine Mitarbeiter nicht entscheiden kann, welches Risiko sie eingehen möchten. Ich bin Stahlhändler, ich maße es mir nicht an, eine Entscheidung für andere Menschen zu treffen. Das muss jeder für sich selbst klären.

Also, ob er das Risiko einer Corona-Ansteckung in Kauf nehmen möchte und auf eine Impfung verzichtet, oder ob er sich gegen Covid-19 immunisieren lässt. Auch da gibt es ja Nebenwirkungen, bei denen man abwägen muss, ob man damit leben kann, sollten sie eintreten. Ich möchte einfach, dass die Leute frei entscheiden, ohne Druck von außen. Ich habe sehr viele junge Mitarbeiter in meinem Betrieb, die sind ja in der Regel keine Risikopatienten.“

Zudem lehnt Hägermann es ab, die übergriffige Frage der Focus-Interviewerin nach seinem Impfstatus zu beantworten. (SB)