Weißrussische Drohungen und Erpressungsversuche an der polnischen Grenze

GRODNO REGION, BELARUS - NOVEMBER 19, 2021: Refugees at the Bruzgi Transport Logistical Centre, some 1.5 km northeast of Kuznica Bialostocka-Bruzgi border crossing on the Belarusian-Polish border. The migrant crisis on the border of Belarus with Poland, Lithuania, and Latvia escalated on November 8. This year, Polish border guards have prevented more than 35,000 attempts to illegally cross the Polish-Belarusian border, which is 400 times more than last year. Sergei Bobylev/TASS PUBLICATIONxINxGERxAUTxONLY TS1188E1

Vier weitere polnische Soldaten wurden an der Grenze zu Belarus verletzt. Zwei von ihnen seien ins Krankenhaus eingeliefert worden, gab der stellvertretende Verteidigungsminister Wojciech Skurkiewicz am Freitag bekannt. 

Zuvor hatte die polnische Grenzschutzbehörde Weißrussland aufgefordert, die in der Nähe des Kontrollpunkts Kuźnica an der gemeinsamen Grenze versammelten Migranten bis Ende dieser Woche von dort wegzubringen. Die Grenzbehörde drohte damit, den gesamten Güterzugverkehr durch Kuźnica einzustellen, wenn die Migranten nicht bis Sonntag, 21. November, abtransportiert würden. „Solange mehrere Gruppen von Migranten, die dem polnischen Grenzpersonal feindlich gegenüberstehen, sich in der Nähe des Grenzübergangs aufhalten, können viele unerwartete und gefährliche Situationen entstehen, einschließlich eines Zugunglücks“, so die Befürchtung von Tomasz Pragades, Chef des Grenzschutzes.

Wegen der Schließung des Grenzübergangs hatte Weißrussland gedroht, den Gastransfer nach Europa einzustellen. Polens prompte Antwort: Man werde in dem Fall den Bahnverkehr von Weißrussland blockieren, was vor allem bei chinesischen Unternehmen große Besorgnis auslöste, wie  berichtet. Die Grenzübergänge zwischen den beiden Staaten sind wichtig für den Güterverkehr zwischen China und Europa. Der größte Teil der Bahnfracht zwischen China und Europa geh laut Global Times über Minsk. Von Januar bis Oktober beförderten 12.605 China-Europa-Güterzüge rund 1,22 Millionen Standardfrachtcontainer, was das jährliche Gesamtvolumen von 2020 überstieg.

Die Drohkulisse zeigte Wirkung: Inzwischen wurde das bisher größte provisorische Migrantenlager in der Nähe von Kuźnica von Weißrussland geräumt, doch die Weltreisenden hätten laut Polskie Radio in der Nacht an anderen Stellen die Grenzanlagen durchbrochen.
Die polnische Polizei twitterte ein Luftvideo des verlassenen Lagers in der Nähe von Kuźnica, auf dem qualmende Feuerstellen und mit gefällten Bäumen errichtete Unterstände zu sehen sind.

Nach Angaben des polnischen Grenzschutzes seien allein in den in den vergangenen 24 Stunden 255 illegale Übertrittsversuche aus Weißrussland registriert worden. Seit Jahresbeginn wurden über 35.000 solcher Versuche festgestellt, allein im November gab es 6.300 illegale und bemerkte Grenzübertritte. Die aus muslimischen Ländern stammenden jungen Männer würden immer aggressiver gegenüber den polnischen Grenztruppen. Zwei der jüngsten großangelegten Versuche, nach Polen zu gelangen, fanden am späten Donnerstag statt, berichtete der Grenzschutz. Etwa 500 Migranten hätten versucht, in der  Nähe des Dorfes Dubicze Cerkiewne die Grenzüberschreitung zu erzwingen

„Diese Leute waren aggressiv und warfen mit Steinen und Ästen“, erklärte die Sprecherin des polnischen Grenzschutzes Anna Michalska gegenüber Reportern.
Die Migranten würden von belarussischen Beamten unterstützt, die Laser und Tränengas einsetzten und „vier polnische Soldaten verletzten“, so Michalska.
Nachdem die polnischen Streitkräfte den Angriff abgewehrt hatten, „hatten weißrussische Lastwagen einige der Migranten mitgenommen“, während andere „immer noch in den nahe gelegenen Wäldern lagern“.
Gegen 22 Uhr hätten es weitere 50 illegale Einwanderer in der Nähe des Dorfes Mielniki auf polnisches Territorium geschafft. Die Gruppe sei mit Ausnahme einer irakischen Familie festgenommen und zurückgeschickt worden. Der Iraker samt schwangerer Frau und weiteren drei Kinder sei in eine bewachte Einrichtung gebracht worden. Dort seien sie erstversorgt worden und könnten internationalen Schutz beantragen. Der Familienvater habe nach Aussage von Anna Michalska angegeben, er wolle in Polen bleiben und arbeiten.

Auf belorussischer Seite haben erste Aufräumarbeiten begonnen. In einem Twitter-Video ist zu sehen, wie Bagger Müll und gefällte Bäume zusammenschieben und auf Lastwagen verladen.