Dänemark schiebt Syrer nach Damaskus ab – 25.000 „Bootsflüchtlinge“ entern Großbritannien

Symbolfoto:Von Naeblys/shutterstock

Fast 24.000 Migranten erreichten bisher die britische Küste in diesem Jahr per Boot. 4000 von ihnen kamen im laufenden Monat – ein neuer Rekord. Im Gegensatz dazu läßt Dänemark läßt seinen Ankündigungen Taten folgen. Syrer aus Damaskus müssen das Land verlassen. Die Stadt sei mittlerweile sicher, heißt es.

Die britische Innenministerin Priti Patel streitet mit Brüssel, mit Frankreich und mit ihrem eigenen Ministerium und steht im eigenen Land angesichts der ungebremsten Zuwanderung meist junger muslimische Männer unter Beschuss. Noch im Oktober 2019 versprach die konservative Politikerin, die Zahl der damals 1400 Angelandeten bis Ende des Monats zu halbieren. Ihre harte Rhetorik hat mit der Realität nicht Schritt gehalten. In diesem Jahr steuert das Land laut MailOnline auf eine Rekordzahl von 25.000 illegalen Einwanderern zu, das Dreifache vom vergangenen Jahr.

Für Kevin Saunders, ehemaliger Einwanderungs-Chef des britischen Grenzschutzes, ist das keine Überraschung: Großbritannien sei einfach „sehr attraktiv“. Jeder wisse, er habe den „Jackpot“ gewonnen, wenn er seinen Fuß auf britischen Boden setzt. Eine Abschiebung sei so gut wie ausgeschlossen, dafür gibt es Geld, bezahlte Unterkunft, kostenloser Zugang zum Gesundheits- und Bildungssystem. In Großbritannien wartet – wie in Deutschland – das Rundumsorglos-Paket auf Lebenszeit für jeden Einwanderer, der seine Papiere vernichtet und seine Staatsangehörigkeit verschweigt. In Sachen Ausweisung versagt das Land total: Ganze FÜNF Menschen mussten in diesem Jahr Großbritannien verlassen.

Auf entgegengesetztem Kurs befindet sich das kleine EU-Land Dänemark, wie der Chefreporter der Mail on Sunday Ian Gallagher aus Kopenhagen berichtet.

Dänemark hat als erstes europäisches Land begonnen, syrische Flüchtlinge, die vor dem Bürgerkrieg geflohen sind, nach Hause zu schicken. Hunderten von Menschen aus Damaskus wurde ihr Aufenthaltsstatus entzogen, denn ihre Heimatstadt gilt nun als sicher.

Jeder, der freiwillig geht, bekommt fast 20.000 Euro geschenkt, um wieder Fuß zu fassen und sich eine neue Existenz aufzubauen. Niemand wird gezwungen, aber wer sich weigert, muss mit einem unbefristeten Aufenthalt in einer Abschiebeeinrichtung rechnen. Von der Maßnahme sind etwa 1.200 der 35.000 in Dänemark lebenden Syrer betroffen.

Migrationsminister Mattias Tesfaye begründet den Kurs mit der allgemeinen Befürchtung, dass Migranten den gesellschaftlichen Zusammenhalt Dänemarks untergraben, der nach Ansicht vieler vom kulturellen Erbe und einer gemeinsamen Sprache abhängt. Dänemark sei vom ersten Tag an offen und ehrlich gewesen: „Wir haben den syrischen Flüchtlingen klar gemacht, dass ihre Aufenthaltserlaubnis befristet ist“, so der 40-jährige Sozialdemokrat.

Der Plan scheint aufzugehen: Zum ersten Mal übersteigt die Zahl der Flüchtlinge, die Dänemark verlassen, die Zahl der Neuankömmlinge. „Ich freue mich, weil es zum Teil zeigt, dass wir mit einer vernünftigen Politik in Dänemark den Zustrom in Schach halten können. Aber auch, weil es Flüchtlinge gibt, die gerne das Geld nehmen und nach Hause reisen und ihr eigenes Land wieder aufbauen“, erklärt Tesfaye.

Mette Frederiksen, die mit 44 Jahren die jüngste Premierministerin in der dänischen Geschichte ist, geht sogar noch weiter. Sie hat versprochen, daß Dänemark „null Asylbewerber“ anstrebt.

Für die liberalen Dänen ist die „harte“ Einwanderungspolitik kein Widerspruch.“Man kann Multikulturalismus feiern und trotzdem hart mit der Einwanderung umgehen“, findet Karen Nielsen Breidahl, Professorin für Politikwissenschaft an der dänischen Universität Aalborg. Dänemarks energisches Vorgehen transportiere die Botschaft „Kommt nicht nach Dänemark“. Es gehe darum, das Land für Migranten weniger attraktiv zu machen, so Breidahl. Sogenannte Flüchtlinge aus Bosnien, dem Irak und Somalia gehören zu denjenigen, die am ehesten in ihre Heimatländer zurückkehren. Hauptgründe sind mangelnde Arbeitsmöglichkeiten und Schwierigkeiten beim Erlernen der dänischen Sprache.

Die in Dänemark untergekommenen Syrer sind enttäuscht. Asmaa al-Natour, eine Aktivistin, die seit 2014 in Dänemark lebt, nachdem sie mit ihrem Sohn und Ehemann Omar Asyl beantragt hatte, wartet in der Haftanstalt Sjaelsmark in Kopenhagen auf ihre Abschiebung. Sie lernte Dänisch, fand Arbeit, zahlte Steuern und fand dänische Freunde. „Dänemark ist zu einem Friedhof für die Hoffnungen und Träume von Flüchtlingen geworden“, klagt sie. (MS)