Rettet die Menschheit, aber nicht die Deutschen? Spahn „verschenkte“ 10,5 Millionen Biontech-Dosen ins Ausland

Foto: Corona-Impfstoff von Biontech/Pfizer (über dts Nachrichtenagentur)

Berlin – Der deutsche Steuerzahler hat im November gezwungenermaßen fast 8,8 Millionen Dosen Biontech über die Initiative Covax an Drittstaaten „gespendet“ oder wird das voraussichtlich tun. Das geht aus einem neuem Regierungspapier zu den Lieferprognosen des Gesundheitsministeriums hervor, über das das Portal „Business Insider“ berichtet. Im Oktober sollen demnach bereits fast 1,7 Millionen Dosen verschenkt worden sein.

Am Freitag hatte das Gesundheitsministerium angekündigt, die Biontech-Lieferungen für Booster-Impfungen zugunsten des Impfstoffes Moderna zu begrenzen. Das sorgte für scharfe Kritik aus den Ländern und Ärzteverbänden. Das Ministerium von Jens Spahn (CDU) hatte in einem Schreiben an die Länder für die nächsten Wochen Begrenzungen bei Bestellmengen für den Impfstoff von Biontech/Pfizer angekündigt, damit das Präparat von Moderna bei den Auffrischungsimpfungen vermehrt zum Einsatz kommt.

Andernfalls drohten eingelagerte Moderna-Dosen ab Mitte des ersten Quartals 2022 zu verfallen, was vermieden werden müsse, argumentierte das Ministerium. Praxen sollen demnach vorerst maximal 30 Dosen Biontech pro Woche bestellen können, Impfzentren und mobile Impfteams 1.020 Dosen. Für Bestellungen von Moderna soll es keine Höchstgrenzen geben.

Hauptsache, es gibt noch genügend Stoff im Land, um die Booster-Babys alle zu füttern.

Ärger für Spahn gibt es jetzt von allen Seiten:

Mecklenburg-Vorpommerns Ministerpräsidentin Manuela Schwesig (SPD) hat Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) für die geplante Begrenzung von Biontech-Impfdosen scharf kritisiert. Das Gesundheitsministerium werfe „Brocken in das Impfgetriebe“, sagte Schwesig der „Bild am Sonntag“. Sie habe kein Verständnis mehr für dieses „Hin und Her“ von Spahn.

Angesichts der herrschenden Corona-Lage forderte Schwesig, die angekündigte Limitierung „unverzüglich“ zurückzunehmen. Für Klaus Holetschek (CSU), Vorsitzender der Gesundheitsministerkonferenz, sind die Lieferbegrenzungen des Biontech-Impfstoffs unterdessen „inakzeptabel und zerstören Vertrauen“. Er verlangte: „Sie müssen sofort zurückgenommen werden.“

SPD-Gesundheitspolitiker Karl Lauterbach mahnte: „Es wäre ein schwerer Fehler in der aktuellen Notlage, durch eine Begrenzung von Biontech Ärzte und Patienten zu Moderna umerziehen zu wollen.“ Bereits jetzt würden ihm Ärzte-Kollegen berichten, „dass sie in ihrer Praxis zu wenig Impfstoff haben“. Andreas Gassen, Chef der deutschen Kassenärzte, ist angesichts der Biontech-Limitierung „fassungslos“.

Er sagte der Sonntagszeitung, dass die Moderna-Dosen nur bedingt weiterhelfen würden, weil sie nicht an Unter-30-Jährige gespritzt werden dürften, beim Transport empfindlicher seien und bei den Patienten erheblichen Beratungsbedarf auslösten.(Mit Material von dts)