„Germanys next Problem“: Sitzordnung im Bundestag

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Ist es nicht beruhigend, wenn zumindest die Politik bereits wieder vollständig zur Normalität zurückgekehrt ist? Selbstverständlich haben wir in Deutschland derzeit keine anderen Probleme, sodass sich die Parteien im Bundestag um richtig wichtige Dinge kümmern können. COVID-19, Grundrechtseinschränkungen, abstürzende Wirtschaft, drohender Lieferengpass und Blackout … die Liste ließe sich beliebig verlängern. Aber das sind alles keine nennenswerten Probleme, die die Politik aktuell beschäftigen müsste.

Ein echtes Problem hingegen ist derzeit die künftige Sitzordnung im Bundestag. Und da ergeben sich völlig neue Allianzen, wie man hier erfahren kann: Linke und FDP für neue Sitzordnung im Bundestag … [FuldaInfo]. Zwar ist noch keine vernünftige Regierung in Sicht, aber der gewohnt kopflos und gut gelaunt wirkende Haufen hat dennoch ein ernsthaftes Problem ausfindig gemacht. Nichts kann die auserwählten Nieten und Kostgänger der Nation im schönsten Selbstbedienungsladen Deutschlands (ugs. Bundestag) davon abhalten, nunmehr ein großes „Ränkerücken“ zu veranstalten. Die bisherige Sitzordnung taugt nicht mehr und muss dringend optimiert werden.

So sehen echte Probleme aus

Kernproblem ist: Niemand will neben den „Schmuddelkindern“ sitzen. In der Folge unternimmt die FDP einen ersten Vorstoß, von rechts außen wieder weiter in die Mitte des Bundestages zu gelangen. Dabei wird sie frohen Mutes von den Linken unterstützt. Das Einzige, was sie bislang verband, war wohl der Oberbegriff „Opposition“. So viel Einigkeit würde man sich tatsächlich wünschen, ginge es tatsächlich um die Belange des Souveräns. Scheinbar fühlt sich die FDP total verkannt und am rechten Rand deplatziert. Selbst wenn sie die Außenseiterposition als Oppositionspartei in der letzten Legislatur widerwillig ertrug, möchte sie nunmehr, ob ihrer neu erlangten Bedeutung, endlich im Bundestag wieder mehr in die Mitte rutschen.

Offensichtlich haben die Neuankömmlinge im Bundestag die diskreteren und weniger auffälligen Beschäftigungen noch nicht für sich entdeckt. Irgendwie will ja die Zeit während der langweiligen Sitzungen totgeschlagen werden. Aktive Beteiligung ist, außer bei den durch Fraktionszwang geprägten Abstimmungen, nicht erforderlich. Die Grünen dealen zuweilen ein wenig untereinander, mit was auch immer. Die etwas erfahreneren Kollegen setzen da zur Aufbesserung ihrer Diäten eher ein wenig auf Online-Glückspiel … [Rеklаmе]. Das geht ganz wunderbar aus dem Bundestag, denn die haben tatsächlich ein sehr flottes und naja, auch sicheres Netz. Vor allem ist diese Form der Beschäftigung noch sehr viel unverdächtiger als dauernd in der Lobby herumzustreunen und dort auf Geldkoffer zu warten.

Sei es wie es ist. Nun stellt sich allerdings die weit dramatischere Frage, welche Partei den Schmuddelkindern künftig an die Seite gesetzt werden soll. Gemeint sind die rechtsaußen vor sich hin gammelnden AfD’lern, mit denen niemand spielen geschweige denn reden darf. Wenn man sich dieses niveaulose Schauspiel so richtig ansieht, dann müsste man gar noch meinen, dass die Herrschaften rechts außen auch noch stinken, denn ansonsten bräuchte es grundlegend die nun verhandelte räumliche Distanz nicht in dem Ausmaß. Sicher, den verprellten Wählern stinkt noch ganz etwas anderes in dem Haus, aber das ist nicht Gegenstand dieser Betrachtung.

Nach Merkel ist die CDU viel zu weit links

Wer bietet sich gemäß alter Tradition mehr an als die CDU? Diese Partei wäre nach dem endlosen Merkel-Linksrutsch wieder weiter nach rechts zu expedieren. Vielleicht kommen sie ja dann noch auf den glorreichen Gedanken, mit der einstigen Abspaltung von der CDU, also der AfD, in den Dialog zu gehen. Es sind ja dem Grunde nach alles alte Kollegen. Letztlich stinkt doch die CDU nicht minder kräftig wie die AfD. Nur die Duftnote, so meinte man bislang, sei eine etwas andere. Und wenn dann die Stinker wieder ganz unter sich sind, sind ja auch die Knalltüten von der FDP nicht fern.

Und siehe da, schon wäre die „Bahama-Koalition“ … [Spiegelbild] wieder in Sicht. Schwarz, gelb und blau. Die zöge sich dann von rechts außen bis knapp über die Mitte. Immerhin verfügte sie dann mit drei Stimmen über die einfache Mehrheit in Deutschlands teuerstem Kabarett. Wenngleich die politischen Leistungen qualitativ keine Verbesserung erführen, so doch zumindest der Unterhaltungswert für die Nation. Dafür sind sich der Herrschaften dann doch wieder zu fein. Und so bleibt es dann beim alten Theater.

Ein derartiges Verhalten im Bundestag wäre einfach zu revolutionär. Es drohte das unausgesprochene „Ausgrenzungsgebot“ einer demokratisch gewählten Partei aufzuweichen. Nur ein Gedanke liegt den Fraktionären noch ferner. Ihre Arbeitsleistung für das säuerlich belustigte Publikum zu verschwenden, welches sich diese erbärmliche Schmierenkomödie zur neunen Sitzordnung im Bundestag mit ansehen darf. Dies, noch weit bevor der Bundestag überhaupt die kleinste Kleinigkeit im Sinne der von ihm vertretenen Bürger unternommen hat. Und schon sind wir wieder mitten drin, in demselben und gewohnten Filz, der nur seine eigenen Belange kennt.