Erdingers Absacker: Wer hat Ihnen eigentlich den Krieg erklärt?

Erdingers Absacker; Bild: Collage
Erdingers Absacker; Bild: Collage

+++ Es wird heute bei diesem einen Thema bleiben, meine Herren, da ich unsere gemütliche Runde eines dringenden Termins wegen vorzeitig verlassen muß. Cheers! Nicht, daß Sie glauben, ich würde mich mit einer faulen Ausrede davonstehlen wollen: Ich habe heute das fabelhafte Angebot bekommen, einen Artikel unter der folgenden Schlagzeile zu lesen: „Wie man mit den eigenen Händen Weihnachtsgeschenke verpackt.“ Lachen Sie nicht. Ich habe den Artikel natürlich nicht gelesen, sondern sofort eine e-mail an die Redaktion geschrieben mit der Frage, ob man mich dort für völlig verblödet hält. In der Antwort teilte mir die Redakteurin mit, daß sie mir gerne beibrächte, wie man sich mit eigenen Händen einen runterholt. Sie sehen also, daß ich diese einmalige Gelegenheit heute unbedingt wahrnehmen muß.

  • Herr von Krasznic?! Nehmen Sie bitte Ihre eigenen Hände, wenn Sie sich einen Drink einschenken wollen, anstatt einfach Herrn Handlos die Prothese vom Unterarmstumpf zu ziehen! Sie wissen, daß Herr Handlos taubstumm ist und sein Mißfallen nicht selbst äußern kann. –

Weil ich nun weiß, meine Herren, daß es eigentlich meine Aufgabe wäre, unseren gemeinsamen Absacker mit Unterhaltung zu füllen: Ich habe mir für heute ein Thema überlegt, über das Sie sich angeregt ohne mich unterhalten können. So sollte einigermaßen sichergestellt sein, daß Ihnen auch nach meiner Abwesenheit nicht langweilig werden wird. Deshalb meine Frage in die Runde: Wer hat Ihnen eigentlich den Krieg erklärt? Bevor ich mich verabschiede, habe ich aber noch Zeit, Ihnen ein paar Denkanregungen dazulassen. Cheers!

Weil es gerade um eine Schlagzeile ging: Kramen Sie in Ihrer Erinnerung. Wie oft haben Sie in den vergangenen Jahren eine Schlagzeile gelesen, in der „wir müssen“, „wir brauchen“ oder „wir dürfen nicht“ vorgekommen ist? Es waren so viele, daß Sie sich gar nicht mehr daran erinnern können, was wir angeblich alles müssen, brauchen und nicht dürfen. – Gut. So geht es mir auch. Und jetzt überlegen Sie, wie oft Sie schon eine Schlagzeile gelesen haben, in der zu lesen stand „Sie müssen“, „Sie brauchen“ oder „Sie dürfen nicht“? – Sehen Sie? Nicht ein einziges Mal. Aber gelesen haben Sie es trotzdem. Wo? – In Gesetzestexten. Und zwar in neuen Gesetzestexten – und immer, nachdem Sie alles, was Sie müssen, brauchen und nicht dürfen vorher in den Schlagzeilen unter „Wir müssen“, „Wir brauchen“ und „Wir dürfen nicht“ gelesen hatten. Überlegen Sie: Wurden Ihnen die Schlagzeilen mit „wir müssen“ präsentiert, damit Sie sich beim späteren „Sie müssen“ schlau vorkommen und sagen, das hätten Sie schon länger kommen sehen? Debattieren Sie darüber, wenn ich nachher nicht mehr hier sein werde. Es steht im Zusammenhang mit dem Generalthema des heutigen Abends. Wer hat Ihnen den Krieg erklärt? Ja, ich weiß, Sie haben nicht mitbekommen, daß Ihnen jemand den Krieg erklärt hat. Es ist ja auch keiner erklärt worden. Halten Sie es bitte trotzdem für möglich, daß Ihnen jemand den Krieg erklärt haben könnte und daß er es Ihnen lediglich nicht erzählt hat. Herr Handlos würde mir sicher zustimmen, wenn ich behaupte, Erklärungen der stillen Art könne man nicht hören.

  • Herr von Krasznic, stecken Sie Herrn Handlos jetzt sofort die Prothese wieder auf den Unterarmstumpf! Ich glaube, er möchte ein Zeichen setzen. –

Sehen Sie: Jemandem dem Krieg zu erklären, ohne es ihm zu sagen, ist unter kriegsstrategischen Gründen sehr gewieft, bisweilen sogar alternativlos, wie unsere scheidende Kanzlerin sagen würde. Nehmen Sie zum Beispiel einen Ehekrieg. Eine zierliche und körperlich schwache Frau würde gern einen Krieg gegen ihren Ehemann führen. Der ist aber ein Hüne mit Bärenkräften und knapp zwei Meter groß. Überlegen Sie: Könnte diese Frau es sich leisten, erst den Krieg zu erklären, bevor sie ihn beginnt? Sie will den Krieg schließlich gewinnen! Nein, Sie müsste den Hünen in Sicherheit wiegen und warten, bis er auf der Couch vor dem Fernseher eingeschlafen ist. Etwa, weil sowieso wieder nur Frauenfernsehen auf dem Programm gestanden hatte. Dann nimmt sie ein Brecheisen und zieht es ihrem Mann über den Schädel. Nun ist er so mausetot, daß ihm nicht einmal mehr auffällt, wer den Krieg gewonnen hat. Ich will Ihnen sagen, wer die Kriegserklärung erfunden hat. Das waren Männer. Und gekommen ist es so: Alle Männer standen betrübt in der Gegend herum, weil es eine unlösbare Meinungsverschiedenheit gab zwischen zwei Gruppen unter den Männern. Die eine wollte etwas, und die andere wollte, daß sie es keinesfalls bekommt. Mit Reden war keine Entscheidung herbeizuführen. Es musste aber eine fallen, weil sonst ewiger Unfrieden drohte, in welchem Hader & Zwietracht den Alltag bestimmen würden. Sie mussten es also auskämpfen. Und weil vorher klar gewesen ist, daß es keine gerechte Lösung für das Strittige geben würde, fanden sie sich demütig damit ab, daß es der Stärkere sein soll, der am Ende bekommt, was er haben will. Die eine Gruppe akzeptierte für sich genauso, daß sie verlieren könnte, wie die andere. Sie freuten sich nicht auf den Kampf und erkannten sich selbst in ihren Gegnern. Das war der Grund dafür, daß sie die Fairness erfunden haben. Bei aller Gegnerschaft zueinander fanden es die beiden Männergruppen fair, der jeweils anderen den Krieg erst einmal zu erklären, bevor sie sich in aller Demut vor dem Unabänderlichen die Schädel einschlugen, um hernach Frieden einziehen zu lassen. Fairness ist ein männliches Konzept. Soweit man das also in diesem Zusammenhang sagen kann, ist die Kriegserklärung ein Akt der Fairness. Anders ausgedrückt: Fairness muß man sich leisten können. Jemand, der von Haus aus unterlegen ist und in den Krieg ziehen will, um ihn zu gewinnen, kann sich Fairness nicht leisten. Überlegen sie: Wer hat Ihnen den Krieg erklärt? Und wenn Ihnen niemand den Krieg erklärt hat, heißt das dann, daß er keinen führt gegen Sie? Denken Sie nach: Wäre es für einen Unterlegenen nicht eine zielführende Strategie, Ihnen im Wissen um Ihr Verständnis von Fairness ständig zu suggerieren, er sei einer der Ihren, indem er Sie mit einem permanenten „Wir müssen“, „Wir brauchen“ und „Wir dürfen nicht“ in der tödlichen Sicherheit wiegt, es sei gar kein Feind anwesend? Überlegen Sie: Wäre seine Strategie nicht eigentlich alternativlos?

  • Herr von Krasznic! Das gilt auch für die Beinprothese von Herrn Handlos! Es gehört sich nicht, im Handstand auf der Beinprothese von Herrn Handlos zur Bar zu hüpfen, um sich dort mit den eigenen Füßen einen Drink einzuschenken! –

Wer hat Ihnen den Krieg erklärt, meine Herren? Haben Sie einmal in den Koalitionsvertrag der neuen Regierung geschaut, bevor wir hier zusammengekommen sind, um uns einen Absacker zu genehmigen? In diesem Koalitionsvertrag steht etwas von einer Pflicht zur energetischen Sanierung von Altbauten. Können Sie sich vorstellen, wem Ihr Chateau gehören wird, Herr von Steindübel, wenn das Gesetz wird? Sie haben das Geld gar nicht mehr, das Sie bräuchten, um Ihr Chateau energetisch zu sanieren. Und Kredit bekämen Sie angesichts Ihres fortgeschrittenen Alters auch keinen mehr. Ihre Ländereien haben Sie ohnehin schon verhurt, verspielt und versoffen. Glauben Sie wirklich, es ginge um den Weltklimaschutz dabei? Oder meinen Sie nicht, es ginge viel eher darum, Sie zu enteignen und in der Folge dann die energetische Sanierung Ihres vormaligen Chateaus von der Allgemeinheit bezahlen zu lassen? Meinen Sie nicht, Herr Steindübel, eine gesetzlich vorgeschriebene Altbausanierung Ihres eigenen Chateaus auf Ihre Kosten sei zu übersetzen mit einer unhörbaren Kriegserklärung? Überlegen Sie! Wenn die Kommunisten mit ihrer Armee kämen, um Ihnen per Waffengewalt Ihren Besitz zu stehlen, würden Sie etwa nicht mit der dicken Berta auf das rote Pack feuern, was das Munitionslager hergibt und Luftunterstützung von uns Absackern hier im Club anfordern? Denken Sie nach: Könnte „Altbausanierung“ ein Synonym für „rote Armee“ sein? Und wenn ja: Wer hätte Ihnen dann den Krieg erklärt, ohne daß Sie es hören konnten? Cheers, meine Herren!

  • Ja, Sie sind ein Körperartist, Herr von Krasznic! Es macht Innen nicht leicht einer nach, im Handstand auf der Beinprothese von Herrn Handlos stehend, mit den eigenen Füßen sich einen Drink an der Bar einzuschenken und ihn dann auch noch zu trinken. Das Verschüttete dann aber auch noch mit dem Wollstrumpf über der Prothese aufzuwischen, geht jetzt eindeutig zu weit. Geben Sie Herrn Handlos seine Beinprothese zurück und ziehen Sie ihm nicht wieder die Unterarmprothese ab bei Ihrer scheinheiligen Simulation eines dankbaren Handshakes für die unfreiwillige Leihgabe von seinem Fuß! Schütten Sie Herrn Handlos lieber noch einen Drink in den Hals. Ohne Eiswürfel! Was sagen Sie dazu, Herr Handlos? Ach so, Sie sagen ja nichts. Da hätte ich Sie gar nicht erst zu fragen brauchen. –

Überlegen Sie meine Herren: Wer hat Ihnen den Krieg erklärt? In diesem Koalitionsvertrag steht, daß aus unserem Vaterland, diesem degenerierten Mutterboden, auf welchem uns zuerst per Altbausanierung der Besitz unter dem Hintern wegklimatisiert werden soll, so etwas wie ein Bundesland der EUdSSR werden soll, von dem aus eine „feministische Außenpolitik“ betrieben wird. Wer hat Ihnen den Krieg erklärt? Denken Sie nach! Haben Sie Anspruch darauf, daß ein deutscher Außenminister die Interessen seines Vaterlandes nach außen vertritt, oder haben Sie nur noch einen Anspruch darauf, daß eine hochstaplerische Hausfrau und Mutter von zwei Kindern – und ich möchte nicht wissen, welche zwei – unseren befreundeten Nachbarländern so lange mit ihrem feministischen Generve auf den Senkel geht, bis die unserem Vaterland, diesem degenerierten Mutterboden, den Krieg erklären? Und wer müsste dann kämpfen? Die feministische Frau Außenministerin? Denken Sie nach! Wer hat Ihnen den Krieg erklärt? Befinden Sie sich bereits im Krieg, ohne daß Ihnen das aufgefallen wäre? Denken Sie nach. Unterhalten Sie sich.

Noch eine Anregung, meine Herren, für nachher, wenn ich weg bin: Korrelation und Kausalität. Halten Sie den unbestreitbaren Niedergang unseres Vaterlandes und die zeitlich parallel dazu verlaufene, inzwischen überall zu konstatierende Kaperung verantwortungsvoller Positionen in Staat und Gesellschaft durch feministische Weibspersonen für eine Korrelation, bei der das eine mit dem anderen nichts zu tun hat? Oder halten Sie das für eine Kausalität, will sagen, das eine ist Resultat des anderen? Denken Sie nach: Wer hat Ihnen den Krieg erklärt, indem er ihn eventuell nicht erklärt haben könnte? Haben Sie gelesen, wer neue Kulturstaatssekretärin werden soll? Wer hat Ihnen und Ihrer Kultur den Krieg erklärt? Und müsste diese Frau nicht eigentlich unter der Bezeichnung „Cancel-Kultur-Staatssekretärin“ laufen? Haben Sie jüngst die Fotos von ihr gesehen, auf denen sie aussah, als sei sie der Strumpfhosenprinz aus einem dieser DDR-Märchenfilme? Denken Sie nach! Überlegen Sie! Ein Wirtschaftsminister, der mit seinem Vaterland nichts anzufangen weiß und schon den Begriff „Vaterland“ stets zum Kotzen fand, ständig die feministische Hausfrau und Mutter von zwei Kindern als Aufpasserin an seiner Seite zu dulden hat, weil er alleine nirgendwo hindarf von Seiten seiner Mutterpartei aus -, ein solcher Wirtschaftsminister: Macht der wahrscheinlich Wirtschaftspolitik für unser Vaterland oder gegen unser Vaterland? Denken Sie nach! Der bewachte Mann wird außerdem auch noch Klimaminister. Minister für Wirtschaft & Klima. Wissen Sie, was die Chinesen unter dem Wort „Baizuo“ verstehen? Wissen Sie eigentlich, daß man nur über die Grenze nach Stettin zu fahren braucht, um zu erfahren, daß einen die Polen inzwischen für völlig durchgeknallt halten? Wer hat Ihnen eigentlich den Krieg erklärt, meine Herren? Versteckt sich der wahre Feind unseres Vaterlandes eventuell hinter seinem „Wir müssen“, „wir brauchen“ und seinem „wir dürfen nicht“? Haben Sie gehört, daß unser Land gespalten sei? Bedenken Sie: Männliche Aggression ist immer laut und krachend, unüberhörbar. Weibliche Agression muß immer über den Boden wabern wie ein Giftgas, leise, nicht riechbar, wie ein unsichtbarer Nebel, damit man sie nicht so leicht wahrnimmt. Ich sage Ihnen: Am Ende sind trotzdem alle tot. Überlegen Sie, meine Herren: Wer hat Ihnen und der Fairness den Krieg erklärt? Hat Ihnen jemand den Krieg erklärt? Hätte Ihnen jemand den Krieg erklären müssen, bevor er einen gegen Sie führt? Sind Sie Gefangene Ihrer eigenen Vorstellung von Fairness?

Bevor ich Sie gleich verlassen werde, meine Herren, will ich Ihnen noch eine kleine Anekdote erzählen. Es war einmal ein Mann, der sein Weib eigentlich von Herzen gern hatte, weil er wußte, daß es einen guten Wesenskern hatte, der in diesen Zeiten leider etwas verschüttet worden war. Sein Weib hatte vulgärfeministische Attitüden verinnerlicht, ohne je darüber nachgedacht zu haben. Zu reden war mit seiner Frau ohnehin nicht über ihre Eigenheiten, da sie sich leicht persönlich angegriffen fühlte. Hadern wollte er auch nicht ständig damit, weil er sich bewußt gewesen war, daß er selbst auch keinen Heiligenschein aufhatte. Eines Abends saßen die beiden zusammen vor dem Fernseher. Es war ihnen gelungen, sich auf ein Programm zu einigen, das nicht ausgesprochenes Frauenfernsehen gewesen ist. Sie sahen sich eine Tierdoku gemeinsam an. Auf Tiere konnten sie sich immer einigen. Der Mann war fasziniert von den Zeitlupenaufnahmen eines Geparden, der ein Antilopenjunges jagte, welches sich etwas zu weit von der Herde entfernt hatte. Diese Eleganz! Der Mann war hingerissen von der Schönheit und der Ausstrahlung des Geparden. Dann erwischte der Gepard das Antilopenjunge und biß ihm das Genick durch. Der Mann seufzte kurz und dachte sich, so sei eben das Leben. Das hatte er sich im Bruchteil einer Sekunde gedacht und als er mit Denken fertig war, hörte er von seiner Frau den Satz: „Der Gepard ist ein Arschloch.“ Er blickte sie kurz an und dachte dann an alle diese Frauen in den Spitzenpositionen von Staat und Gesellschaft. Dann fragte er sich, wer ihm eigentlich den Krieg erklärt hatte. Wer hat Ihnen eigentlich den Krieg erklärt?

So, ich muß jetzt gehen, meine Herren. Ich wünsche Ihnen noch einen anregenden Abend bei ergiebigen Gesprächen. Lassen Sie mich bei unserem nächsten Treffen wissen, ob Sie herausfinden konnten, wer Ihnen den Krieg erklärt hat und ob einer stattfindet, der Ihnen eventuell nicht explizit erklärt worden ist. Auf …

  • Herr von Krasznic! Ich sehe Sie. Wenn Sie die Flasche, die Sie sich aus der Bar geschnappt haben, dort oben auf der Vorhangstange knapp unter der Zimmerdecke austrinken, dann stürzen Sie betrunken drei Meter fünfzig in die Tiefe! Werfen Sie mir die Flasche zu und seilen Sie sich vorsichtig am Vorhang wieder nach unten ab! Warum hat Herr Handlos eigentlich keinen Kopf mehr auf? Immer dasselbe Theater, Herr von Krasznic! Sie sollen Herrn Handlos in Ruhe lassen! –

… Wiedersehen, meine Herren! Denken Sie nach. Überlegen Sie. +++