Gerichtsbeschluss: „Spiegel“ muss Artikel über Julian Reichelt offline nehmen

Julian Reichelt (Foto:Imago/Schüler)
Julian Reichelt (Foto:Imago/Schüler)

Der Spiegel muss Teile seines Verrissartikels „Vögeln, fördern, feuern“ über den mittlerweile via Cancle-Culture entsorgten Bild-Chefredakteur Julian Reichelt zurückziehen.  

Vor rund fünf Wochen wurde der Bild-Chef Julian Reichelt – unter lautem Beifallgeklatsche des Mainstreams – von Springer entlassen. Die „New York Times“ buddelte und förderte „weitere Details über sein Verhalten und die fehlende Trennung von Beruflichem und Privatem ans Tageslicht“. Ein halbes Jahr vor Reichelts finaler „Exekution“ wurde der 42-Jährige bereits eines Verbrechens überführt, das nur von Männern in höher gestellten Positionen, und keinesfalls von Frauen in ähnlichen beruflichen Gefilden begangen werden kann: dem „Sex-mit-Untergebenen“-Verbrechen. Nach einer Untersuchung vor dem „Compliance-Gericht“ erhielt Reichelt jedoch – mit kleinen Einschränkungen wie es damals hieß – seinen Posten zurück.

Das Relotius-Blatt titelte vor einem halben Jahr: „Vögeln, fördern, feuern“. Reichelt erwirkte im März gegen den Spiegel-Artikel eine einstweilige Verfügung. Das Blatt hatte einmal mehr jegliche journalistischen Standards über Bord geworfen und Reichelt – wie dieser eidesstattlich erklärte – keinerlei Möglichkeiten eingeräumt, darauf mit einer Stellungnahme zu reagieren. Das Blatt ergänzte daraufhin den Online-Artikel mit Reichelts Stellungnahme, ließ das Pamphlet jedoch online.

Nun hat Reichelt zum offensichtlichen Missfallen von Zeit und Co. vor dem Landgericht Hamburg einen weiteren Teilsieg gegen den Spiegel errungen. Reichelt sah in der Onlinestellung des Spiegelartikels einen Verstoß gegen die einstweilige Verfügung und beantragte einen Ordnungsmittelbeschluss. Das Gericht hat nun entschieden, dass der Artikel online nicht mehr abrufbar sein darf.

Dem wollen sich die Helden aus der Spiegel-Redaktion nicht beugen, freut sich unter anderem die Zeit. Laut dem Branchenportal Medieninsider habe das Magazin Beschwerde beim Oberlandesgericht eingereicht. (SB)