Erdingers Absacker; Bild: Collage
Erdingers Absacker; Bild: Collage

Erdingers Absacker: Wenn das Virus den Zapfen streicht

+++ Die ARD-Tagesschau vor vierzig Jahren, am 26.11.1981: Ein Nachrichtensprecher, der gekonnt vom Blatt las, keine Miene verzog, egal, worum es ging – und wenn es um einen Angriff der Außerirdischen gegangen wäre. Das Studio gut ausgeleuchtet, hinter dem Sprecher eine Landkarte oder ein beschriftetes Foto. Guten Abend, meine Damen und Herren. Immer derselbe Tonfall. Neutral. Unaufgeregt. Seriös. Distanziert.
Die ARD-Tagesthemen am 26.11.2021: Ein Horrormovie. Bedrohlich hängt ein riesiges Virus in schwarz an einem dünnen Faden von der Studiodecke, die Nachrichtensprecherin berichtet live aus der Blutbahn. Ein inexistenter Panik-Experte regt zum Nachdenken an: Wie dumpfbackig muß jemand sein, der glaubt, hier ginge es noch um die Information eines Souveräns, dem zugemutet werden kann, sich allein mit der nüchternen Information ein Bild von der Lage zu machen? Wahr sei doch wohl, daß die Erythrozythen (rote Blutzellen), die man in der Studio-Animation tablettenförmig durch die Ader taumeln sieht, etwa siebzigmal größer seien als das grotesk überdimensionierte, schwarze Virus, das in 3D von der Studiodecke herunter vor der Blutbahn im Hintergrund baumelt. Wer sich nicht allmählich darüber klar werde, welche Funktion die ARD inzwischen tatsächlich übernommen habe, der könne wohl kaum wissen, wie Propaganda angelegt sei. Sie ziele nämlich nie auf den Verstand und das bereits vorhandene Wissen ab, sondern immer auf die viel tiefer liegenden Bereiche der Massenpsyche. So gesehen beweise eine Studiodekoration wie die vom 26.11.2021 sehr eindrücklich, was aus dem Kulturvolk der Dichter & Denker vermittels verschiedenster sozialdemokratistischer Bildungsreformen über Jahrzehnte gemacht worden sei: Ein hoffnungslos in seiner subjektiven Meinerei & Finderei verlorenes Volk von ignoranten Meinungsinhabern, im internationalen Wissenswettbewerb rettungslos abgehängt – und seines Aufhetzungspotentials wegen brandgefährlich. +++

Tagesthemen Virus
ARD-Tagesthemen am 26.11.2021: Die Studiodekoration – Foto: Screenshot ARD

+++ „Wokeness“ und „Cancel-Culture“: Das Berliner Staatsballett hat den „Nussknacker“ von Pjotr Iljitsch Tschaikowski „entsorgt“, also aus dem Programm gestrichen. Begründung: Kulturelle Stereotype, wie beispielsweise ein erfundener chinesischer Tanz. Seit der Uraufführung des Märchen-Balletts im Jahr 1892 hatte sich an Erfundenem niemand gestört. Nun ist ja ausgerechnet Claudia Roth zur neuen Kulturstaatssekretärin gekürt worden. Sie ist bekannt dafür, daß sie grenzenlos tolerant ihrem eigenen Toleranzbegriff gegenüber ist. Deshalb werden wohl weitere „Nussknacker entsorgt“ werden müssen. „Entartete Kunst“ wahrscheinlich. Sie wird also einiges zu tun bekommen. „Don Quijote“ – gecancelt weil: Gewalt gegen Windkraft. AfD-Propaganda. „Die Schatzinsel“ – gecancelt weil: Beinamputierter wird als Verbrecher dargestellt. Fehlende Inklusion. Geht gar nicht. „Moby Dick“ – Walfang. Spinnt ihr? „Winnetou“ – von einem weißen Mann verfasst. Anmaßung. „Die Brüder Karamasow“ – und wo sind die Schwestern Karamasow? „Der Zauberberg“ – weiße Privilegien im Edelsanatorium. Ekliger Reichenporno. „Der alte Mann und das Meer“ – und wie kommt der Thunfisch dabei weg? „Der Froschkönig“ – total abartig. Ein Frosch wird an die Wand geworfen. „Dornröschen“ – einzig zulässige Interpretation: Der Prinz ist ein Krimineller und hatte K.O.-Tropfen verwendet, um sich die Bewußtlose gefügig zu machen. „Hänsel und Gretel“ – Glorifizierung einer Hexenverbrennung. Pfui Teufel. Ein inexistenter Deutschland-Experte: Es wird sich noch herausstellen, daß es ein braunes Kulturverständnis auch in grün gibt. +++

+++ Der wahre Horror kommt allerweil aus Südafrika: Die Virus-Supermutante. Die deutschen Medien überschlagen sich vor Alarmismus. Deswegen lohnt sich ein direkter Blick nach Südafrika. Ein freundlicher junger Mann aus der Nähe von Kapstadt berichtete in einem Video, in Südafrika selbst habe noch kaum jemand etwas von dem Monster gehört. Dazu hätte er schon deutsches Fernsehen anschauen müssen. Die Lage sei so entspannt wie das, was man in Südafrika eben noch als entspannte Lage bezeichnen kann. Ein bißchen Maskenträgerei hier und da – und das wäre es dann auch gewesen. Die Virus-Supermutante, die gräßliche, sei kein Nummer-Eins-Thema in den südafrikanischen Nachrichten. Ein inexistenter Auslands-Experte meinte, es werde eben nicht überall so neutral und verantwortungsvoll von der globalen Lebensgefahr berichtet wie in Deutschland. +++

+++ Welche Regierung ist noch verantwortungsbewußter und kümmert sich mit noch mehr Liebe zur Gesellschaft ihrer „die Menschen“ als die deutsche um dieselbe? – Klarer Fall: Die österreichische. Um aber in diesen gräßlichen Seuchenzeiten nicht selbst zu verzweifeln, gönnte sich die österreichische Regierung eine kleine Auszeit von dem ganzen Stress, und begab sich maskenlos zu einer Gala-Party unter dem Motto „Licht ins Dunkel“. Der österreichische Ex-Innenminister Herbert Kickl (FPÖ) will der Regierung aber keine Entspannung gönnen und spricht von einem Skandal, von einem „wirklich absoluten Tiefpunkt“. Bei Facebook schreibt er: „Während die Österreicher – ganz egal ob geimpft, ungeimpft oder genesen – zu Hause eingesperrt werden, feiern Schallenberg, Kogler und Co. mitten im Lockdown bei der „Licht ins Dunkel“-Gala. Und während sie feiern, kämpfen Arbeitnehmer um ihre Existenz und Betriebe müssen für immer ihre Pforten schließen. Geht es dieser Regierung eigentlich noch ganz gut? Eigentlich müsste nun Van der Bellen umgehend tätig werden, doch unser feiner Herr Bundespräsident befindet sich ja selbst unter der feiernden Schickeria – ohne Abstand und ohne Maske. Die schlechteste Regierung in der Geschichte der zweiten Republik wird von Tag zu Tag noch beschämender. Da gibt es Österreicher, die nicht wissen, wie sie ihren Kindern in diesem Jahr ein Weihnachtsgeschenk kaufen können, falls die Geschäfte überhaupt noch öffnen – und was macht diese Regierung? Sie macht „Halli Galli“ mitten in Ausgangssperren und Lockdowns.“ – Ein inexistenter Beruhigungs-Experte erklärte dazu, es sei der österreichischen Regierung nur darum gegangen, unter Lebensgefahr zu beweisen, daß sie mit der deutschen AfD nichts zu tun haben wolle. Die habe nämlich ihren für Dezember geplanten Parteitag abgesagt. Und zwar aus Solidaritätsgründen mit dem geknechteten österreichischen Volk. Wenn es keinen anderen Grund dafür gegeben habe. +++

Schallenberg Kogler
Kanzler Schallenberg, Vizekanzler Kogler bei der Gala „Licht ins Dunkel“ – Foto: Screenshot vom FB-Account Kickl

 

+++ Ein Foto vom Gelände des Westhafens in Berlin. Zu sehen sind die frischgebackenen Koalitionäre der Ampel, einträchtig nebeneinander herlaufend. Keine der abgebildeten Personen trägt eine Maske. Wenig später ist dieses Foto via Google nur noch in einer geschnittenen Version zu finden. In der ursprünglichen Version war am linken Bildrand ein Mann mit schwarzer Maske zu sehen, möglicherweise einer der Chauffeure vor den Dienstlimousinen, die am linken Bildrand ebenfalls in Reih und Glied zu sehen gewesen waren. Ein inexistenter Häufungs-Experte erklärte, es sei ihm in letzter Zeit schon öfter aufgefallen, daß auf Bildern von den „hohen Tieren“ immer irgendwelche Subalternen im Hintergrund umeinanderwuseln, und daß sie immer maskiert seien, während die „hohen Tiere“ direkt daneben keine Masken trügen. Er sei sich gerade wegen der skandalösen Gala-Party in Österreich ziemlich sicher, daß es sich hier nicht um Fahrlässigkeit, Leichtsinn oder Dummheit handle, sondern um das absichtliche Vermitteln einer wortlosen Botschaft an den eigentlichen Souverän. Sie laute: Wir machen mit euch, was wir wollen. Ihr könnt uns gar nichts. +++

+++ Angela Merkel ist nicht als besonders große Zapfenstreicherin bekannt. Kommenden Donnerstag bekommt sie aber einen, ob sie will oder nicht. Die Bundeswehr verabschiedet die scheidende Kanzlerin mit einem großen solchen. Um 19.30 Uhr soll es losgehen. Die Scheidekanzlerin hat sich drei Lieder zum Zapfenstreichen gewünscht. Das Heeresmusikkorps übt bereits fleißig. Merkels Musikauswahl laut „Focus“: „Für mich soll’s rote Rosen regnen“ von Hildegard Knef. Außerdem „Großer Gott, wir loben dich“ und „Du hast den Farbfilm vergessen“, einen Hit der Punk-Lady Nina Hagen aus dem Jahr 1974, als die Bonner Republik noch fünfzehn weitere Jahre völliger Sicherheit vor der späteren Kanzlerin vor sich hatte. Hach ja. Ein inexistenter Musikinterpretationswunsch-Experte kommentierte Merkels Auswahl wie folgt: Daß die Rosen, die sich Merkel wünscht, rot sein sollen, dient der Verschleierung der Tatsache, daß sie eigentlich Nelken bevorzugt hätte, aber Hauptsache rot. Die vormaligen Deutschen, die heutigen „die Menschen“, sängen bei „Großer Gott, wir loben Dich“ wahrscheinlich begeistert mit, als ob es ein Gassenhauer sei, weil Merkel endlich weg ist – und das Lied vom vergessenen Farbfilm sei eine Ode an die Gewinner des Länderspiels DDR-BRD bei der Fußball-WM 1974, welches die Mannschaft der DDR mit 1:0 gewonnen habe. Die DDR sei das Heimatland des Euphemismus gewesen, wo „vergessen“ gern genommen worden sei, um nicht „gab´s nicht“ sagen zu müssen. Besonders unter FDJ-Funktionären seien Euphemismen populär gewesen. +++

 

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