Deutscher Professor: Hört auf, die Ungeimpften zu stigmatisieren

Prof. Dr. Günther Kampf, Facharzt für Hygiene und Umweltmedizin, wendet sich in einem offenen Brief an Politiker und Wissenschaftler. Sie sollen aufhören, Ungeimpfte zu stigmatisieren und die Gesellschaft weiter zu spalten.

„Es ist falsch und gefährlich, von einer Pandemie der Ungeimpften zu sprechen. Historisch gesehen haben sowohl die USA als auch Deutschland negative Erfahrungen mit der Stigmatisierung von Teilen der Bevölkerung aufgrund ihrer Hautfarbe oder Religion gemacht,“ so der deutliche Hinweis Kampfs.

Auch Geimpfte seien weiter am Infektionsgeschehen beteiligt, erklärt Prof. Dr. Kampf in der medizinischen Fachzeitschrift The Lancet. Es sei nicht richtig zu glauben, daß „die Ungeimpften die Geimpften bedrohen“ und weiter von einer „Pandemie der Ungeimpften“ zu sprechen. Diese Ansicht sei zu einfach, findet der Professor aus Hamburg.

Es gebe zunehmend Hinweise darauf, daß geimpfte Personen weiterhin eine wichtige Rolle bei der Übertragung spielen: „In Massachusetts, USA, wurden während verschiedener Ereignisse im Juli 2021 insgesamt 469 neue COVID-19-Fälle entdeckt, davon 346 (74 %) bei vollständig oder teilweise geimpften Personen, davon 274 (79 %) waren symptomatisch. Die Zyklusschwellenwerte waren zwischen vollständig geimpften Personen (Median 22,8) und ungeimpften, nicht vollständig geimpften Personen oder Personen mit unbekanntem Impfstatus (Median 21,5) ähnlich niedrig, was auf eine hohe Viruslast selbst bei Personen mit vollständig geimpft“ hinweist, weiß Kampf.

In den USA seien bis zum 30. April 2021 insgesamt 10 262 COVID-19-Fälle bei geimpften Personen gemeldet worden, davon 2725 (26,6%) asymptomatisch. 995 (9,7%) wurden ins Krankenhaus eingeliefert  und 160 (1,6 %) sind verstorben.

In Deutschland seien 55,4 % der symptomatischen COVID-19-Fälle bei Patienten ab 60 Jahren vollständig geimpft gewesen, ihr Anteil nimmt jede Woche zu. In Münster traten bei mindestens 85 (22 %) von 380 vollständig geimpften oder von COVID-19 genesenen Personen, die einen Nachtclub besuchten, neue Fälle von COVID-19 auf. Geimpfte Personen hätten ein geringeres Risiko schwerer Krankheit, seien aber immer noch ein „relevanter Teil der Pandemie“, so Prof. Dr. Günther Kampf und fordert „hochrangige Beamte und Wissenschaftler auf, die unangemessene Stigmatisierung nicht geimpfter Menschen, zu denen unsere Patienten, Kollegen und andere Mitbürger zählen, zu stoppen und zusätzliche Anstrengungen zu unternehmen, um die Gesellschaft zusammenzubringen“. (MS)

 

 

 

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