Polen: Migranten randalieren in Einrichtung und fordern Weiterreise nach Deutschland

Zumeist junge, kräftige Männer begehren Einlass in die EU; Bild: Screenshot Verteidigungsministerium Polen auf Twitter
Zumeist junge, kräftige Männer begehren Einlass in die EU; Bild: Screenshot Verteidigungsministerium Polen auf Twitter

In Polen hat eine Gruppe von etwa 100 Migranten, die illegal die Grenze überquert haben, randaliert und die Unterkunft zerstört, in der sie festgehalten werden. Sie fordern ihre Freilassung und die Weiterreise nach Deutschland.

Polens Grenzschutz gab am späten Abend bekannt, dass die Lage unter Kontrolle gebracht, die Einrichtung jedoch erheblich beschädigt worden sei. Die Gruppe sei laut NFP aus dem Gebäude gekommen und habe „Freiheit“ geschrien. Sie zerschlugen Fensterscheiben, legten Feuer und versuchten einen Zaun zu durchbrechen.

Etwa die Hälfte der 600 Menschen, die in der Einrichtung, die sich auf einem Truppenübungsplatz im Dorf Wędrzyn befindet, festgehalten werden, sind Iraker. Im Augenblick laufen dort die Vorbereitungen für einen Abschiebungsflug in Richtung Irak um einige Dutzend Männer, die nicht in Polen bleiben dürfen, in ihre Heimat zurückzuschicken, berichtet die Lokalzeitung Gazeta Lubuska.

Polen erlebt seit dem Sommer eine beispiellose Welle von Grenzübertrittsversuchen von Zehntausenden Menschen – meist aus dem Nahen Osten – über die Grenze zu Weißrussland. Tausende sind inzwischen nach Westeuropa abgereist, andere wurden von den polnischen Behörden festgenommen.

Nach dem Ausbruch der gestrigen Protestkundgebung wurden rund 500 Polizisten zur Unterstützung des Grenzschutzes hinzugezogen. Neben erheblichen Schäden an der Einrichtung wurde ein Grenzschutzbeamter nach Angaben des stellvertretenden Innenminister Maciej Wąsik durch einen Schlag mit einem Stuhl verletzt.

„Eine Gruppe von über 100 Migranten begann, in den Gebäuden, in denen sie leben, Fenster einzuschlagen, Gitter einzureißen und Möbel zu zerstören“, erklärte Wąsik. Sie forderten „entweder Freiheit, bessere Bedingungen, Transit nach Deutschland oder Abschiebung in den Irak“.

Wąsik sagte, dass es sich bei den Tätern um Männer zwischen 20 und 30 Jahren handeln würde, von denen die meisten ohne Ausweispapiere nach Polen eingereist waren. „Dies sind Menschen, deren Telefone viele beunruhigende Informationen zum Beispiel über Verbindungen zu Terrorismus oder Sexualverbrechen preisgegeben haben“, fügte er hinzu.

Vergangene Woche gab der Grenzschutz bekannt, dass in seinen Haftanstalten 1.854 Menschen festgehalten werden. Über 40 % von ihnen hätten keinen Asylantrag gestellt. Hunderte seien in ihre Herkunftsländer zurückgeführt worden.

Zwischen Anfang Juli und Ende Oktober gingen fast 4.500 Asylanträge von Ausländern auf internationalen Schutz beim Grenzschutz ein – eine beispiellose Zahl. Die größte Gruppe seien Afghanen, gefolgt von Weißrussen und Irakern. (MS)