„Krähen“ untereinander: Juncker würdigt Merkel als Ausnahme-Europäerin

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Luxemburg – Das passiert wohl, wenn man ständig zu tief in die Flasche guckt: Der frühere EU-Kommissionspräsident Jean-Claude Juncker hat Bundeskanzlerin Angela Merkel zum Abschied aus ihrem Amt als Ausnahme-Europäerin gewürdigt.

„Sie war eine ruhige Stimme der Vernunft, die wir in Europa noch vermissen werden“, sagte er dem „Redaktionsnetzwerk Deutschland“ (Donnerstagausgaben). Merkels größtes Verdienst nach 16 Jahren im Amt: „Merkel hat Europa endgültig zu einem wichtigen Teil deutscher Staatsräson gemacht“, sagte Juncker: „Nach Merkel wird es sich kein deutscher Bundeskanzler mehr erlauben können, nicht pro-europäisch eingestellt zu sein. Merkel hat Deutschland endgültig im europäischen Hafen verankert.“ Die scheidende Bundeskanzlerin habe „in der Regel die richtigen Fragen gestellt“, sagte der Luxemburger weiter: „Das ist ein Zeichen von Qualität, nicht Schwäche.“ Juncker schloss nicht aus, dass Merkel auch künftig eine Rolle in der internationalen Politik spielen wird.

„Ich glaube nicht, dass ihr der Sinn danach steht. Ich will aber nicht ausschließen, dass sie gebeten wird, ihre Erfahrung und ihr Talent in einer bestimmten Situation einzubringen“, sagte der Christdemokrat aus Luxemburg. „Ich bin mir aber sicher, dass Angela Merkel kein neues Amt antreten wird“, sagte er weiter: „Welches Amt sollte das auch sein? Die deutsche Bundeskanzlerin hat mehr Einfluss als der UN-Generalsekretär. Und wer Pfarrer war, möchte nicht als Kaplan in sein Dorf zurückkehren.“

Das klingt dann schon aber mächtig nach einer Bewerbung. Wir werden Frau Merkel also bestimmt irgendwo wiedersehen – und nicht in Panama, wie einige vermuten. (Mit Material von dts)