Ernsting’s-Family-Chef über 2G: „Dagegen werden wir klagen, bis zum letzten Euro“

Aufstand? (Bild: shutterstock.com/ Von Bjoern Wylezich)
Aufstand? (Bild: shutterstock.com/ Von Bjoern Wylezich)

Der Chef der Modekette Ernsting’s Family wettert gegen die jüngsten Coronabeschlüsse – und kündigt juristische Schritte an. Weitere Kläger dürften folgen. Damit rechnet der Handelsverband Deutschland (HDE) und ließ in einem Rechtsgutachten feststellen: 2G-Regelungen im Einzelhandel sind verfassungswidrig.

Timm Homann, Chef des im Familienbesitz befindlichen deutschen Textileinzelhandelsunternehmen Ernsting’s family, hat nun angekündigt, gerichtlich gegen die von Bund und Ländern beschlossenen Corona-2G-Maßnahmen vorgehen zu wollen. Die Beschlüsse, dass Ungeimpfte lediglich Supermärkte und Drogerien besuchen dürfen, kommentiert Homann mit den Worten: „Der politische Blindflug muss enden, die Gerichte müssen jetzt aktiv werden und gegen diesen unfassbaren Dilettantismus der Verantwortungsträger antreten.“ Die Einschränkungen nannte Homann einen „demokratischen Treppenwitz“.

Man sei noch nie näher an einer Bananenrepublik gewesen, so der Manager. Gegenüber dem Spiegel – der Homanns Kritik als „wettert gegen die jüngsten Coronabeschlüsse“ kategorisiert – gab der Firmenchef über einen Sprecher außerdem zu verstehen, dass der Handel zum „Faustpfand gegen die Ungeimpften“ gemacht werde. Die Maßnahmen seien zudem „reine Symbolpolitik und haben keinerlei Sachbezug“ – er verweist diesbezüglich auf die Supermärkte und Drogerien, die bereits in den vergangenen Shutdowns vermehrt Mode anboten. „Glauben Sie, dass irgendwo eine Socke oder ein T-Shirt weniger verkauft wurde?“, so die Frage in Homanns Stellungnahme. Tatsächlich wirbt ein großer Lebensmitteldiscounter aktuell in seinem neuen Prospekt offensiv für Sportbekleidung ab 9. Dezember. Die Politik sorge „in Willkür und ohne fachliche Fundierung dafür, dass einige Unternehmen reicher werden und andere an Substanz und Perspektive verlieren“, so der Ernsting’s-Chef. „In dieser Facette hat das Züge einer Bananenrepublik angenommen!“

„Dagegen werden wir klagen, bis zum letzten Euro“, sagte Homann. Das staatspolitische Versagen müsse adressiert werden, zumindest müssten die entstandenen Schäden für die Firmen, welche Einbußen verzeichnen mussten, „fair und mit Anstand“ ausgeglichen werden.

Homann kündigte zudem an, aktuell mit anderen Betroffenen wie etwa der Buchhandelskette Thalia die Option einer gemeinsamen Klage zu prüfen. Während man sich bei C&A noch zurückhaltend gibt, bestätigte Kik-Chef Patrick Zahn. „Diese Maßnahmen bringen für die Bekämpfung der Pandemie nichts, richten aber einen großen Schaden im Einzelhandel an“. Wie der Ernsting’s-Chef sprach auch Zahn einem Bericht des Handelsblatt zufolge von „Staatsversagen, dass die Politik das Problem mal wieder auf die kleine Gruppe der Non-Food-Händler abwälzt“. In den drei Bundesländern, in denen schon 2G gelte, mache die Kleiderkette derzeit 30 Prozent weniger Umsatz bei vollen Kosten.

Ein Sprecher des Handelsverbands Deutschland (HDE) teilte zudem mit, er rechne „fest damit, dass es einige Klagen geben wird“. Er verwies auf ein Gutachten der renommierten Kanzlei Noerr, wonach die nun beschlossenen Einschränkungen verfassungswidrig seien und unter anderem die Berufsfreiheit der Einzelhändler unzulässig einschränke. (SB)